Ausfuhrerstattung für Rindfleisch ohne BSE-Schnelltest

Eine Aus­fuhr­er­stat­tung für Rind­fleisch ist aus­ge­schlos­sen, wenn sich die ord­nungs­ge­mä­ße Durch­füh­rung des BSE-Schnell­tests nicht nach­wei­sen lässt.

Ausfuhrerstattung für Rindfleisch ohne BSE-Schnelltest

Nach Art. 21 Abs. 1 Unter­abs. 1 und 2 der im Streit­fall anzu­wen­den­den VO Nr. 8001999 wird Aus­fuhr­er­stat­tung nicht gewährt, wenn die Erzeug­nis­se am Tag der Annah­me der Aus­fuhr­an­mel­dung nicht von gesun­der und han­dels­üb­li­cher Qua­li­tät sind. Die­ser Anfor­de­rung ent­spre­chen die Erzeug­nis­se nur, wenn sie im Gebiet der Uni­on unter nor­ma­len Bedin­gun­gen und der im Erstat­tungs­an­trag auf­ge­führ­ten Bezeich­nung ver­mark­tet wer­den kön­nen und, falls die­se Erzeug­nis­se zur mensch­li­chen Ernäh­rung bestimmt sind, ihre Ver­wen­dung zu die­sem Zweck auf­grund ihrer Eigen­schaf­ten oder ihres Zustands nicht aus­ge­schlos­sen oder wesent­lich ein­ge­schränkt ist. Es han­delt sich hier­bei um eine mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung für die Gewäh­rung von Aus­fuhr­er­stat­tun­gen1. Das im Streit­fall aus­ge­führ­te Rind­fleisch erfüll­te die­se mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung nicht.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den hat2, waren Rin­der im Alter von über 24 Mona­ten gemäß § 1 Abs. 1 der Ver­ord­nung zur fleisch­hy­gie­ne­recht­li­chen Unter­su­chung von geschlach­te­ten Rin­dern auf BSE vom 01.12.20003 in der Fas­sung der ers­ten Ände­rungs­ver­ord­nung vom 25.01.20014 im Rah­men der Fleisch­un­ter­su­chung mit einem uni­ons­recht­lich aner­kann­ten Test (Schnell­test) in einem dafür zuge­las­se­nen Labor zu unter­su­chen. Die Anwen­dung die­ser natio­na­len und uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten ist im vor­lie­gen­den Fall nicht im Streit, so dass inso­weit wegen der Ein­zel­hei­ten auf die Aus­füh­run­gen in vor­ge­nann­tem Urteil ver­wie­sen wer­den kann.

Die vor­ge­schrie­be­nen Schnell­tests sind „sons­ti­ge Unter­su­chun­gen” i.S. des § 5 Abs. 3 Nr. 4 Fleisch­hy­gie­ne-Ver­ord­nung (FlHV5), deren Durch­füh­rung mit nega­ti­vem Ergeb­nis- Vor­aus­set­zung für die Beur­tei­lung des Fleischs als taug­lich zum Genuss für Men­schen ist (§ 10 Fleisch­hy­gie­ne­ge­set­zes (FlHG) i.V.m. § 6 Abs. 1 FlHV)), ohne die es nicht in Ver­kehr gebracht wer­den darf. Ein nicht durch­ge­führ­ter oder nicht den Vor­schrif­ten ent­spre­chen­der Schnell­test steht daher der Ver­kehrs­fä­hig­keit des Fleischs ent­ge­gen. In einem sol­chen Fall ist die mate­ri­el­le Erstat­tungs­vor­aus­set­zung der gesun­den und han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät der Aus­fuhr­er­zeug­nis­se nicht erfüllt.

