Ein Verkehrsunfall in der EU

Ereig­net sich in einem Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on ein Ver­kehrs­un­fall, kann der geschä­dig­te deut­sche Staats­bür­ger vor dem Gericht sei­nes Wohn­sit­zes gegen den Ver­si­che­rer kla­gen.

Ein Verkehrsunfall in der EU

So hat der Bun­des­ge­richts­hof1 in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines in Bel­gi­en statt­ge­fun­de­nen Ver­kehrs­un­falls ent­schie­den. Dabei ver­weist der Bun­des­ge­richts­hof auf Art. 11 Abs 2 Ver­ord­nung (EG) Nr. 442001 des Rates vom 22.12 2000 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (EuGV­VO) i.V.m. Art. 9 Abs. 1 Buchst. b EuGV­VO. Danach ist Vorraus­set­zung für die Kla­ge des Geschä­dig­ten mit Wohn­sitz in einem Mit­glied­staat der EU am Gericht des Wohn­sit­zes, dass die­se unmit­tel­ba­re Kla­ge zuläs­sig ist und der Ver­si­che­rer sei­nen Sitz im Hoheits­ge­biet eines ande­ren Mit­glied­staa­tes hat2.

Gemäß der Ver­ord­nung (EG) Nr. 442001 (EuGV­VO) ist die inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit gege­ben, wenn die Kla­ge nach dem Inkraft­tre­ten die­ser Ver­ord­nung am 1. März 2002 erho­ben (Art. 76, 66 Abs. 1 EuGV­VO) und der sach­li­che und räum­li­che Gel­tungs­be­reich der Ver­ord­nung (Art. 1 Abs. 1 und 3 EuGV­VO) im Ver­hält­nis der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu dem betref­fen­den Staat als Mit­glied­staat eröff­net ist. Die­se Ver­ord­nung ist mit der Ver­ord­nung (EU) Nr. 12152012 des Euro­päi­schen Par­la­ments und des Rates vom 12. Dezem­ber 2012 über die gericht­li­che Zustän­dig­keit und die Aner­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zivil- und Han­dels­sa­chen (EuGV­VO 2012) ersetzt wor­den. Sie gilt aller­dings erst für Kla­gen, die ab dem 10. Janu­ar 2015 erho­ben wur­den (Art. 81 Satz 2, Art. 66 Abs. 1).

So ist es also durch­aus denk­bar, dass im Fal­le eines sich in Polen ereig­nen­den Ver­kehrs­un­falls, sich der aus Ber­lin stam­men­de Geschä­dig­te unter „RA Ber­lin” einen Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht sucht, der die Kla­ge vor einem Ber­li­ner Gericht ein­reicht. Genau­so kann es zu einer Kla­ge­ein­rei­chung in Mün­chen kom­men, wenn der Geschä­dig­te eines in Ungarn statt­ge­fun­de­nen Ver­kehrs­un­falls in der baye­ri­schen Lan­des­haupt­stadt sei­nen Wohn­sitz hat. Die EuGV­VO begrün­det bei einem in einem ande­ren EU-Land pas­sier­ten Ver­kehrs­un­fall zwar nicht die Zustän­dig­keit eines deut­schen Gerichts für Kla­gen gegen den Unfall­geg­ner, wohl aber kön­nen Sie des­sen Haft­pflicht­ver­si­che­rung hier, an Ihrem Wohn­sitz, ver­kla­gen, was Ihnen im Regel­fall eine Unfall­re­gu­lie­rung „von zu Hau­se aus” erleich­tert.

  1. BGH, Urteil vom 24.02.2015 — VI ZR 27914
  2. Anschluss an BGHZ 176, 276