Steuererklärung mit Auslandsbezug

Europa wächst immer mehr zusammen und die Staatengrenzen sind weitestgehend zurückgebaut worden. Besonders durch die einheitliche Währung und die immer mehr in den Vordergrund rückende (einheitliche) Europäische Gesetzgebung wird das grenzüberschreitende Leben und Arbeiten stetig mehr genutzt: So ist es nicht außergewöhnlich, dass z.B. ein Pole in Deutschland arbeitet, eine Deutsche mit einem Spanier verheiratet ist oder ein Deutscher seinen Beruf im benachbarten Tschechien ausübt.

Steuererklärung mit Auslandsbezug

Zusammenveranlagung bei ausländischem Ehegatten

SteuererklaerungIn jedem Fall kann dieses Merkmal der Grenzüberschreitung zu Problemen im Steuerbereich führen. Gerade wenn die persönliche Situation eine “einfache” Einkommensteuererklärung verhindert, ist es zur Vermeidung von größeren Problemen sinnvoll, sich professionelle Unterstüzung zu suchen. Wer z. B. in Berlin wohnt und von seinem im europäischen Ausland lebenden polnischen Ehegatten getrennt lebt, ist nicht unbedingt darüber informiert, ob eine Zusammenveranlagung möglich ist. Für die zu erstellende Einkommensteuererklärung in Berlin kann bei dieser Fragestellung kompetente Hilfe durchaus sinnvoll sein. So bietet z. B. der Sanssouci-Lohnsteuerhilfeverein die Klärung offener Fragen bei der Einkommen- und der Lohnsteuer an. Genauso besteht dort die Möglichkeit, vor Einreichung der selbstständig gefertigten Steuererklärung von den Fachleuten eine Überprüfung auf Fehler vornehmen zu lassen. Darüber hinaus können innerhalb der gesetzlich geregelten Beratungsbefugnis wertvolle Hinweise bezüglich Steuersparen oder auch besonderer Fördermöglichkeiten erteilt werden. Mit der Mitgliedschaft im Sanssouci-Lohnsteuerhilfeverein wird nicht nur die Erstellung der Einkommensteuererklärung angeboten, sondern auch die Überprüfung des nach Abgabe der Erklärung erlassenen Steuerbescheids. Wenn notwendig wird sogar gegen den Bescheid Einspruch eingelegt.

Im Falle des in Polen getrennt lebenden Ehegatten können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs unbeschränkt einkommensteuerpflichtige Staatsangehörige der Europäischen Union die Zusammenveranlagung mit ihrem im Europäischen Ausland lebenden Ehegatten beanspruchen. Die Zusammenveranlagung ist auch dann möglich, wenn weniger als 90 % der deutschen Einkommensteuer unterliegen1.

Schulgeld als Sonderausgaben

Je nachdem, wie sich die aktuelle Lebenssituation gestaltet, kann das Auswirkungen auf die Steuererklärung haben. Gerade im Zusammenhang mit den derzeitig stattfindenden Zusammenlegungen von Schulen, ist es durchaus für Familien mit Wohnsitz im grenznahen Gebiet eine Alternative, dass ein Schulkind in einer ausländischen Schule unterrichtet wird. Nicht jeder Steuerpflichtige weiss, dass – wenn für diese Schule ein Schulgeld bezahlt wird – diese Schulgebühren als Sonderausgabe bei der Einkommensteuererklärung abgesetzt werden können. Einzige Voraussetzung ist nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs2 die Anerkennung der Schule als deutsche Schule. Also wirkt sich in diesem Fall die Wahl der Schule auf die Steuer aus.

Elternunterhalt als außergewöhnliche Belastung

In Europa herrscht die Freizügigkeit. Damit kommt es immer häufiger vor, dass Familien über Europäische Staatsgrenzen hinweg verteilt leben und z. B. die Eltern im Ausland leben mit geringen finanziellen Mitteln. Bezahlt ein Steuerpflichtiger dann für den Unterhalt einer ihm gegenüber gesetzlich unterhaltsberechtigten Person, kann er dies nach Auffassung des Bundesfinanzhofs in seiner Einkommensteuererklärung geltend machen. Auf Antrag wird die Einkommensteuer dadurch ermäßigt, dass die Aufwendungen bis zu 8 354 Euro im Kalenderjahr vom Gesamtbetrag der Einkünfte abgezogen werden (§ 33a Abs. 1 Satz 1 EStG). Für die Anerkennung als außergewöhnliche Belastung ist allerdings die Unterhaltsbedürftigkeit der Eltern glaubhaft zu machen – auch bei entsprechender amtlicher Unterhaltsbescheinigung3.

Alle diese speziellen steuerlichen Richtlinien sind einem durchschnittlichen Steuerpflichtigen nicht ohne Weiteres geläufig. Aber finden sie in seiner Steuererklärung keine Berücksichtigung, wird dementsprechend die Steuerlast auch nicht gemindert. Man “verzichtet” also u. U. auf eine Steuerersparniss – wenn man keine professionelle Unterstützung hat.

  1. BFH, Urteil vom 08.09.2010 – I R 28/10
  2. BFH, Urteil vom 14.12.2004 – XI R 32/03
  3. BFH, Urteil vom 11.11.2010 – VI R 16/09