Der deutsche Fotograf — und der französische Auftraggeber

Ein Ver­trag zwi­schen einem in Deutsch­land ansäs­si­gen Foto­gra­fen und einer Gesell­schaft mit Sitz in Frank­reich über die Fer­ti­gung von Licht­bil­dern eines in Frank­reich bele­ge­nen Hotels weist grund­sätz­lich die enge­ren Ver­bin­dun­gen im Sin­ne von Art. 28 Abs. 5 EGBGB zu Frank­reich auf. § 31 Abs. 5 UrhG zählt nicht zu den im Sin­ne von Art. 34 EGBGB zwin­gen­den Bestim­mun­gen, die einen Sach­ver­halt mit Aus­lands­be­rüh­rung ohne Rück­sicht auf das jewei­li­ge Ver­trags­sta­tut regeln.

Der deutsche Fotograf — und der französische Auftraggeber

Mit die­ser Ent­schei­dung setzt der Bun­des­ge­richts­hof die „Hi Hotel”, Ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on1 um, die im vor­lie­gen­den Fall auf ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­ge­richts­hofs2 ergan­gen ist. Hier­in hat­te der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ent­schie­den:

Art. 5 Nr. 3 VO (EG) Nr. 442001 des Rates vom 22.12.2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen ist dahin aus­zu­le­gen, dass er im Fall meh­re­rer mut­maß­li­cher Ver­ur­sa­cher einer gel­tend gemach­ten Ver­let­zung von im Mit­glied­staat des ange­ru­fe­nen Gerichts geschütz­ten Urhe­ber­ver­mö­gens­rech­ten die Zustän­dig­keit eines Gerichts, in des­sen Bezirk der ver­klag­te unter die­sen mut­maß­li­chen Ver­ur­sa­chern nicht tätig gewor­den ist, unter dem Gesichts­punkt des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens nicht begrün­den kann, er aber die Zustän­dig­keit die­ses Gerichts unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­den kann, sofern die Gefahr besteht, dass sich der Scha­den im Bezirk des ange­ru­fe­nen Gerichts ver­wirk­licht. Im letz­te­ren Fall ist die­ses Gericht nur für die Ent­schei­dung über den Scha­den zustän­dig, der im Hoheits­ge­biet sei­nes eige­nen Mit­glied­staats ver­ur­sacht wor­den ist.

Internationale Zuständigkeit deutscher Gerichte[↑]

Die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te, die auch unter der Gel­tung des § 545 Abs. 2 ZPO in der Revi­si­ons­in­stanz von Amts wegen zu prü­fen ist, ergibt sich aus Art. 5 Nr. 3 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 442001 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (Brüs­sel-I-VO).

Gemäß Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO kann eine Per­son, die ihren Wohn­sitz im Hoheits­ge­biet eines Mit­glieds­staats hat, in einem ande­ren Mit­glied­staat vor dem Gericht des Ortes, an dem das schä­di­gen­de Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht, ver­klagt wer­den, wenn eine uner­laub­te Hand­lung oder eine Hand­lung, die einer uner­laub­ten Hand­lung gleich­steht, oder wenn Ansprü­che aus einer sol­chen Hand­lung den Gegen­stand des Ver­fah­rens bil­den.

Gegen­stand des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens sind Ansprü­che aus einer uner­laub­ten Hand­lung. Zu den uner­laub­ten Hand­lun­gen im Sin­ne von Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO zäh­len auch Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen. Der Foto­graf nimmt die Beklag­te wegen der behaup­te­ten Ver­let­zung sei­ner urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Rech­te an Licht­bil­dern auf Unter­las­sung, Fest­stel­lung ihrer Scha­dens­er­satz­pflicht und Aus­kunfts­er­tei­lung in Anspruch.

Die beklag­te Gesell­schaft hat ihren Wohn­sitz im Sin­ne der Ver­ord­nung in Frank­reich. Gesell­schaf­ten haben gemäß Art. 60 Abs. 1 Buchst. a Brüs­sel-I-VO für die Anwen­dung der Ver­ord­nung ihren Wohn­sitz am Ort ihres sat­zungs­mä­ßi­gen Sit­zes. Der sat­zungs­mä­ßi­ge Sitz der Hote­lier ist Niz­za.

Die Beklag­te kann vor den deut­schen Gerich­ten ver­klagt wer­den, da nach dem schlüs­si­gen Vor­brin­gen des Foto­gra­fen in Deutsch­land ein im Sin­ne des Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO schä­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist und ein­zu­tre­ten droht.

Für die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit der natio­na­len Gerich­te kommt es grund­sätz­lich nur dar­auf an, ob der Foto­graf schlüs­sig vor­ge­tra­gen hat, dass im Inland ein im Sin­ne des Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO schä­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht. Ob tat­säch­lich ein schä­di­gen­des Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht, ist eine Fra­ge der Begründ­etheit der Kla­ge, die vom zustän­di­gen Gericht anhand des anwend­ba­ren natio­na­len Rechts zu prü­fen ist3.

