Deutscher Unternehmer, belgischer Subunternehmer — und der Direktanspruch nach belgischem Recht

Beur­teilt sich das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem in Deutsch­land ansäs­si­gen Unter­neh­mer und dem bel­gi­schen Sub­un­ter­neh­mer nach deut­schem Recht, steht dem Sub­un­ter­neh­mer kein Direkt­an­spruch gegen den Haupt­auf­trag­ge­ber nach Art. 1798 des bel­gi­schen Zivil­ge­setz­buchs zu.

Deutscher Unternehmer, belgischer Subunternehmer — und der Direktanspruch nach belgischem Recht

Nach deut­schem Recht besteht kein Anspruch eines Sub­un­ter­neh­mers dar­auf, dass sei­ne gegen den Unter­neh­mer bestehen­de For­de­rung durch den Haupt­auf­trag­ge­ber erfüllt wird. Dies gilt auch bei einer auf § 16 Abs. 6 VOB/​B (§ 16 Nr. 6 VOB/​B aF) beru­hen­den Direkt­zah­lung an den Sub­un­ter­neh­mer1. Erfüllt ein Drit­ter auf Anwei­sung des Schuld­ners des­sen Ver­bind­lich­keit, liegt hier­in grund­sätz­lich eine nicht uner­heb­li­che Abwei­chung vom nor­ma­len Zah­lungs­weg und damit eine nicht in der Art zu bean­spru­chen­de Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers im Sin­ne von § 131 Abs. 1 InsO2.

Da sich das Rechts­ver­hält­nis zwi­schen dem Sub­un­ter­neh­mer und dem Unter­neh­mer vor­lie­gend nach deut­schem Recht rich­tet, kann ein Anspruch des Sub­un­ter­neh­mers auf Zah­lung durch die Haupt­auf­trag­ge­ber nicht aus Art. 1798 des bel­gi­schen Zivil­ge­setz­buchs abge­lei­tet wer­den. Die­se Norm erwei­tert die ver­trag­li­chen Rech­te des Sub­un­ter­neh­mers gegen sei­nen Auf­trag­ge­ber um das Recht, sei­nen Ver­gü­tungs­an­spruch bis zur Höhe des Betrags, den der Haupt­auf­trag­ge­ber sei­nem Auf­trag­neh­mer schul­det, unmit­tel­bar gegen den Haupt­auf­trag­ge­ber gel­tend zu machen. Es han­delt sich dabei um eine gesetz­lich bestimm­te, akzes­so­ri­sche Sicher­heit zur For­de­rung des Sub­un­ter­neh­mers gegen sei­nen Auf­trag­ge­ber, die in ihrer Aus­wir­kung einem Pfän­dungs- und Über­wei­sungs­be­schluss nach §§ 829, 835 ZPO ver­gleich­bar ist3.

Die­ser Direkt­an­spruch hat sei­ne Grund­la­ge nicht im Haupt­auf­trags­ver­hält­nis. Er betrifft viel­mehr die Rech­te des Sub­un­ter­neh­mers aus dem Sub­un­ter­neh­mer­ver­trag und besteht des­halb nur dann, wenn die durch den Direkt­an­spruch geschütz­te For­de­rung — mit­hin der Sub­un­ter­neh­mer­ver­trag — dem Recht unter­liegt, das den Direkt­an­spruch vor­sieht4. Ob dar­über hin­aus erfor­der­lich ist, dass auch das Haupt­auf­trags­ver­hält­nis dem Recht unter­liegt, das dem Sub­un­ter­neh­mer einen Direkt­an­spruch gegen den Bestel­ler gewährt5, kann dahin­ste­hen. Im Streit­fall kann sich der Beklag­te schon des­halb nicht auf Art. 1798 des bel­gi­schen Zivil­ge­setz­buchs beru­fen, weil auf den Sub­un­ter­neh­mer­ver­trag nach der von den Betei­lig­ten getrof­fe­nen Rechts­wahl deut­sches Recht anzu­wen­den ist.

