Finale Verluste einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft

Unter­stellt, ein Abzug von Ver­lus­ten einer in einem ande­ren Mit­glied­staat der Euro­päi­schen Uni­on ansäs­si­gen Toch­ter­ka­pi­tal­ge­sell­schaft bei ihrer inlän­di­schen Mut­ter­ka­pi­tal­ge­sell­schaft wäre aus uni­ons­recht­li­chen Grün­den gebo­ten, käme ein sol­cher Ver­lust­ab­zug nicht im Ver­an­la­gungs­zeit­raum des Ent­ste­hens der Ver­lus­te, son­dern nur in jenem Ver­an­la­gungs­zeit­raum in Betracht, in wel­chem sie tat­säch­lich „final” gewor­den sind1.

Finale Verluste einer ausländischen Tochterkapitalgesellschaft

Durch Urteil vom 9. Juni 20102. hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits ent­schie­den, dass der Abzug der Ver­lus­te einer im Aus­land unter­hal­te­nen Betriebs­stät­te nur aus­nahms­wei­se aus Grün­den des Gemein­schafts­rechts (wegen Ver­sto­ßes gegen die Nie­der­las­sungs­frei­heit, Art. 43 EG i.V.m. Art. 48 EG3 (jetzt Art. 49 AEUV i.V.m. Art. 54 AEUV4) und frü­hes­tens im Ver­an­la­gungs­zeit­raum des Ein­tritts der „Ver­lust­fi­na­li­tät” in Betracht kom­men kann.

Das ist für die im Streit­fall in Rede ste­hen­de Situa­ti­on einer aus­län­di­schen Toch­ter­ka­pi­tal­ge­sell­schaft glei­cher­ma­ßen ein­schlä­gig. Die Ver­lus­te der ita­lie­ni­schen Toch­ter­ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten der Klä­ge­rin könn­ten hier­nach selbst im Fal­le ihrer prin­zi­pi­el­len Abzugs­fä­hig­keit im Inland auf­grund unter­stell­ter „fak­ti­scher” Organ­schafts­ver­hält­nis­se frü­hes­tens in den jewei­li­gen „Fina­li­täts­jah­ren” –also frü­hes­tens nach Been­di­gung ihrer Geschäfts­tä­tig­keit oder ggf. einer Liqui­da­ti­on– berück­sich­tigt wer­den, zuvor –in den jewei­li­gen Ver­lust­ent­ste­hungs- und damit hier in den Streit­jah­ren 2002 bis 2005– jedoch nicht. Dass sie wirt­schaft­lich bereits in jenen Jah­ren ent­stan­den und im Fal­le einer Organ­schaft im Sin­ne von §§ 14 ff. KStG 2002 bei der Klä­ge­rin ver­re­chen­bar gewe­sen sein mögen, ändert dar­an nichts, weil ein sol­ches „gedach­tes” Organ­schafts­ver­hält­nis tat­säch­lich nicht ver­ein­bart und prak­ti­ziert wur­de und das Besteue­rungs­recht für die –dort unbe­schränkt steu­er­pflich­ti­gen (Art. 5 Abs. 6 des DBA-Ita­li­en56)– Aus­lands­ge­sell­schaf­ten in Ita­li­en lag7.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 9. Novem­ber 2010 — I R 1610

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 09.06.2010 — I R 10709, BFHE 230, 35 []
  2. BFH, Urteil vom 09.06.2010 — I R 10709, BFHE 230, 35 []
  3. i.d.F. des Ver­tra­ges von Niz­za zur Ände­rung des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on, der Ver­trä­ge zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten sowie eini­ger damit zusam­men­hän­gen­der Rechts­ak­te, ABl.EG 2002 Nr. C 325, 1 []
  4. Ver­trag über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on i.d.F. des Ver­tra­ges von Lis­sa­bon zur Ände­rung des Ver­tra­ges über die Euro­päi­sche Uni­on und des Ver­tra­ges zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft, Amts­blatt der Euro­päi­schen Uni­on 2007 Nr. 30601 []
  5. Abkom­men zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Ita­lie­ni­schen Repu­blik zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung auf dem Gebiet der Steu­ern vom Ein­kom­men und vom Ver­mö­gen und zur Ver­mei­dung der Steu­er­ver­kür­zung vom 18.10.1989, BGBl II 1990, 743 []
  6. vgl. auch Art. 5 Abs. 7 des Mus­ter­ab­kom­mens der Orga­ni­sa­ti­on for Eco­no­mic Coope­ra­ti­on and Deve­lop­ment []
  7. anders Cor­de­we­ner, IWB Fach 11 Grup­pe 2, 983, 990; s. auch Roser, Die Unter­neh­mens­be­steue­rung 2010, 30, 33; Röhr­bein, IWB 2010, 286, 290 []