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on zu Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO ist mit der Wen­dung „Ort, an dem das schä­di­gen­de Ereig­nis ein­ge­tre­ten ist oder ein­zu­tre­ten droht”, sowohl der Ort des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens als auch der Ort der Ver­wirk­li­chung des Scha­dens­er­folgs gemeint, so dass der Beklag­te nach Wahl des Foto­gra­fen vor dem Gericht eines die­ser bei­den Orte ver­klagt wer­den kann4. Macht der Foto­graf eine Ver­let­zung von im Mit­glied­staat des ange­ru­fe­nen Gerichts geschütz­ten Urhe­ber­ver­mö­gens­rech­ten durch meh­re­re mut­maß­li­che Ver­ur­sa­cher gel­tend, kann Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO die Zustän­dig­keit eines Gerichts, in des­sen Bezirk der allein in Anspruch genom­me­ne Beklag­te unter die­sen mut­maß­li­chen Ver­ur­sa­chern nicht tätig gewor­den ist, zwar nicht unter dem Gesichts­punkt des für den Scha­den ursäch­li­chen Gesche­hens, wohl aber unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­den, sofern die Gefahr besteht, dass sich der Scha­den im Bezirk des ange­ru­fe­nen Gerichts ver­wirk­licht5. Danach ist im Streit­fall die Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te unter dem Gesichts­punkt der Ver­wirk­li­chung des gel­tend gemach­ten Scha­dens begrün­det.

Nach dem Vor­brin­gen des Foto­gra­fen ist sein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Recht an den Licht­bil­dern dadurch in Deutsch­land ver­letzt wor­den, dass der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag die­se Licht­bil­der in sei­nem Foto­band „Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit” über eine Buch­hand­lung in Köln ver­brei­tet hat. Fer­ner ist für die recht­li­che Nach­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz davon aus­zu­ge­hen, dass der Foto­graf sich das Vor­brin­gen der Hote­lier, sie habe die Licht­bil­der dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag über­ge­ben, zu eigen gemacht hat und behaup­tet, die­ser Ver­lag habe die Bil­der an sei­ne deut­sche Schwes­ter­ge­sell­schaft wei­ter­ge­ge­ben. Folg­lich ist der Prü­fung der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te nach Art. 5 Nr. 3 Brüs­sel-I-VO der Vor­trag des Foto­gra­fen zugrun­de zu legen, der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag habe die in Rede ste­hen­den Licht­bil­der unbe­fugt im Inland ver­brei­tet und die Beklag­te habe dazu durch Über­ga­be der Licht­bil­der an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag Hil­fe geleis­tet6.

Damit hat der Foto­graf eine Ver­let­zung sei­ner in Deutsch­land urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Rech­te an den Licht­bil­dern durch meh­re­re mut­maß­li­che Ver­ur­sa­cher — dar­un­ter die Beklag­te und den in Ber­lin ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag — schlüs­sig vor­ge­tra­gen. Nach sei­nem Vor­brin­gen ist jeden­falls davon aus­zu­ge­hen, dass die Gefahr der Ver­wirk­li­chung des Scha­dens in Deutsch­land besteht.

Anwendbarkeit deutschen Urheberrechts[↑]

Zur Beur­tei­lung der Fra­ge, ob dem Foto­gra­fen ein urhe­ber­recht­lich geschütz­tes Recht an den Foto­gra­fi­en zusteht und ob — gege­be­nen­falls — die Beklag­te die­ses Recht ver­letzt hat, sind die Vor­schrif­ten des deut­schen Urhe­ber­rechts­ge­set­zes anzu­wen­den.

Nach dem deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat­recht ist die Fra­ge, ob Ansprü­che wegen einer Ver­let­zung urhe­ber­recht­li­cher Schutz­rech­te bestehen, grund­sätz­lich nach dem Recht des Schutz­lan­des — also des Staa­tes, für des­sen Gebiet der Schutz bean­sprucht wird — zu beant­wor­ten7. Nach die­sem Recht sind ins­be­son­de­re das Bestehen des Rechts, die Rechts­in­ha­ber­schaft des Ver­letz­ten, Inhalt und Umfang des Schut­zes sowie der Tat­be­stand und die Rechts­fol­gen einer Rechts­ver­let­zung zu beur­tei­len8.

Da Gegen­stand der Kla­ge allein Ansprü­che wegen einer Ver­let­zung urhe­ber­recht­lich geschütz­ter Rech­te an Foto­gra­fi­en sind, für die der Foto­graf im Inland urhe­ber­recht­li­chen Schutz bean­sprucht, ist im Streit­fall, wie auch das Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men hat, deut­sches Urhe­ber­recht anzu­wen­den.

Unterlassungsanspruch[↑]

Hin­sicht­lich der maß­geb­li­chen Rechts­grund­la­gen ist in zeit­li­cher Hin­sicht zwi­schen dem Unter­las­sungs­an­spruch einer­seits und den Ansprü­chen auf Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­sprü­che ande­rer­seits zu unter­schei­den.

Der vom Foto­gra­fen auf Wie­der­ho­lungs­ge­fahr gestütz­te und in die Zukunft gerich­te­te Unter­las­sungs­an­spruch ist nur begrün­det, wenn das bean­stan­de­te Ver­hal­ten der Hote­lier sowohl zur Zeit der Bege­hung urhe­ber­rechts­wid­rig war als auch zur Zeit der Ent­schei­dung urhe­ber­rechts­wid­rig ist. Für die Begründ­etheit der Ansprü­che auf Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und auf Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­sprü­che kommt es dage­gen allein auf das zum Zeit­punkt der bean­stan­de­ten Hand­lun­gen gel­ten­de Recht an9. Dabei setzt die Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­sprü­che vor­aus, dass die Kla­ge inso­weit bis zum gel­tend gemach­ten erle­di­gen­den Ereig­nis zuläs­sig und begrün­det war und — wenn das der Fall war — durch die­ses Ereig­nis unzu­läs­sig oder unbe­grün­det gewor­den ist10.

