Lizenzzahlungen an den US-Gesellschafter

Erhält ein in den USA ansäs­si­ger Gesell­schaf­ter einer deut­schen Per­so­nen­ge­sell­schaft Lizenz­ver­gü­tun­gen für von ihm der Gesell­schaft ein­ge­räum­te Rech­te, so dür­fen die­se Ver­gü­tun­gen nach Art. 12 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. nur in den USA und nicht in Deutsch­land besteu­ert wer­den1. Die in § 50d Abs. 10 Satz 1 EStG 2002 i.d.F. des JStG 2009 ange­ord­ne­te Umqua­li­fi­zie­rung von Son­der­ver­gü­tun­gen im Sin­ne von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 zwei­ter Halb­satz EStG 19972002 in abkom­mens­recht­li­che Unter­neh­mens­ge­win­ne ändert dar­an nichts2.

Lizenzzahlungen an den US-Gesellschafter

Lizenz­ver­gü­tun­gen, die eine in einem Ver­trags­staat ansäs­si­ge Per­son als Nut­zungs­be­rech­tig­ter bezieht, dür­fen nach Art. 12 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. nur in die­sem Staat besteu­ert wer­den. Die­se Rege­lung greift im Streit­fall unbe­scha­det des­sen ein, dass die Lizenz­ver­gü­tun­gen nach deut­schem Recht als sol­che aus gewerb­li­chen Ein­künf­ten zu behan­deln sind und als sol­che an sich den Ein­künf­ten aus gewerb­li­chen Gewin­nen nach Maß­ga­be von Art. 7 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 DBA-USA 1989 a.F. unter­fal­len; die spe­zi­el­le­re abkom­mens­recht­li­che Ein­kunfts­art des Art. 12 DBA-USA 1989 a.F. geht inso­fern infol­ge des Art. 7 Abs. 6 DBA-USA 1989 a.F. und des dar­in ange­ord­ne­ten sog. Spe­zia­li­tä­ten­vor­rangs vor. Im Ein­zel­nen ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof dazu auf sein Urteil vom 17. Okto­ber 20073, wel­ches –bezo­gen auf Zins­er­trä­ge nach Maß­ga­be von Art. 11 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F.– zu der ver­gleich­ba­ren Situa­ti­on einer Dar­le­hens­ge­wäh­rung ergan­gen ist. Die dort auf­ge­stell­ten Rechts­grund­sät­ze, an denen der Bun­des­fi­nanz­hof unein­ge­schränkt fest­hält, gel­ten hier wie dort glei­cher­ma­ßen.

Ein Besteue­rungs­recht Deutsch­lands lässt sich auch nicht aus der Rück­ver­wei­sung in Art. 12 Abs. 3 DBA-USA 1989 a.F., dem sog. Betriebs­stät­ten­vor­be­halt, ablei­ten. Danach ist Art. 12 Abs. 1 DBA-USA 1989 a.F. nicht anzu­wen­den, wenn der in einem Ver­trags­staat ansäs­si­ge Nut­zungs­be­rech­tig­te im ande­ren Ver­trags­staat eine gewerb­li­che Tätig­keit durch eine dort gele­ge­ne Betriebs­stät­te aus­übt und die Rech­te oder Ver­mö­gens­wer­te, für die die Lizenz­ge­büh­ren gezahlt wer­den, Betriebs­ver­mö­gen die­ser Betriebs­stät­te sind. In die­sem Fall ist Art. 7 DBA-USA 1989 a.F. (gewerb­li­che Gewin­ne) anzu­wen­den. Die­se Vor­aus­set­zung ist aber im Streit­fall nicht erfüllt.

