Bananenmarktordnung — wirksam trotz GATT-Verstoß

Die Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zur Bana­nen­markt­ord­nung ist nach Auf­fas­sung des Bun­des­fi­nanz­hofs kein in Deutsch­land ungül­ti­ger aus­bre­chen­der Rechts­akt, auch wenn die­se gegen das GATT ver­sto­ßen soll­te.

Bananenmarktordnung — wirksam trotz GATT-Verstoß

In meh­re­ren Urtei­len hat nun der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den, dass Impor­teu­re süd­ame­ri­ka­ni­scher Bana­nen, die kei­ne für einen Zoll­satz von 75 ECU/​t erfor­der­li­che Ein­fuhr­li­zenz besit­zen, den von der EG fest­ge­setz­ten Zoll­satz von 822 ECU/​t ent­rich­ten müs­sen. Die Impor­teu­re könn­ten sich gegen­über die­ser hohen Zoll­be­las­tung nicht dar­auf beru­fen, dass die sog. Bana­nen­markt­ord­nung der Gemein­schaft, die die­sen Zoll­satz ehe­mals vor­sah, mit dem All­ge­mei­nen Zoll- und Han­dels­ab­kom­men (Gene­ral Agree­ment on Tariffs and Tra­de — GATT) nicht ver­ein­bar sei, selbst wenn dies bereits mehr­fach von den Streit­schlich­tungs­gre­mi­en der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on (World Tra­de Orga­ni­za­ti­on — WTO) in ent­spre­chen­den Ver­fah­ren fest­ge­stellt wor­den ist. Die Impor­teu­re kön­nen sich nach den aktu­el­len Urtei­len des Bun­des­fi­nanz­hofs zur Abwehr die­ser Zoll­for­de­run­gen eben­so wenig auf das Grund­ge­setz beru­fen.

In den Urtei­len ging es um umfang­rei­che Bana­nen­ein­fuh­ren aus Ecua­dor im Jahr 1995, für wel­che zum Schutz der Bana­nen­pro­duk­ti­on ins­be­son­de­re in den sog. AKP-Staa­ten sowie in der Gemein­schaft selbst hohe, kon­fis­kato­ri­sche Zöl­le ver­hängt wor­den waren. Die Klä­ger hat­ten, offen­bar im Ver­trau­en dar­auf, dass die betref­fen­den Vor­schrif­ten auf­grund ihrer Unver­ein­bar­keit mit dem GATT von den Gerich­ten als nich­tig ange­se­hen wer­den wür­den, gleich­wohl die Bana­nen ein­ge­führt. In den Genuss des gerin­ge­ren Zoll­sat­zes wären sie nur gekom­men, wenn sie eine der von der Gemein­schaft dafür in beschränk­tem Umfang ver­teil­ten Ein­fuhr­li­zen­zen beses­sen hät­ten.

Spä­ter von Impor­teu­ren, aber auch von Mit­glied­staa­ten gegen die Gemein­schaft erho­be­ne Kla­gen, mit denen die GATT-Rechts­wid­rig­keit jener Gemein­schafts­vor­schrif­ten gel­tend gemacht wur­de, hat­ten vor dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten kei­nen Erfolg. Die­ser urteil­te viel­mehr, der Ein­zel­ne kön­ne sich eben­so wenig wie ein Mit­glied­staat auf die Unver­ein­bar­keit der Bana­nen­markt­ord­nung mit dem GATT und die dazu ergan­ge­nen WTO-Ent­schei­dun­gen beru­fen.

Die Impor­teu­re sahen in ihren Kla­ge­ver­fah­ren vor dem Bun­des­fi­nanz­hof die­se Recht­spre­chung als Ver­wei­ge­rung von Rechts­schutz an und berie­fen sich hier­zu auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts, nach der sog. aus­bre­chen­de Rechts­ak­te eines Organs der EU in Deutsch­land kei­ne Gel­tung bean­spru­chen könn­ten. Um einen sol­chen aus­bre­chen­den Rechts­akt han­de­le es sich sowohl bei der Bana­nen­markt­ord­nung als auch ins­be­son­de­re der dazu ergan­ge­nen Recht­spre­chung des EuGH.

Der Bun­des­fi­nanz­hof ist die­sem Vor­brin­gen nicht gefolgt. Wie immer die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zum aus­bre­chen­den Rechts­akt im Ein­zel­nen genau zu ver­ste­hen sei: die Recht­spre­chung des EuGH sei jeden­falls kein aus­bre­chen­der Rechts­akt, son­dern zumin­dest nach­voll­zieh­bar. Sie ent­spre­che der Rechts­auf­fas­sung zahl­rei­cher Mit­glied- und Dritt­staa­ten und tra­ge dem Umstand Rech­nung, dass die Ver­trags­part­ner des GATT der WTO kei­ne Recht­spre­chungs­ge­walt abge­tre­ten, son­dern unein­ge­schränk­te sou­ve­rä­ne Hoheits­ge­walt behal­ten haben. Die Rechts­ein­heit der Uni­on, der die Errich­tung eines euro­päi­schen Gerichts­hofs mit unbe­ding­ter Recht­spre­chungs­ge­walt die­nen sol­le, wer­de auf­ge­löst, wenn die Ent­schei­dun­gen von den Gerich­ten der Mit­glied­staa­ten über­prüft und am Maß­stab der natio­na­len Ver­fas­sun­gen gemes­sen wür­den.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urtei­le vom 23. Febru­ar 2010 -VII R 808, VII R 908, VII R 1208 und VII R 1308
[In der Rechts­lu­pe fin­den Sie eine aus­führ­li­che Bespre­chung die­ses Urteils.]