Keine Fernlenkroboter für China

Das Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le darf Aus­fuh­ren von Gütern für Kern­kraft­wer­ke nach Chi­na ver­bie­ten.

Keine Fernlenkroboter für China

In einem jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main ent­schie­de­nen Rechts­streit bean­trag­te die Klä­ge­rin bean­trag­te am 26.04.2007 bei dem beklag­ten Bun­des­amt für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le die Ertei­lung einer Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung für die Lie­fe­rung von zwei Mani­pu­la­to­ren (Fern­len­k­ro­bo­ter) in die Volks­re­pu­blik Chi­na. Die Mani­pu­la­to­ren soll­ten nach den Anga­ben der Klä­ge­rin beim End­ver­wen­der im Rah­men der Abfall­be­hand­lung in Kern­kraft­wer­ken ein­ge­setzt wer­den.

Mit Bescheid vom 17.03.2008 lehn­te das beklag­te BAFA die Ertei­lung der bean­trag­ten mit der Begrün­dung ab, dass die Aus­fuhr der Mani­pu­la­to­ren geneh­mi­gungs­pflich­tig sei und die Aus­fuhr wesent­li­chen Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zuwi­der lau­fe, und zwar der Ver­pflich­tung sicher­zu­stel­len, dass Expor­te in Bezug auf die Ver­brei­tung nuklea­rer Waf­fen und hier­mit im Zusam­men­hang ste­hen­der Güter ver­hin­dert wür­den. Das bean­trag­te Aus­fuhr­ge­schäft ste­he im Wider­spruch hier­zu, da ein zumin­dest mit­tel­ba­rer Ein­satz der Güter in einem nicht zivi­len Bereich nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kön­ne. Die Ertei­lung einer Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung wider­sprä­che der Außen- und Sicher­heits­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung, wonach gegen­über Chi­na eine rest­rek­ti­ve Export­po­li­tik in Bezug auf Güter, die in einem regi­mere­le­van­ten Kon­text stün­den, ver­folgt wer­de. Den hier­ge­gen gerich­te­ten Wider­spruch wies die Beklag­te zurück.

Der Klä­ger klag­te hier­ge­gen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt mit dem Ziel, die Beklag­te zur Ertei­lung der begehr­ten Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung zu ver­pflich­ten. Er ver­tritt die Auf­fas­sung, es sei nichts dafür ersicht­lich, dass der Export der Mani­pu­la­to­ren gegen inter­na­tio­na­le Ver­pflich­tun­gen der Beklag­ten oder sons­ti­ge ver­öf­fent­lich­te poli­ti­sche Grund­sät­ze der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­sto­ße.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main hat die Kla­ge jedoch abge­wie­sen. Die Kla­ge sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt, jeden­falls unbe­grün­det, weil ein Anspruch auf Ertei­lung der begehr­ten Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung nicht bestehe. Einem Anspruch ste­he Art. 3 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) über eine Gemein­schafts­re­ge­lung für die Kon­trol­le der Aus­fuhr von Gütern und Tech­no­lo­gien mit dop­pel­tem Ver­wen­dungs­zweck („dual-use”) ent­ge­gen. Danach sei die Aus­fuhr der streit­ge­gen­ständ­li­chen Mani­pu­la­to­ren geneh­mi­gungs­pflich­tig.

Die Ver­wei­ge­rung der Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung ste­he im Ermes­sen der natio­na­len Behör­den, vor­lie­gend der Beklag­ten, die ihm Rah­men ihrer Ent­schei­dung ers­tens die Ver­pflich­tun­gen und Bin­dun­gen, die jeder Mit­glied­staat als Mit­glied der jewei­li­gen inter­na­tio­na­len Nicht­ver­brei­tungs­re­gime- und Aus­fuhr­kon­troll­ver­ein­ba­run­gen über­nom­men habe, zwei­tens Über­le­gun­gen der natio­na­len Außen- und Sicher­heits­po­li­tik ein­schließ­lich der Aspek­te, die vom Ver­hal­tens­ko­dex der euro­päi­schen Uni­on für Waf­fen­aus­fuh­ren erfasst wür­den und drit­tens Über­le­gun­gen über die beab­sich­tig­te End­ver­wen­dung und die Gefahr einer Umlen­kung zu beach­ten habe.

Fer­ner habe die zustän­di­ge Behör­de das indi­vi­du­el­le Inter­es­se des Wirt­schafts­teil­neh­mers an der Ertei­lung einer Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung zu berück­sich­ti­gen, was sich aus dem Grund­satz der Außen­han­dels­frei­heit erge­be. Vor die­sem Hin­ter­grund erwei­se sich die Ver­sa­gung der Geneh­mi­gung nicht als ermes­sens­wid­rig.

Die streit­be­fan­ge­nen Mani­pu­la­to­ren unter­lä­gen dem Kon­troll­re­gime der Nuclear Sup­pliers Group (NSG). Erfas­sungs­grund sei die mög­li­che Ver­wen­dung der Mani­pu­la­to­ren im Rah­men der Atom­waf­fen­her­stel­lung. Die Beur­tei­lung, ob danach ein unak­zep­tier­ba­res Risi­ko im Rah­men eines Nicht­ver­brei­tungs­re­gimes bestehe unter­fal­le als Gefah­ren­pro­gno­se­ent­schei­dung dem Bereich des gerichts­frei­en Bewer­tungs­spiel­rau­mes der Beklag­ten, soweit auf­grund von Tat­sa­chen die Schluss­fol­ge­rung gerecht­fer­tigt sei, dass ein unak­zep­ta­bles Risi­ko der Wei­ter­ver­brei­tung bestehe. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en vor­lie­gend erfüllt.

Auch die Abwä­gung zwi­schen dem Export­in­ter­es­se und den öffent­li­chen Inter­es­sen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei im Ergeb­nis nicht zu bean­stan­den. Die Klä­ger­sei­te kön­ne sich nicht auf Ver­trau­ens­schutz im Hin­blick auf die Ertei­lung von frü­he­ren Geneh­mi­gun­gen beru­fen, denn die Beklag­te habe bereits im Jah­re 2007 die Ertei­lung einer Aus­fuhr­ge­neh­mi­gung nach Chi­na mit ähn­li­cher Begrün­dung ver­wei­gert. Im Übri­gen beru­fe sich die Beklag­te auf eine geän­der­te Ein­schät­zung der Situa­ti­on, was ihrem Bewer­tungs­spiel­raum zuzu­rech­nen sei.

Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom — 1 K 253308.F(V)