Auslandsflüge — und die Flugpreisangaben auf Internetportalen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt, ob ein in Deutsch­land ansäs­si­ges Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men sei­ne Prei­se für Flü­ge mit Abflug­ort in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on im Inter­net statt in Euro in der dort gel­ten­den Lan­des­wäh­rung ange­ben darf.

Auslandsflüge — und die Flugpreisangaben auf Internetportalen

Die beklag­te deut­sche Flug­ge­sell­schaft hat­te auf ihrer Inter­net­sei­te bei der Buchung eines Flugs von Lon­don-Stan­sted nach Stutt­gart am 1. Sep­tem­ber 2014 eine Flug­ver­bin­dung ange­zeigt, deren Ent­gelt in bri­ti­schen Pfund ange­ge­ben war. Die im Anschluss an die Buchung erstell­te Rech­nung wies den Flug­preis und wei­te­re Kos­ten eben­falls in £ aus. Dar­auf­hin nahm eine Ver­brau­cher­zen­tra­le die Flug­ge­sell­schaft auf Unter­las­sung in Anspruch, wobei sie die Auf­fas­sung ver­tritt, der Preis des Flu­ges wäre in jedem Fall in Euro aus­zu­wei­sen gewe­sen.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Land­ge­richt Köln hat die Flug­ge­sell­schaft antrags­ge­mäß ver­ur­teilt1. Das Ober­lan­des­ge­richt Köln hat dage­gen auf die Beru­fung der Flug­ge­sell­schaft die Kla­ge abge­wie­sen2. Die Sache sei, so das OLG Köln, nach der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 über gemein­sa­me Vor­schrif­ten für die Durch­füh­rung von Luft­ver­kehrs­diens­ten in der Gemein­schaft zu beur­tei­len. Deren Arti­kel 23 Absatz 1 Satz 2 schrei­be nicht vor, in wel­cher Wäh­rung der End­preis aus­zu­wei­sen sei. Die Bestim­mung des Art. 2 Nr. 18 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 ver­pflich­te Luft­fahrt­un­ter­neh­men nicht dazu, den Flug­preis in der Wäh­rung des Lan­des ihres Sit­zes aus­zu­wei­sen. Mit ihrer vom Bun­des­ge­richts­hof zuge­las­se­nen Revi­si­on ver­folgt die Ver­brau­cher­zen­tra­le ihren Kla­ge­an­trag wei­ter.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat das Ver­fah­ren nun aus­ge­setzt und dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on die Fra­ge vor­ge­legt, ob die nach Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 aus­zu­wei­sen­den Flug­prei­se, soweit sie nicht in Euro aus­drückt wer­den, in einer bestimm­ten und gege­be­nen­falls in wel­cher Wäh­rung anzu­ge­ben sind. In wel­chem Sinn der Begriff „Lan­des­wäh­rung” in Art. 2 Nr. 18 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 beim Wer­ben für Flug­diens­te und Anbie­ten von Flug­diens­ten unter einer Inter­net­adres­se mit einer auf einen bestimm­ten Mit­glied­staat hin­wei­sen­den Top-Level-Domain durch ein in der Euro­päi­schen Uni­on nie­der­ge­las­se­nes Luft­fahrt­un­ter­neh­men aus­zu­le­gen ist, ist zwei­fel­haft. Art. 2 Nr. 18 und Art. 23 Abs. 1 Satz 2 und 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 10082008 ist nicht ein­deu­tig zu ent­neh­men, ob das inlän­di­sche Luft­fahrt­un­ter­neh­men die Prei­se für eine Flug­rei­se von einem ande­ren Mit­glied­staat in des­sen Wäh­rung ange­ben darf.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 27. April 2017 — I ZR 20915

  1. LG Köln, Urteil vom 22.04.2015 — 84 O 215
  2. OLG Köln, Urteil vom 04.09.2015 — 6 U 6115, GRUR-RR 2016, 156, WRP 2016, 88