Steuerfreistellung von Gewinnausschüttungen aufgrund des DBA-USA

§ 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 i.d.F. bis zur Ände­rung durch das StSenkG, der für den Fall, dass Gewinn­an­tei­le, die von einer aus­län­di­schen Gesell­schaft aus­ge­schüt­tet wer­den, von der Kör­per­schaft­steu­er befreit sind, vor­sieht, dass aus­schüt­tungs­be­ding­te Teil­wert­ab­schrei­bun­gen bei der Gewinn­ermitt­lung nicht zu berück­sich­ti­gen sind, ist uni­ons­recht­lich aus­schließ­lich an der Nie­der­las­sungs­frei­heit zu mes­sen, wenn sich die Frei­stel­lung der Gewinn­aus­schüt­tun­gen unmit­tel­bar aus einem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men ergibt, das eine Min­dest­be­tei­li­gung von 25 % vor­aus­setzt.

Steuerfreistellung von Gewinnausschüttungen aufgrund des DBA-USA

§ 8b Abs. 6 KStG 1999 a.F. steht damit der Berück­sich­ti­gung einer Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Betei­li­gung ent­ge­ge. Die­se Rege­lung ver­stößt nicht gegen die Vor­ga­ben des Uni­ons­rechts.

Dabei konn­te es der Bun­des­fi­nanz­hof für den hier ent­schie­de­nen Streit­fall dahin ste­hen las­sen, ob die Mut­ter­ge­sell­schaft als Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­län­di­schen Rechts unmit­tel­bar von den Ober­be­grif­fen der „Kör­per­schaf­ten, Per­so­nen­ver­ei­ni­gun­gen und Ver­mö­gens­mas­sen” des § 1 Abs. 1 KStG 1999 i.d.F. des Geset­zes zur Berei­ni­gung von steu­er­li­chen Vor­schrif­ten (Steu­er­be­rei­ni­gungs­ge­setz 1999 ‑StBereinG 1999-) vom 22.12 19991 oder von dem durch den Klam­mer­zu­satz ergänz­ten Begriff der Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten des § 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG 1999 i.d.F. die­ses Geset­zes erfasst wird2 und damit die Auf­zäh­lung des § 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG 1999 i.d.F. des StBereinG 1999 ‑wie im Fall von Gesell­schaf­ten deut­schen Rechts3- als abschlie­ßend anzu­se­hen ist. Jeden­falls besteht auf­grund der Ver­gleich­bar­keit zu einer deut­schen Kapi­tal­ge­sell­schaft die unbe­schränk­te Steu­er­pflicht nach § 1 Abs. 1 Nr. 4 KStG 1999 als sons­ti­ge juris­ti­sche Per­son des pri­va­ten Rechts. Auf­grund des ‑im Gegen­satz zu § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 3 KStG 1999 i.d.F. des StBereinG 1999- feh­len­den aus­drück­li­chen Bezugs zu einer bestimm­ten Gesell­schafts­form des deut­schen Rechts lässt die­ser Begriff die Sub­sum­ti­on auf­grund einer typen­mä­ßi­gen Ver­gleich­bar­keit zu den Kern­ele­men­ten der juris­ti­schen Per­so­nen des deut­schen Pri­vat­rechts zu4.

Dem Finanz­ge­richt Köln5 ist dar­in zu fol­gen, dass § 8b Abs. 3 KStG 1999 n.F., wonach Gewinn­min­de­run­gen, die im Zusam­men­hang mit dem in Abs. 2 genann­ten Anteil ent­ste­hen, bei der Gewinn­ermitt­lung nicht zu berück­sich­ti­gen sind, im Streit­jahr nicht anwend­bar ist. Zwar sah § 34 Abs. 6d Satz 1 Nr. 2 KStG 1999 i.d.F. des StSenkG bzw. § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 KStG 1999 n.F. die Anwen­dung der Norm bei Betei­li­gun­gen an einer aus­län­di­schen Gesell­schaft, wenn das Wirt­schafts­jahr der Kapi­tal­ge­sell­schaft mit dem Kalen­der­jahr über­ein­stimm­te, bereits für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2001 vor, wäh­rend dies für Betei­li­gun­gen an Inlands­ge­sell­schaf­ten regel­mä­ßig erst­mals für den Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2002 der Fall war. Doch hat der Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on auf Vor­la­ge des Bun­des­fi­nanz­hofs6 mit Urteil STEKO Indus­trie­mon­ta­ge vom 22.01.20097 ent­schie­den, dass Art. 56 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft i.d.F. des Ver­trags von Ams­ter­dam zur Ände­rung des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on, der Ver­trä­ge zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten sowie eini­ger damit zusam­men­hän­gen­der Rechts­ak­te ‑EG-8, jetzt Art. 63 des Ver­trags über die Arbeits­wei­se der Euro­päi­schen Uni­on i.d.F. des Ver­trags von Lis­sa­bon zur Ände­rung des Ver­trags über die Euro­päi­sche Uni­on und des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft ‑AEUV-9 einer Rege­lung ent­ge­gen­steht, wonach ein Ver­bot des Abzugs von Gewinn­min­de­run­gen im Zusam­men­hang mit einer sol­chen Betei­li­gung für Betei­li­gun­gen an einer aus­län­di­schen Gesell­schaft frü­her in Kraft tritt als für Betei­li­gun­gen an einer inlän­di­schen Gesell­schaft. Hier­aus ergibt sich zum einen, dass § 8b Abs. 3 KStG 1999 n.F. im Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2001 nicht anwend­bar ist10.

