Deutsches Kreditwesengesetz für eine türkische Aktiengesellschaft

Ist das deut­sche Kre­dit­we­sen­ge­setz und das deut­sche Aus­land­in­vest­ment­ge­set­zes auf den in einer Moschee im Ruhr­ge­biet getä­tig­ten Kauf von Akti­en einer tür­ki­schen Akti­en­ge­sell­schaft anwend­bar? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu beschäf­ti­gen — und bejah­te die­se Fra­ge. Gleich­zei­tig wies er jedoch das Scha­dens­er­satz­ver­lan­gen des Erwer­bers der tür­ki­scher Akti­en zurück.

Deutsches Kreditwesengesetz für eine türkische Aktiengesellschaft

Der Klä­ger erwarb im Jahr 1999 in einer Moschee im Ruhr­ge­biet für 40.500 DM in bar Akti­en der Beklag­ten, einer nicht bör­sen­no­tier­ten Akti­en­ge­sell­schaft mit Sitz in der Tür­kei. Er woll­te mit der Anla­ge zwar eine gute Ren­di­te erzie­len, jedoch nicht gegen den Koran ver­sto­ßen und des­halb kei­ne Zins- und Spe­ku­la­ti­ons­ge­win­ne erzie­len. Die Beklag­te zahl­te im Jahr 2000 rund 5.000 DM bar an den Klä­ger. Seit­her leis­te­te sie kei­ne wei­te­ren Zah­lun­gen mehr und wei­ger­te sich, die Antei­le gegen Rück­zah­lung des Anla­ge­be­trags zurück­zu­neh­men. Der Klä­ger ver­langt im Wege des Scha­dens­er­sat­zes den ein­ge­setz­ten Kapi­tal­be­trag. Er behaup­tet, sei­tens der Beklag­ten sei ihm zuge­sagt wor­den, dass die Anla­ge eine jähr­li­che Ren­di­te von 10 % abwer­fe und der Anla­ge­be­trag auf ent­spre­chen­den Wunsch zurück­ge­zahlt wer­de. Das erst­in­stanz­lich mit dem Rechts­streit befass­te Land­ge­richt Duis­burg hat der Scha­dens­er­satz­kla­ge statt­ge­ge­ben1, auf die Beru­fung der tür­ki­schen Akti­ens­ge­sell­schaft hin hat das Ober­lan­des­ge­richt die­ses land­ge­richt­li­che Urteil jedoch auf­ge­ho­ben und die Kla­ge abge­wie­sen2.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit deut­scher Gerich­te und die Anwend­bar­keit deut­schen Rechts bejaht, soweit die Kla­ge auf delik­ti­sche Hand­lun­gen gestützt wur­de, die in Deutsch­land began­gen wor­den sind. Gleich­zei­tig hat der Bun­des­ge­richts­hof jedoch delik­ti­sche Ansprü­che ver­neint:

Der Klä­ger kann, so der BGH, kei­nen Scha­dens­er­satz wegen Ver­sto­ßes gegen die Erlaub­nis­pflicht des § 32 KWG ver­lan­gen, weil die Ver­äu­ße­rung der eige­nen Akti­en durch die Beklag­te kein Bank­ge­schäft in Form des Ein­la­gen­ge­schäfts im Sin­ne des § 1 Abs. 1 Satz 2 KWG dar­stell­te.

Eine Ver­let­zung der zum Zeit­punkt des Anteil­ver­kaufs bestehen­den Anzei­ge­pflicht nach dem Aus­land­in­vest­ment­ge­setz ist eben­falls nicht gege­ben, weil kei­ne Antei­le an einem aus­län­di­schen Invest­ment­ver­mö­gen im Sin­ne die­ses Geset­zes ver­trie­ben wor­den sind. Dafür wäre Vor­aus­set­zung gewe­sen, dass das Ver­mö­gen der Beklag­ten nach dem Grund­satz der Risi­ko­mi­schung, d.h. zur Siche­rung des Kapi­tal­werts der zuflie­ßen­den Gel­der in einer Viel­zahl von Wert­pa­pie­ren oder Grund­stü­cken oder bei­den ange­legt gewe­sen wäre. Die Beklag­te ver­folg­te aber nicht vor­ran­gig das Ziel, den Kapi­tal­wert der Anla­gen zu sichern, son­dern Gewin­ne durch unter­schied­li­che unter­neh­me­ri­sche Betei­li­gun­gen zu erwirt­schaf­ten. Der beklag­ten tür­ki­schen Akti­en­ge­sell­schaft war eben­so wie dem in Deutsch­land täti­gen Ver­käu­fer der Antei­le ein betrü­ge­ri­sches oder sit­ten­wid­rig schä­di­gen­des Vor­ge­hen jedoch nicht nach­zu­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. März 2010 — VI ZR 5709

  1. LG Duis­burg, Urteil vom 28.08.2007 j- 10 O 2807
  2. OLG Düs­sel­dorf, Urteil vom 13.02.2009 – I-17 U 18107