Die Gesell­schaf­te­rin hat zwar im Inland eine gewerb­li­che Tätig­keit durch eine hier gele­ge­ne Betriebs­stät­te aus­ge­übt. Denn sie war Gesell­schaf­te­rin der Klä­ge­rin, und die Betriebs­stät­ten einer Per­so­nen­ge­sell­schaft sind abkom­mens­recht­lich deren Gesell­schaf­tern als eige­ne zuzu­rech­nen4. Die­ser Grund­satz gilt auch für Zwe­cke der Anwen­dung des DBA-USA 1989 a.F. Jedoch greift Art. 12 Abs. 3 DBA-USA 1989 a.F. im Streit­fall des­halb nicht durch, weil die besag­ten Rech­te oder Ver­mö­gens­wer­te nicht zu der deut­schen Betriebs­stät­te gehö­ren. Der Umstand, dass die Lizenz­ver­gü­tung nach Maß­ga­be des deut­schen Steu­er­rechts als Son­der­ver­gü­tun­gen der Gesell­schaf­te­rin im Sin­ne von § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 zwei­ter Halb­satz EStG 19972002 anzu­se­hen sind, wel­che dem Gewinn der Gesell­schaft und mit­hin den von ihr unter­hal­te­nen Betriebs­stät­ten zuzu­ord­nen sind, wider­spricht dem nicht. Aus­schlag­ge­bend ist, dass die Rech­te oder Ver­mö­gens­wer­te nur dann in der gebo­te­nen tat­säch­lich-funk­tio­na­len Wei­se zu der Betriebs­stät­te gehö­ren kön­nen, wenn sie aus der Sicht der Betriebs­stät­te einen Aktiv­pos­ten bil­det. Auch zu die­sem Punkt ver­weist der Bun­des­fi­nanz­hof auf sein Urteil in BFHE 219, 5185 und die dar­in gege­be­nen wei­te­ren Erwä­gun­gen und Nach­wei­se.

In Reak­ti­on auf die­se Spruch­pra­xis des Bun­des­fi­nanz­hofs6 hat der Gesetz­ge­ber des Jah­res­steu­er­ge­set­zes 2009 aller­dings mit § 50d Abs. 10 EStG 2002 n.F. eine Rege­lung geschaf­fen, wel­che dar­auf abzielt, das deut­sche Besteue­rungs­recht unbe­scha­det die­ser Spruch­pra­xis sicher­zu­stel­len7. Nach des­sen Satz 1 gel­ten Ver­gü­tun­gen im Sin­ne des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 Satz 1 zwei­ter Halb­satz und Nr. 3 zwei­ter Halb­satz EStG 2002, auf die die Vor­schrif­ten eines Abkom­mens zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung anzu­wen­den sind, das –wie das DBA-USA 1989 a.F.– kei­ne sol­che Ver­gü­tun­gen betref­fen­de aus­drück­li­che Rege­lung ent­hält, für Zwe­cke der Anwen­dung des Abkom­mens aus­schließ­lich als Unter­neh­mens­ge­win­ne. § 52 Abs. 59a Satz 8 EStG 2002 n.F. bestimmt, dass die neue Rege­lung des § 50d Abs. 10 EStG 2002 n.F. in allen Fäl­len anzu­wen­den ist, in denen die Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er noch nicht bestands­kräf­tig fest­ge­setzt ist. Glei­ches gilt nach § 36 Abs. 5 Satz 2 i.V.m. § 7 Satz 6 GewStG 2002 n.F. für die Gewer­be­steu­er.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2010 — I R 7409

  1. Anschluss an BFH, Urteil vom 17.10.2007 — I R 506, BFHE 219, 518, BSt­Bl II 2009, 356
  2. gegen BMF, Schrei­ben vom 16. April 2010, BSt­Bl I 2010, 354, dort Tz. 2.2.1 und 5.1
  3. BFH, Urteil vom 17.10.2007 — I R 506, BFHE 219, 518, BSt­Bl II 2009, 356
  4. vgl. dazu BFH, Urteil in BFHE 219, 518, BSt­Bl II 2009, 356, m.w.N.
  5. = BSt­Bl II 2009, 356
  6. BFH, Urteil vom 09.08.2006 — II R 5905, BFHE 214, 518, BSt­Bl II 2009, 758
  7. vgl. BT-Drs. 1611108, S. 23