Eine für die Beur­tei­lung des Streit­falls maß­geb­li­che Ände­rung der Rechts­la­ge ist aller­dings nicht ein­ge­tre­ten. Der Foto­graf kann die Beklag­te, wenn die­se ein nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz geschütz­tes Recht des Foto­gra­fen wider­recht­lich ver­letzt hat, bei Wie­der­ho­lungs­ge­fahr auf Unter­las­sung und, wenn die Beklag­te vor­sätz­lich oder fahr­läs­sig gehan­delt hat, auf Scha­dens­er­satz in Anspruch neh­men (§ 97 Abs. 1 Satz 1 UrhG in der Fas­sung vom 23.06.1995, § 97 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 1 UrhG). Fer­ner konn­te der Foto­graf von der Hote­lier zur Vor­be­rei­tung der Berech­nung eines Scha­dens­er­satz­an­spruchs nach Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) Aus­kunfts­er­tei­lung ver­lan­gen, wenn er in ent­schuld­ba­rer Wei­se über den Umfang des Anspruchs im Unkla­ren war und sie unschwer Auf­klä­rung geben konn­te11.

Die in Rede ste­hen­den Foto­gra­fi­en sind in Deutsch­land — wie das Beru­fungs­ge­richt zutref­fend ange­nom­men hat — wenn nicht als Licht­bild­wer­ke nach § 2 Abs. 1 Nr. 5 und Abs. 2 UrhG, so doch jeden­falls als Licht­bil­der nach § 72 Abs. 1 UrhG urhe­ber­recht­lich geschützt. Die Foto­gra­fi­en genie­ßen in Deutsch­land urhe­ber­recht­li­chen Schutz, auch wenn sie in Frank­reich ange­fer­tigt wor­den sind. Ein inlän­di­sches Urhe­ber­recht kann auch durch eine Werk­schöp­fung im Aus­land begrün­det wer­den12. Des­glei­chen kann ein inlän­di­sches Schutz­recht des Licht­bild­ners an einem im Aus­land auf­ge­nom­me­nen Licht­bild ent­ste­hen. Der Foto­graf ist als Her­stel­ler der Foto­gra­fi­en berech­tigt, Ansprü­che wegen einer Ver­let­zung sei­ner urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Rech­te an den Foto­gra­fi­en gel­tend zu machen.

Der französische Verlag und die Passivlegitimation des Fotografen[↑]

Die vom Foto­gra­fen erho­be­nen; und vom Beru­fungs­ge­richt zuer­kann­ten Ansprü­che auf Unter­las­sung, Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und Fest­stel­lung der Erle­di­gung der Aus­kunfts­an­trä­ge set­zen vor­aus, dass die Beklag­te die in Rede ste­hen­den neun Innen­auf­nah­men des „Hi Hotels” in Deutsch­land (selbst) ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet oder aus­ge­stellt hat oder hat (durch Drit­te) ver­viel­fäl­ti­gen, ver­brei­ten oder aus­stel­len las­sen.

Nach den bis­lang getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen kann nicht ange­nom­men wer­den, die Beklag­te habe die vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en selbst in Deutsch­land ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet oder aus­ge­stellt. Das Beru­fungs­ge­richt hat nicht fest­ge­stellt, dass die Beklag­te in Deutsch­land tätig gewor­den ist. Es hat ins­be­son­de­re kei­ne Fest­stel­lun­gen dazu getrof­fen, dass die Abbil­dung vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ter Foto­gra­fi­en in Bild­bän­den deut­scher Ver­la­ge wie dem Band „Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit” des in Ber­lin ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag oder dem Band „Archi­tec­tu­re in Fran­ce” des in Köln ansäs­si­gen Taschen-Ver­la­ges auf von der Hote­lier in Deutsch­land vor­ge­nom­me­ne Nut­zungs­hand­lun­gen zurück­zu­füh­ren ist.

Für die recht­li­che Nach­prü­fung durch den Bun­des­ge­richts­hof ist aller­dings davon aus­zu­ge­hen, dass die Beklag­te durch die Über­ga­be der Foto­gra­fi­en an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag bewirkt hat, dass die­se Foto­gra­fi­en durch Drit­te in Deutsch­land unbe­fugt ver­viel­fäl­tigt, ver­brei­tet oder aus­ge­stellt wor­den sind. Eine Haf­tung der Hote­lier für ein unbe­fug­tes Ver­viel­fäl­ti­gen, Ver­brei­ten und Aus­stel­len der Foto­gra­fi­en durch Drit­te in Deutsch­land setzt jedoch vor­aus, dass die Beklag­te dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag bei der Über­ga­be der Foto­gra­fi­en ihr in Wahr­heit nicht zuste­hen­de Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt oder über­tra­gen hat. Mit der vom Beru­fungs­ge­richt gege­be­nen Begrün­dung kann das Vor­lie­gen die­ser Vor­aus­set­zung nicht bejaht wer­den.

