Dividendenzahlungen der deutschen Tochter einer französischen S.A.S.

Eine fran­zö­si­sche Kapi­tal­ge­sell­schaft in der Rechts­form einer „socie­te par actions sim­pli­fiee” (S.A.S.) war bis zum 15. Dezem­ber 2004 nicht als „Gesell­schaft eines Mit­glied­staats” i.S. von Art. 2 Buchst. a i.V.m. Buchst. f des Anhangs der Richt­li­nie 90/​435/​EWG anzu­se­hen. Divi­den­den­zah­lun­gen an eine sol­che Gesell­schaft durch ihre deut­sche Toch­ter­ge­sell­schaft erfüll­ten damit weder unmit­tel­bar noch ana­log die Vor­aus­set­zun­gen des § 43b Abs. 2 Satz 1 EStG 2002 i.V.m. Anla­ge 2 Nr. 1 zu § 43b EStG 20021.

Dividendenzahlungen der deutschen Tochter einer französischen S.A.S.

Die Kör­per­schaft­steu­er für Kapi­tal­erträ­ge i.S. von § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG 2002, die nach § 43 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG 2002 i.V.m. § 31 Abs. 1 Satz 1 KStG 2002 dem Steu­er­ab­zug unter­lie­gen, ist bei einer beschränkt steu­er­pflich­ti­gen Kapi­tal­ge­sell­schaft als Bezie­he­rin der Ein­künf­te nach § 32 Abs. 1 Nr. 2 KStG 2002 durch den Steu­er­ab­zug abge­gol­ten. Divi­den­den, die an Gesell­schaf­ten mit Sitz in ande­ren Mit­glied­staa­ten aus­ge­schüt­tet wer­den, wer­den infol­ge­des­sen wirt­schaft­lich einer höhe­ren Besteue­rung unter­wor­fen als Divi­den­den, die an Gesell­schaf­ten mit Sitz in Deutsch­land aus­ge­schüt­tet wer­den. Dar­in liegt ein Ver­stoß gegen die Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit des Art. 56 Abs. 1 EG2.

Die nach­träg­li­che Erstat­tung ein­be­hal­te­ner und abge­führ­ter Kapi­tal­ertrag­steu­er kann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des § 50d Abs. 1 EStG 2002 nicht erfüllt sind, die Ein­be­hal­tung und Abfüh­rung aber gegen uni­ons­recht­li­che Grund­frei­hei­ten ver­stößt, auf eine ana­lo­ge Anwen­dung von § 50d Abs. 1 EStG 2002 gestützt wer­den. Zustän­dig für die Ent­schei­dung über ein sol­ches Erstat­tungs­be­geh­ren ist das Finanz­amt, nicht das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern (BZSt). Eine vor­he­ri­ge Frei­stel­lung von der Pflicht zur Ein­be­hal­tung und Abfüh­rung von Kapi­tal­ertrag­steu­er nach § 50d Abs. 2 EStG 2002 ist unter die­sen Umstän­den hin­ge­gen aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 11. Janu­ar 2012 —  I R 2510

  1. Anschluss an EuGH, Urteil vom 01.10.2009 — C‑247/​08, Slg. 2009, I‑9225 []
  2. Anschluss an EuGH, Urteil vom 20.10.2011 — C‑284/​09 [Kom­mis­si­on ./​. Deutsch­land], DStR 2011, 2038; sowie an BFH, Urteil vom 22.04.2009 — I R 5307, BFHE 224, 556 []