Iran-Embargo — Embargoverstoß und Verwendungszweck

Den Iran-Embar­go-Ver­ord­nun­gen — VO (EG) Nr. 4232007 bzw. VO (EU) Nr. 9612010 — liegt zwar der prä­ven­ti­ve Zweck zugrun­de, pro­li­fe­ra­ti­ons­re­le­van­te nuklea­re Tätig­kei­ten im Iran zu ver­hin­dern1. Bereits die Mög­lich­keit, dass der eine wirt­schaft­li­che Res­sour­ce dar­stel­len­de Ver­mö­gens­wert für den Erwerb von Gel­dern, Waren oder Dienst­leis­tun­gen ver­wen­det wird, die zur Ver­brei­tung von Kern­waf­fen im Iran bei­tra­gen kön­nen, wür­de indes die­sem Zweck wider­strei­ten2.

Iran-Embargo — Embargoverstoß und Verwendungszweck

Über Güter des täg­li­chen Lebens oder Leis­tun­gen mit Ver­brauchs­cha­rak­ter hin­aus begrün­det das Bereit­stel­lungs­ver­bot daher ein gene­rel­les Ver­bot der Aus­fuhr von Waren an gelis­te­te Orga­ni­sa­tio­nen3.

Es ist dem­nach für den Schuld­spruch inso­weit irrele­vant, ob die gelie­fer­ten Güter (hier: Ven­ti­le) im nukle­ar­spe­zi­fi­schen oder einem sons­ti­gen Bereich des Reak­tors Ver­wen­dung fin­den konn­ten und soll­ten.

Der genaue Ver­wen­dungs­zweck ist auch für die Ver­ur­tei­lung wegen eines Ver­sto­ßes gegen ein Aus­fuhr­ver­bot ohne Bedeu­tung. Sowohl § 5d Abs. 1 AWV aF als auch § 9 Abs. 1 AWV nF stel­len allein auf die mög­li­che Bestim­mung für eine kern­tech­ni­sche Anla­ge ins­ge­samt ab. Mit Blick auf § 34 AWG aF wür­de schließ­lich selbst bei einem Ein­satz der Ven­ti­le außer­halb des Pri­mär­kreis­lau­fes deren Aus­fuhr geeig­net sein, die aus­wär­ti­gen Bezie­hun­gen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land erheb­lich zu gefähr­den — sei es im Rah­men des Grund­de­lik­tes (§ 34 Abs. 2 Nr. 3 AWG aF), sei es im Rah­men des Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stan­des (§ 34 Abs. 6 Nr. 4 Buchst. c) AWG aF)). Maß­geb­lich sind inso­weit die Han­dels­tä­tig­keit mit dem Iran mit Bezug auf des­sen Schwer­was­ser­re­ak­tor sowie das Ver­sa­gen des BAFA bei der Aus­fuhr­kon­trol­le.

Soweit die Eig­nung der Ven­ti­le zum Ein­satz in einem Kern­kraft­werk und damit die Nähe des gehan­del­ten Gutes zu der letzt­end­li­chen Ver­wen­dung, die mit den Embar­go­vor­schrif­ten ver­mie­den wer­den soll, für die Straf­zu­mes­sung von Bedeu­tung ist, hat das Gericht die­sem Umstand bereits dadurch umfas­send Rech­nung getra­gen, dass es in erheb­li­chem Maße straf­mil­dernd berück­sich­tigt hat, dass auf­grund der feh­len­den nukle­ar­spe­zi­fi­schen Qua­li­tät der Stell­an­trie­be die Kom­bi­na­ti­on aus Ven­til und Stell­an­trieb für eine Ver­wen­dung im Inne­ren Sicher­heits­be­reich des Reak­tors ohne­hin fehl­te. Der Bun­des­ge­richts­hof schließt ange­sichts des­sen aus, dass es wegen der Beschaf­fen­heit der Ven­ti­le als sol­che nied­ri­ge­re Stra­fen ver­hängt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Okto­ber 2014 — 3 StR 16714

  1. EuGH, Urteil vom 21.12 2011 — C72/​11 — Afra­sia­bi []
  2. EuGH aaO, Rn. 46; Urteil vom 29.04.2010 — C340/​08, NVwZ 2010, 1018, 1020 []
  3. vgl. Mor­wei­ser in Wolffgang/​Simonsen, AWR-Kom­men­tar, § 34 Abs. 4 AWG Rn. 89 [Stand: Juni 2012] []
  4. 2010/​413/​GASP []