Vor­lie­gend hat die Beklag­te die vom Foto­gra­fen ange­fer­tig­ten Foto­gra­fi­en dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag zur Nut­zung über­las­sen. Man­gels ent­ge­gen­ste­hen­der Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts ist für die recht­li­che Nach­prü­fung in der Revi­si­ons­in­stanz davon aus­zu­ge­hen, dass die Beklag­te durch die Über­ga­be der Foto­gra­fi­en und die Ein­räu­mung oder Über­tra­gung von Nut­zungs­rech­ten an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag in Frank­reich eine Ursa­che dafür gesetzt hat, dass der in Ber­lin ansäs­si­ge Phai­don-Ver­lag — die deut­sche Schwes­ter­ge­sell­schaft des fran­zö­si­schen Ver­la­ges — die Foto­gra­fi­en in sei­nen Foto­band „Innen­ar­chi­tek­tur welt­weit” auf­ge­nom­men und sie als Teil die­ses Foto­ban­des in Deutsch­land unter ande­rem über eine Buch­hand­lung in Köln — in Ver­kehr gebracht hat. Damit wur­den die Foto­gra­fi­en in Deutsch­land ver­brei­tet (§ 15 Abs. 1 Nr. 2, § 17 UrhG). Zugleich wur­den die Foto­gra­fi­en dadurch in Deutsch­land aus­ge­stellt (§ 15 Abs. 1 Nr. 3, § 18 UrhG), falls sie zum Zeit­punkt ihrer Ver­brei­tung im Inland noch nicht ver­öf­fent­licht waren13. Dar­über hin­aus wur­den die Foto­gra­fi­en in Deutsch­land ver­viel­fäl­tigt (§ 15 Abs. 1 Nr. 1, § 16 UrhG), soweit der Foto­band im Inland her­ge­stellt wur­de.

Eine Haf­tung der Hote­lier für ein unbe­fug­tes Ver­viel­fäl­ti­gen, Ver­brei­ten und Aus­stel­len der Foto­gra­fi­en durch Drit­te in Deutsch­land setzt vor­aus, dass die Beklag­te dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag bei der Über­ga­be der Foto­gra­fi­en ihr in Wahr­heit nicht zuste­hen­de Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt oder über­tra­gen hat.

Die Beklag­te könn­te für das durch die Über­ga­be der Foto­gra­fi­en und die Ein­räu­mung oder Über­tra­gung von Nut­zungs­rech­ten an den in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag in Frank­reich bewirk­te Ver­brei­ten und ein von ihr dadurch bewirk­tes Ver­viel­fäl­ti­gen und Aus­stel­len der Foto­gra­fi­en in Deutsch­land als mit­tel­ba­rer Täter14, Teil­neh­mer15 oder Stö­rer16 haf­ten, wobei sie als Stö­rer aller­dings nur auf Unter­las­sung und nicht auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men wer­den könn­te17.

In jedem Fall setzt eine Haf­tung der Hote­lier nicht nur eine Ver­let­zung des Schutz­rechts durch Drit­te, son­dern auch eine adäqua­te Ver­an­las­sung die­ser Rechts­ver­let­zung durch die Beklag­te vor­aus. Ein adäqua­ter Zusam­men­hang zwi­schen dem Ver­hal­ten einer als mit­tel­ba­rer Täter, Teil­neh­mer oder Stö­rer in Anspruch genom­me­nen Per­son und der Ver­let­zung eines Schutz­rechts durch Drit­te besteht grund­sätz­lich nur dann, wenn das Ver­hal­ten der in Anspruch genom­me­nen Per­son im all­ge­mei­nen und nicht nur unter beson­ders eigen­ar­ti­gen, ganz unwahr­schein­li­chen und nach dem gewöhn­li­chen Ver­lauf der Din­ge außer Betracht zu las­sen­den Umstän­den geeig­net ist, einen Erfolg die­ser Art her­bei­zu­füh­ren18.

Eine adäqua­te Ver­an­las­sung von in Deutsch­land durch Drit­te began­ge­nen Rechts­ver­let­zun­gen setzt daher vor­aus, dass die Beklag­te dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag bei der Über­ga­be der Foto­gra­fi­en ihr in Wahr­heit nicht zuste­hen­de Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt oder über­tra­gen hat. Hat die Beklag­te dem Ver­lag bei der Über­ga­be der Foto­gra­fi­en dage­gen ihr nicht nur ver­meint­lich, son­dern tat­säch­lich zuste­hen­de Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt oder über­tra­gen, haf­tet sie für Rechts­ver­let­zun­gen durch Drit­te in Deutsch­land nicht als mit­tel­ba­rer Täter, Teil­neh­mer oder Stö­rer, weil sie die­se Rechts­ver­let­zun­gen dann nicht adäquat ver­an­lasst hat. Eine Ein­räu­mung oder Über­tra­gung tat­säch­lich bestehen­der Nut­zungs­rech­ten ist im All­ge­mei­nen nicht geeig­net, zu einer Ver­let­zung des Schutz­rechts durch Drit­te zu füh­ren.

Erlaubnis nach französischem Recht?[↑]

Dar­über hin­aus wäre eine Haf­tung der Hote­lier auch man­gels einer Rechts­ver­let­zung durch Drit­te aus­ge­schlos­sen, wenn sie dem fran­zö­si­schen Ver­lag das Recht zum Ver­viel­fäl­ti­gen, Ver­brei­ten und Aus­stel­len der Foto­gra­fi­en in Deutsch­land ein­ge­räumt oder über­tra­gen hät­te und die Drit­ten die­se Rech­te erwor­ben hät­ten.

