Lie­fe­rung in ein Kon­si­gna­ti­ons­la­ger – und die deut­sche Umsatz­steu­er

Für die Lie­fer­ort­be­stim­mung nach § 3 Abs. 6 UStG muss der Abneh­mer bereits bei Beginn der Ver­sen­dung fest­ste­hen. Eine Ver­sen­dungs­lie­fe­rung kann dann auch vor­lie­gen, wenn der Lie­fer­ge­gen­stand nach dem Beginn der Ver­sen­dung für kur­ze Zeit in einem Aus­lie­fe­rungs­la­ger gela­gert wird.

Lie­fe­rung in ein Kon­si­gna­ti­ons­la­ger – und die deut­sche Umsatz­steu­er

Die Umsät­ze der Unter­neh­me­rin sind im Inland steu­er­bar, weil sich der Ort der Lie­fe­run­gen der Unter­neh­me­rin an die Käu­fe­rin nach § 3 Abs. 7 Satz 1 UStG und nicht nach § 3 Abs. 6 UStG bestimmt. Da das Umsatz­steu­er­recht kein Son­der­recht für Kon­si­gna­ti­ons­la­ger kennt, rich­tet sich die Bestim­mung des Leis­tungs­orts nach den all­ge­mei­nen Grund­sät­zen [1].

Wird der Gegen­stand der Lie­fe­rung durch den Lie­fe­rer, den Abneh­mer oder einen vom Lie­fe­rer oder vom Abneh­mer beauf­trag­ten Drit­ten beför­dert oder ver­sen­det, gilt die Lie­fe­rung gemäß § 3 Abs. 6 Satz 1 UStG dort als aus­ge­führt, wo die Beför­de­rung oder Ver­sen­dung an den Abneh­mer oder in des­sen Auf­trag an einen Drit­ten beginnt. Wird der Gegen­stand der Lie­fe­rung nicht beför­dert oder ver­sen­det, wird die Lie­fe­rung dort aus­ge­führt, wo sich der Gegen­stand zur Zeit der Ver­schaf­fung der Ver­fü­gungs­macht befin­det (§ 3 Abs. 7 Satz 1 UStG).

Die­se Rege­lun­gen beru­hen uni­ons­recht­lich auf Art. 8 Abs. 1 Buchst. a und Buchst. b der Sechs­ten Richt­li­nie 77/​388/​EWG des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern (ab 1.01.2007: Art. 31, 32 MwSt­Sys­tRL).

§ 3 Abs. 6 UStG setzt eine Ver­sen­dung an den Abneh­mer vor­aus. Die­ser muss daher im Zeit­punkt der Ver­sen­dung fest­ste­hen [2].

Nach die­sen Grund­sät­zen befand sich im hier ent­schie­de­nen Fall der Ort der strei­ti­gen Lie­fe­run­gen am Ort des Kon­si­gna­ti­ons­la­gers im Inland, weil bei Ver­sen­dung der Waren der Abneh­mer noch nicht fest­stand. Erst mit der Ent­nah­me der Waren aus dem Kon­si­gna­ti­ons­la­ger war sicher, dass die Käu­fe­rin die Gegen­stän­de behal­ten wer­de und bereit war, hier­für den Kauf­preis zu ent­rich­ten. Nach den zwi­schen der Unter­neh­me­rin und der Käu­fe­rin in dem CDA getrof­fe­nen Rege­lun­gen wur­de ein ver­bind­li­cher Kauf­ver­trag zwi­schen den Ver­trags­be­tei­lig­ten erst nach der Ein­la­ge­rung der Waren geschlos­sen, weil die Käu­fe­rin nicht von vorn­her­ein dazu ver­pflich­tet war, die von der Unter­neh­me­rin in das Lager ver­brach­ten Waren abzu­neh­men. Die Käu­fe­rin war auch erst nach der Ent­nah­me der Waren aus dem Kon­si­gna­ti­ons­la­ger zur Zah­lung ver­pflich­tet [3].

Die Ein­la­ge­rung in das Kon­si­gna­ti­ons­la­ger der Käu­fe­rin führ­te des­halb nicht ledig­lich zu einer nur kur­zen Unter­bre­chung der begon­ne­nen Ver­sen­dung an den bereits fest­ste­hen­den Abneh­mer [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 16. Novem­ber 2016 – V R 1/​16

  1. Bött­ner, UR 2010, 299, 302[]
  2. zur nähe­ren Begrün­dung s. BFH, Urteil vom 20.10.2016 – V R 31/​15; BFH, Urtei­le vom 06.12 2007 – V R 24/​05, BFHE 219, 476, BStBl II 2009, 490, Rz 44; vom 30.07.2008 – XI R 67/​07, BFHE 222, 138, BStBl II 2009, 552, Rz 13; wohl auch BFH, Urteil vom 25.02.2015 – XI R 15/​14, BFHE 249, 343, Rz 56 f.; Bir­ken­feld in Birkenfeld/​Wäger, Das gro­ße Umsatz­steu­er-Hand­buch I, Rz 864; Flü­cki­ger in Schwarz/​Widmann/​Radeisen, UStG, § 3 Abs. 6 Rz 48; Hahn in Wey­mül­ler, UStG, Mün­chen 2015, § 3 Rz 332.1, 341, 342; Heu­er­mann in Sölch/​Ringleb, § 3 Rz 459, 474; Lippross, Umsatz­steu­er, S. 188; Michl in Offerhaus/​Söhn/​Lange, UStG, § 3 Rz 118; Nies­kens in Rau/​Dürrwächter, UStG, § 3 Rz 3430 ff.; Schil­cher in Hartmann/​Metzenmacher, § 3 Abs. 6 Rz 40; eben­so Abschn. 1a.2 Abs. 6, Abschn.03.1 Abs. 3 Satz 5 sowie Abschn.03.12 Abs. 3 Satz 7 des Umsatz­steu­er-Anwen­dungs­er­las­ses; a.A. Fritsch in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG, § 3 Rz 604 ff.; Reiß in Reiß/​Kraeusel/​Langer, UStG, § 13 Rz 17 ff.; Sta­die, Umsatz­steu­er­ge­setz, 3. Aufl., § 3 Rz 124 ff.; Stö­cker in Küffner/​Stöcker/​Zugmaier, UStG, § 3 Rz 587 ff.; Frye, UR 2013, 889; Hum­mel, UR 2007, 757[]
  3. vgl. hier­zu BFH, Urteil in BFHE 219, 476, BStBl II 2009, 490, Rz 47[]
  4. vgl. hier­zu BFH, Urteil vom 20.10.2016 – V R 31/​15; EuGH, Urteil „X“ vom 18.11.2010 – C‑84/​09, EU:C:2010:693, Rz 33[]