Verbotene Ausfuhr von Dual-Use-Gütern — und der Täter

Täter einer uner­laub­ten Aus­fuhr von Dual-Use-Gütern kann grund­sätz­lich jeder­mann sein, der an die­ser Aus­fuhr betei­ligt ist. Die

Verbotene Ausfuhr von Dual-Use-Gütern — und der Täter

Straf­bar war nach altem (§ 33 Abs. 4 Satz 1 AWG aF, § 70 Abs. 5a Satz 1 Nr. 1, 2 AWV aF) und ist nach neu­em Recht (§ 18 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AWG nF) die geneh­mi­gungs­lo­se Aus­fuhr1. Dabei ist, weil die Geneh­mi­gungs­pflicht durch Art. 3 Abs. 1 bzw. Art. 4 Abs. 1 Dual-Use-VO begrün­det wird, auch der in die­ser Ver­ord­nung defi­nier­te Aus­fuhr­be­griff (Art. 2 Buchst. b) VO (EG) 13342000, Art. 2 Nr. 2 VO (EG) 4282009)) maß­geb­lich2.

Die­ser euro­pa­recht­li­che Aus­fuhr­be­griff erfasst — wei­ter als § 4 Abs. 2 Nr. 4 AWG aF bzw. § 2 Abs. 3 Nr. 1 AWG nF — jede Lie­fe­rung von Gütern aus der Euro­päi­schen Uni­on in ein Dritt­land und damit hier auch die unmit­tel­ba­ren Sen­dun­gen vom Lie­fe­ran­ten des Aus­füh­rers (hier: aus Öster­reich in den Iran)3.

Knüp­fen dem­nach die Tat­be­stän­de an die Aus­fuhr als Realakt an, kann Täter grund­sätz­lich jeder­mann sein, der an die­ser betei­ligt ist. Die Abgren­zung von Täter­schaft und Teil­nah­me bestimmt sich nach den all­ge­mei­nen Regeln der §§ 25 ff. StGB4. Soweit für die gegen­tei­li­ge Ansicht auf eine Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs vom 23.04.20105 ver­wie­sen wird, wird über­se­hen, dass sich die­se auf die anders gela­ger­te Kon­stel­la­ti­on des Art. 4 Abs. 4 Dual-Use-VO bezog.

Der Begriff des Aus­füh­rers ist aller­dings inso­weit von Bedeu­tung, als die­ser im Sin­ne von Art. 4 Abs. 1 Dual-Use-VO unter­rich­tet wer­den muss.

Dar­aus folgt indes nicht, dass nur der Adres­sat der Unter­rich­tung tat­be­stand­lich han­deln kann6. Dies ergab sich für den frü­he­ren Rechts­zu­stand allein aus dem Wort­laut des § 70 Abs. 5a Satz 1 Nr. 2 AWV aF, wonach der­je­ni­ge ord­nungs­wid­rig han­del­te, der ohne Geneh­mi­gung nach Art. 4 Abs. 1 Dual-Use-VO Güter aus­führ­te, obwohl er von der zustän­di­gen Behör­de ent­spre­chend unter­rich­tet wor­den war. § 18 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1 AWG nF ent­hält eine sol­che Ver­knüp­fung nicht mehr, so dass nach heu­ti­gem Recht jeder an der Aus­fuhr Betei­lig­te als Täter in Betracht kommt7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. März 2016 — 3 StR 34715

  1. sie­he auch BGH, Urteil vom 20.08.1992 — 1 StR 22992, NJW 1992, 3114 []
  2. vgl. Mor­wei­ser in Wolffgang/​Simonsen/​Rogmann aaO, 40. Erg.-Lfg., § 18 AWG Rn. 83 []
  3. vgl. Tervooren/​Mrozek in Wolffgang/​Simonsen/​Rogmann aaO, 33. Erg.-Lfg., Art. 2 Dual-Use-VO Rn. 22 mwN []
  4. BGH, Urteil vom 20.08.1992 — 1 StR 22992, NJW 1992, 3114 []
  5. BGH, Beschluss vom 23.04.2010 — AK 210, NJW 2010, 2370, 2371 []
  6. eben­so Bien­eck, Hand­buch des Außen­wirt­schafts­rechts, 2. Aufl., § 29 Rn. 69; aA Münch­Komm-StG­B/­Wag­ner, 2. Aufl., § 18 AWG Rn. 113 []
  7. Mor­wei­ser in Wolffgang/​Simonsen/​Rogmann aaO, 43. Erg.-Lfg., Vor §§ 17, 18 AWG Rn. 29 []