Die Beklag­te hät­te dem in Paris ansäs­si­gen Phai­don-Ver­lag bei der Über­ga­be der Foto­gra­fi­en ihr in Wahr­heit nicht zuste­hen­de Rech­te zur Nut­zung der Foto­gra­fi­en in Bild­bän­den ein­ge­räumt oder über­tra­gen, wenn der Foto­graf der Hote­lier ent­we­der bereits nicht das Recht ein­ge­räumt hät­te, sei­ne Foto­gra­fi­en auch in Bild­bän­den zu nut­zen, oder er ihr zwar die­ses Recht ein­ge­räumt hät­te, aber nicht sei­ne Zustim­mung erklärt hät­te, dass sie die­ses Recht ihrer­seits Drit­ten über­trägt (§ 34 Abs. 1 Satz 1 UrhG) oder ein­räumt (§ 35 Abs. 1 Satz 1 UrhG). Das Beru­fungs­ge­richt hat gemeint, die Fra­ge, in wel­chem Umfang der Foto­graf der Hote­lier Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt habe, sei nach der Über­tra­gungs­zweck­re­gel des § 31 Abs. 5 UrhG zu beur­tei­len. Danach kön­ne kein Zwei­fel dar­an bestehen, dass er ihr nicht das Recht ein­ge­räumt habe, die Bil­der in belie­bi­gen Ver­öf­fent­li­chun­gen zu ver­wen­den und sie Drit­ten zu die­sem Zweck zu über­las­sen. Die­se Beur­tei­lung hält der recht­li­chen Nach­prü­fung nicht stand. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts ist die Fra­ge, in wel­chem Umfang der Foto­graf der Hote­lier Nut­zungs­rech­te an den Foto­gra­fi­en ein­ge­räumt hat, nicht nach der Über­tra­gungs­zweck­re­gel des § 31 Abs. 5 UrhG, son­dern nach fran­zö­si­schem Urhe­ber­ver­trags­recht zu beant­wor­ten.

Fra­gen des Urhe­ber­ver­trags­rechts — wie hier die­je­ni­ge nach der durch Aus­le­gung eines Ver­trags zu klä­ren­den Reich­wei­te eines urhe­ber­recht­li­chen Nut­zungs­rechts — sind grund­sätz­lich nicht nach dem Schut­zI­and­prin­zip, son­dern nach dem Ver­trags­sta­tut zu beur­tei­len19.

Für das Ver­trags­sta­tut sind im Streit­fall die mitt­ler­wei­le auf­ge­ho­be­nen Bestim­mun­gen der Art. 27 bis 34 EGBGB über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anwend­ba­re Recht maß­geb­lich. Die­se Vor­schrif­ten sind zwar durch die Ver­ord­nung (EG) Nr. 5932008 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (Rom-I-VO) abge­löst wor­den. Die­se Ver­ord­nung wird nach ihrem Art. 28 aber (nur) auf Ver­trä­ge ange­wandt, die ab dem 17.12 2009 geschlos­sen wor­den sind. Auf Ver­trä­ge, die — wie der hier zu beur­tei­len­de — davor geschlos­sen wur­den, sind wei­ter­hin die Bestim­mun­gen der Art. 27 bis 34 EGBGB anzu­wen­den.

Gemäß Art. 28 Abs. 1 Satz 1 EGBGB unter­liegt der Ver­trag dem Recht des Staa­tes, mit dem er die engs­ten Ver­bin­dun­gen auf­weist, soweit das auf den Ver­trag anzu­wen­den­de Recht — wie hier — nicht nach Art. 27 EGBGB ver­ein­bart wor­den ist. Gemäß Art. 28 Abs. 2 Satz 1 und 2 EGBGB wird zwar ver­mu­tet, dass der Ver­trag die engs­ten Ver­bin­dun­gen mit dem Staat auf­weist, in dem die Par­tei, wel­che die cha­rak­te­ris­ti­sche Leis­tung zu erbrin­gen hat, im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses ihren gewöhn­li­chen Auf­ent­halt oder — wenn der Ver­trag in Aus­übung einer beruf­li­chen oder gewerb­li­chen Tätig­keit die­ser Par­tei geschlos­sen wor­den ist — ihre Nie­der­las­sung hat. Die­se Ver­mu­tung gilt nach Art. 28 Abs. 5 EGBGB jedoch nicht, wenn sich aus der Gesamt­heit der Umstän­de ergibt, dass der Ver­trag enge­re Ver­bin­dun­gen mit einem ande­ren Staat auf­weist. Das Beru­fungs­ge­richt hat ohne Rechts­feh­ler ange­nom­men, dass der in Rede ste­hen­de Ver­trag der Par­tei­en die engs­ten Ver­bin­dun­gen mit Frank­reich auf­weist, weil die Licht­bil­der in Niz­za für ein dort ansäs­si­ges Unter­neh­men ange­fer­tigt wor­den sind und der Wer­bung für das auf den Bil­dern abge­lich­te­te, dort bele­ge­ne Hotel die­nen soll­ten. Auf den Ver­trag ist daher grund­sätz­lich fran­zö­si­sches Urhe­ber­ver­trags­recht anwend­bar.

Art. 9 Abs. 2 Rom-I-VO und § 31 Abs. 5 UrhG[↑]

Gemäß Art. 34 EGBGB (jetzt Art. 9 Abs. 2 Rom-I-VO) bleibt die Anwen­dung der Bestim­mun­gen des deut­schen Rechts, die ohne Rück­sicht auf das auf den Ver­trag anzu­wen­den­de Recht den Sach­ver­halt zwin­gend regeln, unbe­rührt.

§ 31 Abs. 5 UrhG zählt nicht zu den Bestim­mun­gen, die den Sach­ver­halt im Sin­ne des Art. 34 EGBGB zwin­gend regeln20.

Sind bei der Ein­räu­mung eines Nut­zungs­rechts die Nut­zungs­ar­ten nicht aus­drück­lich ein­zeln bezeich­net, so bestimmt sich gemäß § 31 Abs. 5 Satz 1 UrhG nach dem von bei­den Part­nern zugrun­de geleg­ten Ver­trags­zweck, auf wel­che Nut­zungs­ar­ten es sich erstreckt. Ent­spre­chen­des gilt nach § 31 Abs. 5 Satz 2 UrhG für die Fra­ge, ob ein Nut­zungs­recht ein­ge­räumt wird, ob es sich um ein ein­fa­ches oder aus­schließ­li­ches Nut­zungs­recht han­delt, wie weit Nut­zungs­recht und Ver­bots­recht rei­chen und wel­chen Ein­schrän­kun­gen das Nut­zungs­recht unter­liegt.

