Nichtrückforderung rechtswidriger Steuerbeihilfen in Griechenland

Staat­li­che Bei­hil­fen: Kom­mis­si­on bringt Grie­chen­land wegen Nicht­rück­for­de­rung rechts­wid­ri­ger Steu­er­bei­hil­fen vor Gericht

Nichtrückforderung rechtswidriger Steuerbeihilfen in Griechenland

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat beschlos­sen, auf der Grund­la­ge von Arti­kel 108 Absatz 2 AEUV beim Euro­päi­schen Gerichts­hof Kla­ge gegen Grie­chen­land zu erhe­ben, weil das Land eine Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on vom Juli 2007 nicht umge­setzt hat. Dar­in hat­te die Kom­mis­si­on Grie­chen­land auf­ge­for­dert, rechts­wid­ri­ge Bei­hil­fen in Form von Steu­er­ver­güns­ti­gun­gen, die Hun­der­ten von Unter­neh­men gewährt wur­den, zurück­zu­for­dern. Die begüns­tig­ten Unter­neh­men haben die Bei­hil­fen aber bis heu­te nicht zurück­ge­zahlt.

EU-Wett­be­werbs­kom­mis­sar Joa­quín Almu­nia erklär­te: „Rechts­wid­ri­ge und mit dem Bin­nen­markt unver­ein­ba­re Bei­hil­fen müs­sen zurück­ge­for­dert wer­den, um glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen für alle zu gewähr­leis­ten. Die Kom­mis­si­on wird mit allem Nach­druck dafür sor­gen, dass die Mit­glied­staa­ten ihrer Rück­for­de­rungs­pflicht nach­kom­men.“

Nach Arti­kel 2 des grie­chi­schen Geset­zes 32202004 durf­ten Unter­neh­men für Pro­jek­te in einer Rei­he von Wirt­schafts­zwei­gen (unter ande­rem Pro­duk­ti­on von Tex­ti­li­en und Grund­me­tal­len, Auto­mo­bil­her­stel­lung, Ener­gie­er­zeu­gung, Berg­bau, inten­si­ve Land­wirt­schaft und Fische­rei, gro­ße inter­na­tio­na­le Han­dels­un­ter­neh­men und bestimm­te Tou­ris­mus­un­ter­neh­men) bis zu 35 % ihrer Gewin­ne aus den Jah­ren 2003 und 2004 von ihrer Steu­er­be­mes­sungs­grund­la­ge abzie­hen. Die nicht besteu­er­ten Gewin­ne muss­ten die Unter­neh­men zur Finan­zie­rung bestimm­ter Aus­ga­ben etwa für den Bau, die Erwei­te­rung und Moder­ni­sie­rung von Anla­gen und Gebäu­den, den Erwerb neu­er Aus­rüs­tun­gen oder Fahr­zeu­ge, Lea­sing­kos­ten, Stu­di­en, Fort­bil­dung ver­wen­den. Die Unter­neh­men konn­ten die Ver­güns­ti­gung direkt bei den Steu­er­be­hör­den bean­tra­gen, da die Bei­hil­fe­re­ge­lung Teil des grie­chi­schen Steu­er­sys­tems war.

Am 18. Juli 2007 erließ die Kom­mis­si­on eine Nega­tiv­ent­schei­dung zu die­ser Maß­nah­me. Dar­in stell­te sie fest, dass die von Grie­chen­land auf der Grund­la­ge von Arti­kel 2 des Geset­zes 32202004 durch­ge­führ­te Bei­hil­fe­re­ge­lung, die nicht bei der Kom­mis­si­on ange­mel­det wur­de, mit den EU-Bei­hil­fe­vor­schrif­ten unver­ein­bar war. Um die vor Gewäh­rung der Bei­hil­fe bestehen­de Situa­ti­on wie­der­her­zu­stel­len, for­der­te die Kom­mis­si­on in ihrer Ent­schei­dung Grie­chen­land auf, die gesam­ten unrecht­mä­ßig gewähr­ten Bei­hil­fen ein­schließ­lich Zin­sen unver­züg­lich und effek­tiv zurück­zu­for­dern. Nur Bei­hil­fen, die zum Zeit­punkt ihrer Gewäh­rung die Anfor­de­run­gen der De-Mini­mis-Ver­ord­nun­gen, der Grup­pen­frei­stel­lungs ver­ord­nun­gen oder von zuvor von der Kom­mis­si­on geneh­mig­ten För­der­pro­gram­men erfüll­ten, müs­sen nicht zurück­ge­zahlt wer­den.

Da die Kom­mis­si­on von Grie­chen­land bis heu­te kei­ne Infor­ma­tio­nen über die Rück­zah­lung der Bei­hil­fen erhal­ten hat, hat sie beschlos­sen, gegen das Land Kla­ge beim Euro­päi­schen Gerichts­hof zu erhe­ben.