Han­del mit dem Iran

Am 26. Juli 2010 hat der Rat der Euro­päi­schen Uni­on weit­rei­chen­de zusätz­li­che Sank­tio­nen gegen Iran beschlos­sen [1]. Der Beschluss ist am glei­chen Tag in Kraft getre­ten und tritt an die Stel­le des bis­he­ri­gen Gemein­sa­men Stand­punkts [2].

Han­del mit dem Iran

Hin­ter­grund sind die fort­be­stehen­den Besorg­nis­se wegen des ira­ni­schen Nukle­ar-Pro­gramms. Dem soll mit Erhö­hung des wirt­schaft­li­chen Drucks auf den Iran begeg­net wer­den. Dies könn­te auch für Geschäfts­ent­schei­dun­gen und Inves­ti­tio­nen von Bedeu­tung sein. Ins­be­son­de­re Aus­fuh­ren für den ira­ni­schen Ener­gie­sek­tor, die von dem Beschluss 2010/​413/​GASP betrof­fen sind, wer­den der­zeit als pro­ble­ma­tisch angesehen. 

Inhalt­lich erwei­tert der neue Iran-Embar­go-Beschluss die bis­her schon bestehen­den Aus­fuhr­ver­bo­te:

  • Dual-use-Güter:
    Der Beschluss ent­hält ein Ver­bot für Aus­fuh­ren von Gütern und Tech­no­lo­gien mit dop­pel­tem Ver­wen­dungs­zweck, die in Anhang I der Ver­ord­nung (EG) Nr. 428/​2009 (EG-Dual-use-Ver­ord­nung) auf­ge­führt, auch soweit sie bis­her nicht von dem Export­ver­bot erfasst wur­den. Aus­ge­nom­men sind ledig­lich die Güter der Kate­go­rie 5 – Teil 1 und Teil 2 des Anhangs I der Dual-Use-Ver­ord­nung (EG) Nr. 428/​2009. Der neue Beschluss ent­hält kei­ne Son­der­reg­lun­gen für bereits bestehen­de Ver­trä­ge, auch die­se wer­den von dem Aus­fuhr­ver­bot umfasst. 
  • Güter zur inter­nen Repres­si­on:
    Der neue Iran-Embar­go-Beschluss ent­hält erst­mals ein Aus­fuhr­ver­bot für Güter zur inter­nen Repres­si­on. Die im Rah­men der Umset­zung des Beschlus­ses noch fest­zu­le­gen­de Lis­te der betrof­fe­nen Güter dürf­te sich vor­aus­sicht­lich an der Lis­te in Anhang II der Myan­mar/Bir­ma-Embar­go-Ver­ord­nung (EG) Nr. 194/​2008 orientieren.
  • Aus­rüs­tung für den Ener­gie­sek­tor:
    Eben­falls neu ent­hält der Beschluss Aus­fuhr­ver­bo­te für Güter, die der Aus­rüs­tung des ira­ni­schen Ener­gie­sek­tors die­nen. vor (Arti­kel 4). Dies dürf­te ins­be­son­de­re Aus­rüs­tungs­gü­ter für die Berei­che Raf­fi­na­ti­on, Flüs­sig­erd­gas, Explo­ra­ti­on und Pro­duk­ti­on umfas­sen, die genaue Lis­te der von dem Aus­fuhr­ver­bot umfass­ten Güter muss aller­dings noch im Rah­men der Umset­zung durch eine EU-Ver­ord­nung spe­zi­fi­ziert werden.
  • Finanz­be­reich:
    Neben die­sen Aus­fuhr­ver­bo­ten für bestimm­te Güter sieht der neue Iran-Embar­go-Beschluss auch zusätz­li­che Finanz­sank­tio­nen und Geneh­mi­gungs­pflich­ten sowie wei­te­re nach­träg­li­che Mel­de­pflich­ten für Finanz­trans­ak­tio­nen vor, die aller­dings eben­falls noch der Umset­zung durch eine EU-Ver­ord­nung bedürfen.

Die­ser Beschluss bin­det zunächst nur die Mit­glied­staa­ten der Euro­päi­schen Uni­on. Um auch unmit­tel­ba­re Wir­kung zu ent­fal­ten bedarf er daher noch der Umset­zung ent­we­der durch die Mit­glieds­staa­ten oder, soweit Zustän­dig­kei­ten der EU betrof­fen sind, durch eine EU-Ver­ord­nung, was eine Ände­rung oder Erset­zung der aktu­ell gül­ti­gen Iran-Embar­go-Ver­ord­nung (EG) Nr. 423/​2007 bedingt.

Bis dahin aber gilt die der­zei­ti­ge Iran-Embar­go-Ver­ord­nung (EG) Nr. 423/​2007 wei­ter, auch soweit die­se dem neu­en GASP-Beschluss der EU zuwi­der läuft. Daher blei­ben trotz des neu­en, im GASP-Ver­fah­ren beschlos­se­nen Iran-Embar­go-BEschlus­ses der­zeit auch alle bis­her erteil­ten Geneh­mi­gun­gen und Null­be­schei­de bis auf wei­te­res in Kraft. Ände­run­gen kön­nen sich hier erst aus der noch aus­ste­hen­den Umset­zung im Rah­men der Iran-Embar­go-Ver­ord­nung (bis­her Ver­ord­nung (EG) Nr. 423/​2007) ergeben.

Bereits zum 27. Juli 2010 ist aller­dings die Ver­ord­nung (EU) Nr. 668/​2010 vom 26. Juli 2010 zur Durch­füh­rung von Arti­kel 7 Absatz 2 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 423/​2007 über restrik­ti­ve Maß­nah­men gegen Iran in Kraft getre­ten, mit der ein Teil des Beschlus­ses 2010/​413/​GASP vom 26. Juli 2010 vor­ab umsetzt wird und in wel­cher der Kreis der Per­so­nen, Orga­ni­sa­tio­nen und Ein­rich­tun­gen näher umschrie­ben und erheb­lich erwei­tert wird, gegen die aktu­ell Finanz­sank­tio­nen gelten.

  1. 2010/​413/​GASP[]
  2. 2007/​140/​GASP[]