Zwin­gen­de Nor­men im Sin­ne des Art. 34 EGBGB sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Bestim­mun­gen, die bean­spru­chen, einen Sach­ver­halt mit Aus­lands­be­rüh­rung ohne Rück­sicht auf das jewei­li­ge Ver­trags­sta­tut zu regeln. Fehlt eine aus­drück­li­che gesetz­li­che Rege­lung des all­um­fas­sen­den Gel­tungs­an­spruchs einer Norm, so ist im Wege der Aus­le­gung zu ermit­teln, ob sie nach ihrem Sinn und Zweck ohne Rück­sicht auf das nach den sons­ti­gen Kol­li­si­ons­nor­men anzu­wen­den­de Recht eines ande­ren Staa­tes inter­na­tio­nal gel­ten soll. Für die Anwen­dung des Art. 34 EGBGB ist grund­sätz­lich erfor­der­lich, dass die betref­fen­de Vor­schrift nicht nur dem Schutz und Aus­gleich wider­strei­ten­der Inter­es­sen der Ver­trags­par­tei­en und damit rei­nen Indi­vi­du­al­be­lan­gen dient, son­dern dane­ben zumin­dest auch öffent­li­che Gemein­wohl­in­ter­es­sen ver­folgt. Bei der Fest­stel­lung, ob eine Norm inter­na­tio­nal zwin­gen­den Cha­rak­ter hat, ist grund­sätz­lich Zurück­hal­tung gebo­ten, da sonst die mit dem Über­ein­kom­men vom 19.06.1980 über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht (EuSch­VÜ)21 durch die Ver­ein­heit­li­chung des Kol­li­si­ons­rechts bezweck­te Ein­heit­lich­keit inter­na­tio­na­ler Ent­schei­dun­gen emp­find­lich gestört, das dif­fe­ren­zier­te, all­sei­ti­ge Anknüp­fungs­sys­tem der Art. 27 ff. EGBGB par­ti­ell außer Kraft gesetzt und die Rechts­an­wen­dung erschwert wür­de. Art. 34 EGBGB darf nicht die Funk­ti­on einer all­ge­mei­nen Aus­weich­klau­sel über­neh­men, mit der das das EUSch­VÜ und EGBGB beherr­schen­de Grund­prin­zip der Rechts­wahl­frei­heit der Ver­trag­schlie­ßen­den nach Belie­ben besei­tigt und die ein­heit­li­che Anknüp­fung des Ver­trags­sta­tuts auf­ge­löst wird. In Zwei­fels­fäl­len ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass die betref­fen­de Vor­schrift kei­ne inter­na­tio­nal zwin­gen­de Gel­tung bean­sprucht22.

Nach die­sen Maß­stä­ben ist § 31 Abs. 5 UrhG kei­ne inter­na­tio­nal zwin­gen­de Rege­lung im Sin­ne des Art. 34 EGBGB.

Der in § 31 Abs. 5 UrhG nie­der­ge­leg­te und aus­ge­form­te Aus­le­gungs­grund­satz, dass der Urhe­ber im Zwei­fel nur die Nut­zungs­rech­te ein­räumt, die für das Errei­chen des Ver­trags­zwecks uner­läss­lich sind (Über­tra­gungs­zweck­ge­dan­ke), beruht auf dem das gesam­te Urhe­ber­recht beherr­schen­den Leit­ge­dan­ken einer mög­lichst weit­ge­hen­den Betei­li­gung des Urhe­bers an der wirt­schaft­li­chen Ver­wer­tung sei­nes Wer­kes (Betei­li­gungs­grund­satz)23. Er dient, wie das Beru­fungs­ge­richt mit Recht ange­nom­men hat, dem Schutz des Urhe­bers als der regel­mä­ßig schwä­che­ren Ver­trags­par­tei24 und gilt auch bei einer Ein­räu­mung von Leis­tungs­schutz­rech­ten25. Ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts folgt aus die­sem Schutz­zweck jedoch nicht, dass die Rege­lung des § 31 Abs. 5 UrhG im Sin­ne von Art. 34 EGBGB inter­na­tio­nal zwin­gend ist.

Der mit § 31 Abs. 5 UrhG bezweck­te Schutz der regel­mä­ßig schwä­che­ren Ver­trags­par­tei dient vor allem Indi­vi­du­al­be­lan­gen. Soweit ein sol­cher Schutz der Urhe­ber und Leis­tungs­schutz­be­rech­tig­ten auch im öffent­li­chen Gemein­wohl­in­ter­es­se liegt, han­delt es sich um eine blo­ße Neben­wir­kung, wie sie mit vie­len Geset­zen ver­bun­den ist, die dem Schutz einer bestimm­ten Bevöl­ke­rungs­grup­pe die­nen. Ein sol­cher reflex­ar­ti­ger Schutz öffent­li­cher Gemein­wohl­in­ter­es­sen reicht für eine Anwen­dung des Art. 34 EGBGB nicht aus26.

