Sozialversicherungspficht für board-members einer US-Kapitalgesellschaft

Die Mit­glie­der des board of direc­tors einer US-Kapi­tal­ge­sell­schaft sind nach einem aktu­el­len Urteil des Bun­des­so­zi­al­ge­richts nicht in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung ver­si­che­rungs­frei.

Sozialversicherungspficht für board-members einer US-Kapitalgesellschaft

Strei­tig war die Fra­ge der Ver­si­che­rungs­pflicht von Mit­glie­dern des board of direc­tors einer bekann­ten Schnell­re­stau­rant­ket­te, die als Kapi­tal­ge­sell­schaft nach dem Recht des Staa­tes Delaware/​USA mit Zweig­nie­der­las­sung in Mün­chen orga­ni­siert ist. Das Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat­te die Beru­fung der Klä­ger zurück­ge­wie­sen, da Mit­glie­der des board of direc­tors einer US-Cor­po­ra­ti­on anders als Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft deut­schen Rechts nicht ver­si­che­rungs­frei sei­en. Mit ihrer Revi­si­on haben die Klä­ger gel­tend gemacht, auf­grund der Struk­tur und wirt­schaft­li­chen Stär­ke der Gesell­schaft sei­en die Mit­glie­der des board of direc­tors sozi­al eben­so wenig schutz­be­dürf­tig wie Vor­stands­mit­glie­der einer deut­schen Akti­en­ge­sell­schaft und des­halb von der Arbeits­lo­sen- und Ren­ten­ver­si­che­rung zu befrei­en. Die Nicht­an­wen­dung der Vor­schrif­ten über die Ver­si­che­rungs­frei­heit ver­let­ze das im Freund­schaftsvertrag ent­hal­te­ne Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot sowie die in Art VII des Freund­schafts­ver­trags gewähr­te Nie­der­las­sungs­frei­heit, die der Nie­der­las­sungs­frei­heit inner­halb der Euro­päi­schen Uni­on ver­gleich­bar sei.

Die Revi­sio­nen der Klä­ger vor dem Bun­des­so­zi­al­ge­richt hat­ten jedoch kei­nen Erfolg: Die Klä­ger unter­la­gen als Beschäf­tig­te der Ver­si­che­rungs­pflicht in der gesetz­li­chen Ren­ten- und Arbeits­lo­sen­ver­si­che­rung. Von der Ver­si­che­rungs­pflicht sind sie auch nicht mit Rück­sicht auf ihre Beru­fung zum Mit­glied des BoD der US-Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­ge­nom­men. Die für Vor­stands­mit­glie­der einer Akti­en­ge­sell­schaft nach deut­schem Recht gel­ten­de Aus­nah­me­be­stim­mun­gen fin­den vor­lie­gend kei­ne – ent­spre­chen­de ‑ Anwen­dung. Eine hier­für erfor­der­li­che aus­drück­li­che Äqui­va­lenz­re­gel, die eine Tat­be­stands­gleich­stel­lung her­bei­füh­ren könn­te, ent­hält das inlän­di­sche Recht nicht. Sie ergibt sich auch nicht aus den mit den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka geschlos­se­nen Ver­ein­ba­run­gen. Dies gilt auch für den Freundschafts‑, Han­dels- und Schiff­fahrts­ver­trag vom 29. Okto­ber 1954. Aus die­sem Ver­trag lässt sich ‑ auch nicht mit­tel­bar aus dem Gebot der Inlän­der­be­hand­lung im Sin­ne von Art VII Abs 1 des Freund­schafts­ver­tra­ges ‑ das Gebot einer Tat­be­stands­gleich­stel­lung her­lei­ten. Die Klä­ger kön­nen sich schließ­lich auch nicht mit Erfolg auf das vom EuGH ent­wi­ckel­te Gleich­be­hand­lungs­ge­bot zuguns­ten mit­glied­staat­li­cher Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten beru­fen. Die­se Recht­spre­chung bezieht sich auf die Nie­der­las­sungs­frei­heit nach Art 49, 54 des Ver­tra­ges über die Arbeits­wei­se der EU. Die­se ver­bie­tet auch im Zusam­men­wir­ken mit dem ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht, Gesell­schaf­ten aus Dritt­staa­ten anders zu behan­deln als EU-Gesell­schaf­ten.

Bun­des­so­zi­al­ge­richt, Urteil vom 12. Janu­ar 2010 — B 12 KR 1709 R