Arbeiten bei hohen Temperaturen

Es herr­schen Tem­pe­ra­tu­ren über 30 Grad Cel­si­us. Kein Zwei­fel: wir haben Som­mer! Doch was den Urlau­ber freut, bringt den Arbeit­neh­mer im Büro nicht nur ins Schwit­zen son­dern beein­träch­tigt sowohl sein Befin­den als auch sei­ne Arbeits­kraft. So stellt sich der Arbeit­neh­mer nicht sel­ten die Fra­ge, ob er nicht — der Pra­xis der Schu­len fol­gend — ab einer bestimm­ten Tem­pe­ra­tur „hit­ze­frei” bekom­men könn­te. Alter­na­tiv tau­chen For­de­run­gen nach kos­ten­lo­sen Kalt­ge­trän­ken, luf­ti­ge­rer Klei­dung und Ven­ti­la­to­ren bis hin zur Instal­la­ti­on einer Kli­ma­an­la­ge auf.

Arbeiten bei hohen Temperaturen

Maß­ge­bend für den Zustand des Arbeits­plat­zes sind die Rege­lun­gen durch die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung und das Arbeits­schutz­ge­setz. An die dar­in ent­hal­te­nen Bestim­mun­gen hat sich jeder Unter­neh­mer zu hal­ten. Bereits im Jahr 2003 hat das Land­ge­richt Bie­le­feld1 in einem Urteil dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach den Anfor­de­run­gen des § 6 ArbStättV i. V. m. d. Arbeits­stät­ten­richt­li­ni­en Raum­tem­pe­ra­tur ASR 61.3,3 in der Fas­sung vom 08.05.2001 (BArbBl. 6−7÷2001 S. 94) die Innen­tem­pe­ra­tu­ren in Arbeits­räu­men 26 Grad Cel­si­us nicht über­schrei­ten sol­len. In dem hier vor­lie­gen­den Fall hat­ten Rechts­an­wäl­te sich dage­gen gewehrt, dass in ihren gemie­te­ten Kanz­lei­räu­men erhöh­te Raum­tem­pe­ra­tu­ren zu bemän­geln sei­en. Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Bie­le­feld ist bei höhe­ren Außen­tem­pe­ra­tu­ren die Tem­pe­ra­tur­gren­ze anzu­pas­sen, so dass die 26 Grad Cel­si­us nicht abso­lut gel­ten. Dabei kann bei die­ser Anpas­sung auf die DIN 1946 für raum­luft­tech­ni­sche Anla­gen zurück­ge­grif­fen wer­den, die von einer anzu­stre­ben­den Tem­pe­ra­tur­dif­fe­renz von 6 K (Kel­vin) zwi­schen Außen­luft und Raum­luft bei 32 Grad Cel­si­us Außentemperatur/​35 % rela­ti­ve Luft­feuch­te aus­geht.

Die­se Min­dest­re­ge­lun­gen hin­dern einen Arbeit­ge­ber jedoch nicht, bereits bei gerin­ge­ren Tem­pe­ra­tu­ren sei­nen Mit­ar­bei­tern Mög­lich­kei­ten der Abküh­lung zu ver­schaf­fen, indem er z.B. ver­mehrt Pau­sen­auf­ent­hal­te in küh­le­ren Räu­men gestat­tet oder Gemein­schafts­schrän­ke mit küh­len­den Geträn­ken und Snacks zur Ver­fü­gung stellt. In den Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten Abschnitt 4.4 wer­den mög­li­che zu ergrei­fen­de Maß­nah­men bei über 30 Grad Cel­si­us Raum­tem­pe­ra­tur auf­ge­zählt, wie z.B. Son­nen­schutz durch Jalou­si­en, Steu­er­rung der Lüf­tung, Abschal­ten von Wär­me erzeu­gen­den Gerä­ten oder Arbeits­zeit­ver­la­ge­rung. Auch wenn bei einer Tem­pe­ra­tur von 35 Grad Cel­si­us ein Arbeits­zim­mer nicht mehr zur Arbeits­aus­übung geeig­net ist (Abschnitt 4.4 (3) ASR A 3.5) , besteht für den Arbeit­ge­ber kei­ne Ver­pflich­tung, sei­nen Arbeit­neh­mern „hit­ze­frei” zu geben.

Im Fal­le der kla­gen­den Anwalts­kanz­lei hat das Land­ge­richt Bie­le­feld die Ver­mie­te­rin dazu ver­pflich­tet, in den Büro­räum­lich­kei­ten der Klä­ger zu gewähr­leis­ten, dass bei einer Außen­tem­pe­ra­tur von bis zu 32 Grad Cel­si­us die Innen­tem­pe­ra­tur 26 Grad Cel­si­us nicht über­steigt und bei höhe­ren Tem­pe­ra­tu­ren die Innen­tem­pe­ra­tur min­des­tens 6 Grad Cel­si­us unter der Außen­tem­pe­ra­tur liegt.

  1. LG Bie­le­feld, Urteil vom 26.03.2003 — 3 O 41101 []