Gegen die Annah­me einer inter­na­tio­nal zwin­gen­den Wir­kung des § 31 Abs. 5 UrhG spricht fer­ner, dass nicht ein­mal alle nach deut­schem Recht zwin­gen­den Vor­schrif­ten zugleich gemäß Art. 34 EGBGB inter­na­tio­nal zwin­gend sind27 und es sich bei § 31 Abs. 5 UrhG um kei­ne nach deut­schem Recht zwin­gen­de Vor­schrift han­delt. Sie über­lässt es grund­sätz­lich den Ver­trags­par­tei­en, Inhalt und Umfang des Nut­zungs­rechts zu bestim­men. Sie greift ihrer Natur als Aus­le­gungs­re­gel ent­spre­chend erst ein, wenn es an einer aus­drück­li­chen ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en fehlt oder Unklar­hei­ten über Inhalt oder Umfang eines ein­ge­räum­ten Nut­zungs­rechts bestehen28.

Gegen die Annah­me einer inter­na­tio­nal zwin­gen­den Wir­kung des § 31 Abs. 5 UrhG spricht fer­ner ein Umkehr­schluss aus § 32b UrhG. Nach die­ser Vor­schrift fin­den die §§ 32 und 32a UrhG zwin­gend Anwen­dung, wenn auf den Nut­zungs­ver­trag man­gels einer Rechts­wahl deut­sches Recht anzu­wen­den wäre oder soweit Gegen­stand des Ver­trags maß­geb­li­che Nut­zungs­hand­lun­gen im räum­li­chen Gel­tungs­be­reich des Urhe­ber­rechts­ge­set­zes sind. § 32b UrhG bestimmt danach aus­drück­lich, dass sich die urhe­ber­schüt­zen­den Vor­schrif­ten über die ange­mes­se­ne Ver­gü­tung (§§ 32, 32a UrhG) unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen als zwin­gen­de Rege­lun­gen im Sin­ne des Art. 34 EGBGB gegen­über aus­län­di­schem Recht durch­set­zen. Dage­gen gibt es kei­ne Vor­schrift, die bestimmt, dass es sich bei § 31 Abs. 5 UrhG um eine zwin­gen­de Rege­lung im Sin­ne des Art. 34 EGBGB han­delt. Es kann auch nicht ange­nom­men wer­den, dass das Gesetz inso­weit eine plan­wid­ri­ge Rege­lungs­lü­cke auf­weist. Dafür gibt es ins­be­son­de­re in den Geset­zes­ma­te­ria­len zu den hier in Rede ste­hen­den Bestim­mun­gen kei­nen Anhalts­punkt. Des­halb lässt das Feh­len einer § 32b UrhG ent­spre­chen­den Rege­lung für § 31 Abs. 5 UrhG dar­auf schlie­ßen, dass die­se Bestim­mung kei­ne zwin­gen­de Rege­lung im Sin­ne des Art. 34 EGBGB ist.

Da jeden­falls kei­ne hin­rei­chen­den Anhalts­punk­te dafür bestehen, dass die Bestim­mung des § 31 Abs. 5 UrhG einen Sach­ver­halt mit Aus­lands­be­rüh­rung ohne Rück­sicht auf das jewei­li­ge Ver­trags­sta­tut regeln soll, ist auch im Inter­es­se der Ein­heit­lich­keit von Ent­schei­dun­gen mit inter­na­tio­na­lem Bezug davon aus­zu­ge­hen, dass die Vor­schrift kei­ne inter­na­tio­nal zwin­gen­de Gel­tung bean­sprucht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Sep­tem­ber 2014 — I ZR 3511