Der Nach­weis der Erstat­tungs­vor­aus­set­zung der gesun­den und han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät der Aus­fuhr­er­zeug­nis­se ist zu ver­lan­gen, falls die zustän­di­ge Behör­de inso­weit Zwei­fel äußert6. Zu der Fra­ge, wann sol­che Zwei­fel berech­tigt sind und die Nach­weis­pflicht aus­lö­sen, hat sich der EuGH in jenem Ver­fah­ren, in dem es um Rind­fleisch ging, das mög­li­cher­wei­se trotz des bestehen­den Aus­fuhr­ver­bots aus dem Ver­ei­nig­ten König­reich ver­bracht wor­den war, nicht erklärt, son­dern hat „gewis­se Anhalts­punk­te”, das aus­ge­führ­te Rind­fleisch „könn­te” dem Aus­fuhr­ver­bot unter­lie­gen, aus­rei­chen las­sen, um dem natio­na­len Gericht die dar­aus zu zie­hen­den Schluss­fol­ge­run­gen zu über­las­sen.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat in einem Par­al­lel­ver­fah­ren aus jenem EuGH-Urteil die Auf­fas­sung her­ge­lei­tet, Anhalts­punk­te, die das Ver­lan­gen eines Nach­wei­ses der gesun­den und han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät recht­fer­tig­ten, könn­ten sich nicht nur auf­grund der Beschaf­fen­heit und ande­rer objek­ti­ver Merk­ma­le der Aus­fuhr­wa­re, son­dern auch aus sons­ti­gen, die­se Ware mit­tel­bar betref­fen­den Erkennt­nis­sen erge­ben, und hat in Anbe­tracht der Ver­dachts­mo­men­te gegen den Lie­fe­ran­ten des Aus­füh­rers die Schluss­fol­ge­rung der Vor­in­stanz, es bestehe ein erheb­li­cher Ver­dacht, dass die aus­ge­führ­ten Erzeug­nis­se dem Aus­fuhr­ver­bot unter­le­gen hät­ten, als mög­lich und recht­lich nicht zu bean­stan­den ange­se­hen7.

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ergibt sich, dass der Schlacht­hof ES — X in dem Zeit­raum, in wel­chen die strei­ti­ge Aus­fuhr der Klä­ge­rin fällt, mit einem Labor zusam­men­ge­ar­bei­tet hat, das wäh­rend die­ser Zeit durch feh­ler­haft durch­ge­führ­te BSE-Schnell­tests auf­ge­fal­len war und gegen das dar­auf­hin auch straf­recht­li­che Ermitt­lun­gen wegen Ver­sto­ßes gegen das FlHG geführt wur­den. Da Tei­le der strei­ti­gen Aus­fuhrsen­dung von vor­ge­nann­tem Schlacht­hof bezo­gen wor­den waren, lie­gen somit die Aus­fuhr­er­zeug­nis­se mit­tel­bar betref­fen­de Erkennt­nis­se vor, wonach die­se nicht dem fleisch­hy­gie­ne­recht­lich vor­ge­schrie­be­nen BSE-Schnell­test unter­zo­gen wor­den sein könn­ten. Hier­bei han­delt es sich um eine kon­kret in Betracht zu zie­hen­de Mög­lich­keit und nicht ledig­lich um einen vagen Ver­dacht oder eine ins Blaue hin­ein geäu­ßer­te Ver­mu­tung des Haupt­zoll­amt, wes­halb es gerecht­fer­tigt erscheint, den Nach­weis zu ver­lan­gen, dass die strei­ti­ge Aus­fuhrsen­dung Fleisch ent­hielt, wel­ches einen ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führ­ten BSE­Schnell­test durch­lau­fen hat­te. Die Schwel­le für das Erfor­der­nis eines sol­chen Nach­wei­ses hoch anzu­set­zen, ver­bie­tet sich ins­be­son­de­re ange­sichts der vom EuGH her­vor­ge­ho­be­nen gestei­ger­ten Prü­fungs­pflicht bei uni­ons­recht­li­chen Anfor­de­run­gen zum Schutz der öffent­li­chen Gesund­heit vor schwe­ren Krank­hei­ten und Epi­de­mi­en8.

Der Umstand, dass die­ser Nach­weis eines ord­nungs­ge­mä­ßen BSE­Schnell­tests und damit der gesun­den und han­dels­üb­li­chen Qua­li­tät der aus­ge­führ­ten Erzeug­nis­se nicht erbracht wor­den ist, wirkt sich zum Nach­teil des Aus­füh­rers aus, da er inso­weit die Fest­stel­lungs­last zu tra­gen hat9.

