Nachreichen von Erstattungsunterlagen — und der Ablauf der Vorlagefrist

Nach Ablauf der Vor­la­ge­frist ist auch bei noch nicht abge­schlos­se­nem Antrags­ver­fah­ren ein Nach­rei­chen von Erstat­tungs­un­ter­la­gen nicht mög­lich.

Nachreichen von Erstattungsunterlagen — und der Ablauf der Vorlagefrist

Die Fra­ge, ob eine dem Aus­füh­rer erteil­te Aus­fuhr­li­zenz schon mit der Aus­fuhr­an­mel­dung der Aus­fuhr­zoll­stel­le vor­zu­le­gen ist oder ob sie ggf. inner­halb einer von der Aus­fuhr­zoll­stel­le inso­weit gewähr­ten wei­te­ren Frist nach­ge­reicht wer­den kann, ist vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on mit dem auf das Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Bun­des­fi­nanz­hofs1 ergan­ge­nen Urteil vom 16.10.20142 gemäß der letzt­ge­nann­ten Alter­na­ti­ve ent­schie­den wor­den. Die Fra­ge, ob das Haupt­zoll­amt als die für die Zah­lung der Erstat­tung zustän­di­ge Stel­le an die Frist­ver­län­ge­rung durch die Aus­fuhr­zoll­stel­le gebun­den ist, hat der Uni­ons­ge­richts­hof davon abhän­gig gemacht, ob die­se als eine Ent­schei­dung i.S. des Art. 4 Nr. 5 des ZK anzu­se­hen ist3.

Der Bun­des­fi­nanz­hof konn­te die­se Streit­fra­ge im vor­lie­gen­den Fall aller­dings offen las­sen, da die bean­trag­te Aus­fuhr­er­stat­tung jeden­falls wegen des ver­spä­tet vor­ge­leg­ten Ein­fuhr­nach­wei­ses zu ver­sa­gen war:

ei dif­fe­ren­zier­ter Aus­fuhr­er­stat­tung, um die es im Streit­fall geht, ist die Zah­lung der Erstat­tung nach Art. 14 und Art. 16 VO Nr. 8001999 vom Nach­weis der Ein­fuhr in das Bestim­mungs­land durch die in Art. 16 VO Nr. 8001999 auf­ge­führ­ten Doku­men­te abhän­gig. Die­se Unter­la­gen für die Zah­lung der Erstat­tung sind nach Art. 49 Abs. 2 VO Nr. 8001999, außer im Fall höhe­rer Gewalt, inner­halb von zwölf Mona­ten nach dem Tag der Annah­me der Aus­fuhr­an­mel­dung ein­zu­rei­chen; unter den Vor­aus­set­zun­gen des Abs. 4 der Vor­schrift kön­nen auf Antrag zusätz­li­che Fris­ten ein­ge­räumt wer­den. Nach Ablauf der (ggf. ver­län­ger­ten) Frist besteht für den Aus­füh­rer noch wäh­rend wei­te­rer sechs Mona­te die Mög­lich­keit zur Ver­voll­stän­di­gung der Unter­la­gen, um sich den Erstat­tungs­an­spruch wenigs­tens in Höhe von 85 % zu erhal­ten. Nach unge­nutz­tem Ablauf auch die­ser Frist ent­fällt der Erstat­tungs­an­spruch.

Im Streit­fall ist das erfor­der­li­che, als Ein­fuhr­nach­weis anzu Ver­zol­lungs­do­ku­ment nach den Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt erst im August 2008, also deut­lich nach Ablauf vor­ge­nann­ter Fris­ten vor­ge­legt wor­den.

Soweit es der Bun­des­fi­nanz­hof mit Beschluss in BFHE 242, 185, ZfZ 2013, 186 für zwei­fel­haft gehal­ten und den EuGH des­halb um Vor­ab­ent­schei­dung ersucht hat, ob der Aus­füh­rer Unter­la­gen für die Zah­lung der Erstat­tung noch nach Frist­ab­lauf im Rah­men eines die bean­trag­te Erstat­tung betref­fen­den Rechts­be­helfs­ver­fah­rens vor­le­gen kann, wenn die ver­spä­te­te Vor­la­ge das Ver­fah­ren nicht ver­zö­gert, weil in dem Rechts­be­helfs­ver­fah­ren bis­her über ande­re Erstat­tungs­vor­aus­set­zun­gen gestrit­ten wur­de, hat der EuGH die­se Fra­ge mit Urteil vom 16.10.2014 — C‑334/​13 ver­neint. Dar­über hin­aus hat der EuGH hin­sicht­lich des zunächst frist­ge­recht vor­ge­leg­ten, aller­dings gefälsch­ten Ein­fuhr­nach­wei­ses dar­auf hin­ge­wie­sen, dass weder im Fehl­ver­hal­ten dritt­län­di­scher Ver­trags­part­ner noch in der Dau­er behörd­li­cher Unter­su­chun­gen zur Fest­stel­lung der Fäl­schung ein Fall höhe­rer Gewalt gese­hen wer­den kön­ne4.

Da der Anmel­de­rin somit kein Erstat­tungs­an­spruch zusteht, hat sie i.S. des Art. 51 Abs. 1 Buchst. a VO Nr. 8001999 eine höhe­re als die ihr zuste­hen­de Erstat­tung bean­tragt, so dass ‑da kei­ner der Befrei­ungs­tat­be­stän­de des Abs. 3 der Vor­schrift vor­liegt- gegen die Anmel­de­rin eine Sank­ti­on i.V.m. Abs. 4 der Vor­schrift zu ver­hän­gen war, wie das Finanz­ge­richt zutref­fend geur­teilt hat.

Die vom Bun­des­fi­nanz­hof in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss in BFHE 242, 185, ZfZ 2013, 186 im Hin­blick auf die beson­de­ren Umstän­de des Streit­falls beschrie­be­ne Fra­ge zur Aus­le­gung des Art. 51 VO Nr. 8001999 hat der EuGH mit Urteil vom 16.10.2014 — C‑334/​13 beant­wor­tet und klar­ge­stellt, dass die Sank­ti­on gemäß Art. 51 Abs. 1 Buchst. a VO Nr. 8001999 auch in Fäl­len zu ver­hän­gen ist, in denen sich aus im Lauf des Ver­fah­rens vor­ge­leg­ten gül­ti­gen, wenn­gleich erst nach Ablauf der vor­ge­schrie­be­nen Fris­ten vor­ge­leg­ten Doku­men­ten ergibt, dass die bean­trag­te Aus­fuhr­er­stat­tung der­je­ni­gen ent­spricht, die ohne die Frist­ver­säu­mung hät­te gewährt wer­den müs­sen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 9. Dezem­ber 2014 — VII R 6711

  1. BFH, Beschluss vom 16.04.2013 — VII R 6711, BFHE 242, 185; ZfZ 2013, 186 []
  2. EuGH, Urteil vom 16.10.2014 — C‑334/​13 []
  3. EuGH, Urteil vom 16.10.2014 — C‑334/​13, Rz 41, 42 []
  4. EuGH, Urteil vom 16.10.2014 – C‑334/​13, Rz 55, 56 []