  1. EuGH, Urteil vom 03.04.2014 — C387/​12, GRUR 2014, 599 „Hi Hotel/​Spoering”
  2. BGH, Beschluss vom 28.06.2012 — I ZR 3511, GRUR 2012, 1069, WRP 2012, 1421 — Hi Hotel I
  3. vgl. EuGH, Urteil vom 19.04.2012 — C523/​10, GRUR 2012, 654 Rn. 26 — Wintersteiger/​Products 4U; EuGH, GRUR 2014, 599 Rn.20 f. — Hi Hotel/​Spoering; BGH, Urteil vom 12.12 2013 — I ZR 13112, GRUR 2014, 601 Rn. 17 = WRP 2014, 548 — eng­lisch­spra­chi­ge Pres­se­mit­tei­lung; Urteil vom 24.06.2014 — VI ZR 31513, WM 2014, 1614 Rn.19, jeweils mwN
  4. vgl. EuGH, Urteil vom 07.03.1995 — C68/​93, Slg. 1995, I415 = GRUR Int.1998, 298 Rn.20 f. She­vill; Urteil vom 25.10.2011 — C509/​09 und C161/​10, Slg. 2011, I10269, GRUR 2012, 300 Rn. 41 — eDa­te Advertising/​MGN; EuGH, GRUR 2014, 599 Rn. 27 — Hi Hotel/​Spoering, mwN
  5. EuGH, GRUR 2014, 599 Rn. 34 bis 37 und 40 — Hi Hotel/​Spoering
  6. vgl. BGH, GRUR 2012, 1069 Rn. 18 bis 20 — Hi Hotel I
  7. vgl. BGH, Urteil vom 15.02.2007 — I ZR 11404, BGHZ 171, 151 Rn. 24 — Wagen­feld-Leuch­te; Urteil vom 24.05.2007 — I ZR 4204, GRUR 2007, 691 Rn. 21 f. = WRP 2007, 996 — Staats­ge­schenk; Urteil vom 29.04.2010 — I ZR 6908, BGHZ 185, 291 Rn. 14 — Vor­schau­bil­der I, jeweils mwN; eben­so nun­mehr Art. 8 Abs. 1 der gemäß ihrem Art. 32 am 11.01.2009 in Kraft getre­te­nen Ver­ord­nung [EG] Nr. 8642007 über das auf außer­ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht [Rom-II-VO], die nach ihrem Art. 31 aber nur auf scha­dens­be­grün­den­de Ereig­nis­se ange­wandt wird, die nach ihrem Inkraft­tre­ten ein­tre­ten
  8. BGH, Urteil vom 02.10.1997 — I ZR 8895, BGHZ 136, 380, 385 ff. Spiel­bank­af­fai­re; Urteil vom 29.04.1999 — I ZR 6596, BGHZ 141, 267, 273 Laras Toch­ter; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 127 und 129
  9. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 15.04.2010 — I ZR 14508, GRUR 2010, 1125 Rn. 15 = WRP 2010, 1465 — Femur-Teil; Urteil vom 12.05.2011 — I ZR 5310, GRUR 2012, 58 Rn. 39 — Seil­zir­kus, jeweils mwN
  10. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 29.10.2009 — I ZR 16806, GRUR 2010, 57 Rn. 15 = WRP 2010, 123 — Scan­ner­ta­rif
  11. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Urteil vom 25.03.2010 — I ZR 12208, GRUR 2010, 1090 Rn. 14 = WRP 2010, 1520 Wer­bung des Nach­rich­ten­sen­ders; Urteil vom 29.04.2010 — I ZR 6808, GRUR 2010, 623 Rn. 43 = WRP 2010, 927 — Rest­wert­bör­se I, jeweils mwN
  12. BGH, Urteil vom 16.06.1994 — I ZR 2492, BGHZ 126, 252, 256 Fol­ge­recht bei Aus­lands­be­zug; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 123 mwN
  13. zur ent­spre­chen­den Anwen­dung des § 18 UrhG auf Licht­bil­der und zum Begriff des Zur­schau­stel­lens vgl. Vogel in Schricker/​Loewenheim aaO § 18 UrhG Rn. 13 und 17
  14. vgl. BGH, Urteil vom 02.10.1968 — I ZR 10766, BB 1969, 292, 293 — Curt-Goe­tz-Fil­me II
  15. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2002 — I ZR 25500, BGHZ 151, 300, 305 — Elek­tro­ni­scher Pres­se­spie­gel
  16. vgl. BGH, Urteil vom 17.07.2013 — I ZR 12908, GRUR 2014, 264 Rn. 24 bis 26 = WRP 2014, 308 — Used­Soft II
  17. vgl. zu den Haf­tungs­vor­aus­set­zun­gen BGH, Urteil vom 22.06.2011 — I ZR 15910, GRUR 2011, 1018 Rn. 17, 21, 24 und 25 = WRP 2011, 1469 Auto­mo­bil-Online­bör­se
  18. vgl. zum Begriff der Adäquanz BGH, Urteil vom 15.11.1990 — I ZR 25488, GRUR 1991, 332, 333 = WRP 1991, 292 Lizenz­man­gel; Urteil vom 11.01.2005 — X ZR 16302, NJW 2005, 1420, 1421, jeweils mwN
  19. vgl. BGHZ 136, 380, 388 Spiel­bank­af­fai­re; BGH, Urteil vom 17.07.2013 — I ZR 5212, GRUR 2014, 258 Rn. 13 = WRP 2014, 178 Pip­pi-Lang­strumpf-Kos­tüm; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 147 bis 151; Drei­er in Dreier/​Schulze, UrhG, 4. Aufl., Vor § 120 Rn. 49 f.
  20. Nor­de­mann-Schif­fel in Fromm/​Nordemann, Urhe­ber­recht, 11. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 86 und 88 mwN; von Wel­ser in Wandtke/​Bullinger, Urhe­ber­recht, 4. Aufl., § 32b UrhG Rn. 2; Oberg­fell in Büscher/​Dittmer/​Schiwy, Gewerb­li­cher Rechts­schutz Urhe­ber­recht Medi­en­recht, 2. Aufl., Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 14, jeweils mwN; Loewen­heim, Fest­schrift Born­kamm [2014], S. 887, 891 f.; aA LG Mün­chen I, ZUM-RD 2002, 21, 25 f. und 27; Kat­zen­ber­ger in Schricker/​Loewenheim aaO § 32b UrhG Rn. 33 f. und Vor §§ 120 ff. UrhG Rn. 166 f.; Drei­er in Dreier/​Schulze aaO Vor § 120 Rn. 55, jeweils mwN
  21. BGBl.1986 — II S. 809
  22. BGH, Urteil vom 13.12 2005 — XI ZR 8205, BGHZ 165, 248, 256 bis 258 mwN; vgl. auch Begrün­dung zum Regie­rungs­ent­wurf eines Geset­zes zur Neu­re­ge­lung des Inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts, BT-Drs. 10504, S. 83
  23. vgl. BGH, Urteil vom 28.10.2010 — I ZR 1809, GRUR 2011, 714 Rn. 16 und 19 f. = WRP 2011, 913 — Der Frosch mit der Mas­ke, mwN
  24. vgl. Schricker/​Loewenheim in Schricker/​Loewenheim aaO § 31 UrhG Rn. 65
  25. BGH, Urteil vom 11.04.2013 — I ZR 15211, GRUR 2013, 618 Rn. 30 = WRP 2013, 793 — Inter­net-Video­re­cor­der II
  26. vgl. zum Ver­brau­cher­kre­dit­ge­setz BGHZ 165, 248, 257
  27. BGHZ 165, 248, 256
  28. vgl. BGH, Urteil vom 31.05.2012 — I ZR 7310, BGHZ 193, 268 Rn. 17 — Hono­rar­be­din­gun­gen Freie Jour­na­lis­ten, mwN