Es kommt auch nicht auf die Über­le­gun­gen des Finanz­ge­richt an, in wel­chem Maß ein BSEBe­fall des aus­ge­führ­ten Rind­fleischs oder einer der im betref­fen­den Labor feh­ler­haft unter­such­ten Pro­ben wahr­schein­lich oder unwahr­schein­lich ist. Da dem Aus­füh­rer nicht ein in belie­bi­ger Wei­se zu erbrin­gen­der Nach­weis obliegt, dass das aus­ge­führ­te Rind­fleisch aus BSE-frei­en Bestän­den stammt, son­dern die gesun­de und han­dels­üb­li­che Qua­li­tät aus­zu­füh­ren­den Rind­fleischs einen uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten ent­spre­chen­den Schnell­test (mit nega­ti­vem Ergeb­nis) erfor­dert10, stellt sich viel­mehr die ent­schei­den­de Fra­ge, inwie­weit es wahr­schein­lich oder unwahr­schein­lich ist, dass die Aus­fuhr­er­zeug­nis­se in dem betref­fen­den Labor feh­ler­haft getes­tet wur­den. Dass die­se Mög­lich­keit aber in einer zu ver­nach­läs­si­gen­den Wei­se unwahr­schein­lich ist und somit nichts gegen die gesun­de und han­dels­üb­li­che Qua­li­tät der Erzeug­nis­se spricht, kann nicht ange­nom­men wer­den. Eine ange­nom­me­ne gewis­se Wahr­schein­lich­keit für die Her­kunft des Fleischs von BSE-frei­en Rin­dern kann nach alle­dem einen feh­len­den ord­nungs­ge­mäß durch­ge­führ­ten Schnell­test nicht erset­zen.

Zwei­fel­los befin­det sich der Aus­füh­rer in einer schwie­ri­gen Beweis­la­ge, wenn sich im Nach­hin­ein her­aus­stellt, dass ein mit der fleisch­hy­gie­ne­recht­li­chen Pro­ben­un­ter­su­chung befass­tes Labor, mit dem er kei­nen unmit­tel­ba­ren Geschäfts­kon­takt hat, nicht sorg­fäl­tig oder feh­ler­haft gear­bei­tet hat. Dies recht­fer­tigt aber weder eine Beweis­last­um­kehr, da die Beweis­la­ge des Haupt­zoll­amt nicht etwa bes­ser und das Fehl­ver­hal­ten des Labors auch nicht wie das Finanz­ge­richt meint- sei­ner Sphä­re zuzu­ord­nen ist, noch kommt es in Betracht, das Vor­lie­gen einer feh­len­den erstat­tungs­recht­li­chen Vor­aus­set­zung zu fin­gie­ren, weil der Aus­füh­rer ihr Feh­len nicht zu ver­tre­ten hat11.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 26. Janu­ar 2012 — VII R 2410

  1. EuGH, Urteil vom 01.12.2005 C‑309/​04 [Fleisch-Win­ter], Slg. 2005, I‑10349 []
  2. BFH, Urteil vom 24.08.2010 — VII R 4709, BFHE 231, 437, ZfZ 2010, 334 []
  3. BGBl I 2000, 1659 []
  4. BGBl I 2001, 164 []
  5. in der Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 29.06.2001, BGBl I 2001, 1366 []
  6. vgl. EuGH, Urteil in Slg. 2005, I‑10349, Rz 35 []
  7. BFH, Beschluss vom 08.02.2008 — VII R 2103, BFH/​NV 2008, 1219, Rz 20; vgl. auch BFH, Beschluss vom 30.07.2010 — VII B 18709, BFH/​NV 2011, 86, sowie das vor­an­ge­gan­ge­ne Urteil des FG Ham­burg vom 25.06.2009 — 4 K 8508 []
  8. vgl. EuGH, Urteil in Slg.2005, I10349, Rz 33 []
  9. vgl. EuGH, Urteil in Slg.2005, I10349, Rz 35 []
  10. vgl. BFH, Urteil in BFHE 231, 437, ZfZ 2010, 334 []
  11. vgl. BFH, Urteil in BFHE 231, 437, ZfZ 2010, 334 []