Es kommt auch nicht in Betracht, Art. 1798 des bel­gi­schen Zivil­ge­setz­buchs trotz des ver­ein­bar­ten deut­schen Ver­trags­sta­tus mit der Begrün­dung anzu­wen­den, es hand­le sich um inter­na­tio­nal zwin­gen­des aus­län­di­sches Recht. Ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­län­di­sche Ein­griffs­nor­men anzu­wen­den sind, war zum hier maß­geb­li­chen Zeit­punkt gesetz­lich nicht gere­gelt. Art. 34 EGBGB betraf ledig­lich die Anwen­dung zwin­gen­der Nor­men des deut­schen Rechts. Die Rege­lung des Art. 7 Abs. 1 des Über­ein­kom­mens von Rom über das auf ver­trag­li­che Schuld­ver­hält­nis­se anzu­wen­den­de Recht vom 19.06.19806 über die Anwend­bar­keit zwin­gen­der aus­län­di­scher Bestim­mun­gen ist vom deut­schen Gesetz­ge­ber bewusst nicht in das Ein­füh­rungs­ge­setz zum Bür­ger­li­chen Gesetz­buch über­nom­men wor­den7. Inwie­weit aus­län­di­sche Ein­griffs­nor­men gleich­wohl anzu­wen­den sind8, braucht hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Denn es han­delt sich bei Art. 1798 des bel­gi­schen Zivil­ge­setz­buchs nicht um eine Ein­griffs­norm, die unge­ach­tet des maß­geb­li­chen Ver­trags­sta­tuts inter­na­tio­na­le Gel­tung bean­spru­chen könn­te. Der Direkt­an­spruch des Sub­un­ter­neh­mers gegen den Haupt­auf­trag­ge­ber dient in ers­ter Linie dem Indi­vi­dual­in­ter­es­se des Sub­un­ter­neh­mers und hat kei­ne über­ra­gen­de Bedeu­tung für die Wah­rung des öffent­li­chen Inter­es­ses des bel­gi­schen Staa­tes, weder im Blick auf sei­ne poli­ti­sche noch auf sei­ne sozia­le oder wirt­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on (vgl. dazu Art. 9 Abs. 1 der im Streit­fall noch nicht anwend­ba­ren Rom — I — Ver­ord­nung; BGH, Urteil vom 17.11.1994 — III ZR 7093, BGHZ 128, 41, 52 mwN; Staudinger/​Magnus, aaO Rn. 113).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Novem­ber 2014 — IX ZR 1314

  1. BGH, Urteil vom 16.10.2008 — IX ZR 205, ZIP 2008, 2324 Rn. 13 mwN []
  2. BGH, Urteil vom 16.10.2008, aaO mwN; vom 20.01.2011 — IX ZR 5810, WM 2011, 371 Rn. 17; vom 17.07.2014 — IX ZR 24013, WM 2014, 1588 Rn. 17 []
  3. vgl. zur ähn­li­chen action direc­te des fran­zö­si­schen Rechts nach Art. 12 des Geset­zes Nr. 751334 über den Sub­un­ter­neh­mer­ver­trag vom 31.12 1975: Sajonz, Der Schutz des Sub­un­ter­neh­mers bei Insol­venz des Haupt­un­ter­neh­mers nach fran­zö­si­schem, schwei­ze­ri­schem und deut­schem Recht, S. 113 f; Scher­zer, Die Siche­rung von For­de­run­gen der am Bau Täti­gen aus rechts­ver­glei­chen­der Sicht, S. 157 f []
  4. Hök, Hand­buch des inter­na­tio­na­len und aus­län­di­schen Bau­rechts, 2. Aufl., Kap. 3 § 14 Rn. 12; Jay­me in Fest­schrift Pley­er, 1986, S. 371, 378; ders. in IPRax 1985, 372, 373 []
  5. vgl. dazu Hök, aaO Rn. 13; Jay­me in Fest­schrift Pley­er, 1986, S. 371, 379; Reithmann/​Martiny, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 7. Aufl., Rn. 1082; Münch­Komm-BGB/M­ar­ti­ny, 4. Aufl., Art. 28 EGBGB Rn.192 []
  6. ABl. EG 1980 L 266 S. 1 ff — EVÜ []
  7. BT-Drs. 10504, S. 83, 100, 106; BT-Drs. 105632, S. 45; Staudinger/​Magnus, BGB, 2002, § 34 EGBGB Rn. 5 f []
  8. vgl. dazu Staudinger/​Magnus, aaO Rn. 110 ff; Bamberger/​Roth/​Spickhoff, BGB, 2. Aufl., Art. 34 EGBGB Rn. 24 ff []