Zum ande­ren ist aus dem Vor­ste­hen­den abzu­lei­ten, dass für das Streit­jahr § 8b KStG 1999 a.F. wei­ter­hin zu beach­ten bleibt. Inso­weit führt der Vor­rang des Gemein­schafts­rechts zwar zur Nicht­an­wen­dung des § 34 Abs. 6d Satz 1 Nr. 2 KStG 1999 i.d.F. des StSenkG bzw. § 34 Abs. 4 Satz 1 Nr. 2 KStG 1999 n.F. Deren Sät­ze 2 blei­ben aber anwend­bar und die­se sahen vor, dass bis zu den in den Sät­zen 1 der Vor­schrif­ten genann­ten Zeit­punk­ten § 8b KStG 1999 a.F. wei­ter Gel­tung ent­fal­ten soll­te. Da § 34 Abs. 6d Satz 2 KStG 1999 i.d.F. des StSenkG bzw. § 34 Abs. 4 Satz 2 KStG 1999 n.F. für alle Steu­er­pflich­ti­gen gel­ten, kann sich ‑wovon auch die Betei­lig­ten aus­ge­hen- inso­weit kein Ver­stoß gegen die Grund­frei­hei­ten erge­ben11.

Dem Finanz­ge­richt Köln ist fer­ner dar­in zuzu­stim­men, dass im Streit­fall die Tat­be­stands­vor­aus­set­zun­gen des § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F. erfüllt sind. Danach sind in dem Fall, dass Gewinn­an­tei­le, die von einer aus­län­di­schen Gesell­schaft aus­ge­schüt­tet wer­den, nach einem Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung, nach § 8b Abs. 4 Satz 1 und 3 oder nach Abs. 5 von der Kör­per­schaft­steu­er befreit sind, Gewinn­min­de­run­gen, die durch Ansatz des nied­ri­ge­ren Teil­werts des Anteils an der aus­län­di­schen Gesell­schaft ent­ste­hen, bei der Gewinn­ermitt­lung nicht zu berück­sich­ti­gen, soweit der Ansatz des nied­ri­ge­ren Teil­werts auf die Gewinn­aus­schüt­tun­gen zurück­zu­füh­ren ist. Zwi­schen den Betei­lig­ten besteht Ein­ver­neh­men, dass die Gewinn­aus­schüt­tung, die in der Gewinn­ermitt­lung der Mut­ter­ge­sell­schaft zur streit­be­fan­ge­nen aus­schüt­tungs­be­ding­ten Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Betei­li­gung an der C führ­te, nach Art. 23 Abs. 1 Nr. 3 des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und dem König­reich Bel­gi­en zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­run­gen und zur Rege­lung ver­schie­de­ner ande­rer Fra­gen auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men; und vom Ver­mö­gen ein­schließ­lich der Gewer­be­steu­er und der Grund­steu­ern vom 11.04.1967 ‑DBA-Bel­gi­en-12 in Deutsch­land steu­er­be­freit war, die Teil­wert­ab­schrei­bung mit­hin aus­schließ­lich auf die­ser Gewinn­aus­schüt­tung beruh­te und kei­ne Aus­keh­rung von Rück­la­gen betraf.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann offen las­sen, ob § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F. über­haupt am Maß­stab der uni­ons­recht­li­chen Grund­frei­hei­ten über­prüft wer­den kann, da die Norm auf der Umset­zung von Art. 4 Abs. 2 der Richt­li­nie 90/​435/​EWG des Rates vom 23.07.1990 über das gemein­sa­me Steu­er­sys­tem der Mut­ter- und Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ver­schie­de­ner Mit­glied­staa­ten ‑Mut­ter­/­Toch­ter-Richt­li­nie-13 beruht, wonach jeder Mit­glied­staat bestim­men kann, dass Min­der­wer­te, die sich auf­grund der Aus­schüt­tung der Toch­ter­ge­sell­schaf­ten erge­ben, nicht vom steu­er­pflich­ti­gen Gewinn der Mut­ter­ge­sell­schaft abge­setzt wer­den kön­nen14. Denn § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F. wäre unter den Gege­ben­hei­ten des Streit­falls nur am Maß­stab der Nie­der­las­sungs­frei­heit (Art. 43 EG, jetzt Art. 49 AEUV) zu mes­sen; auf die­se könn­te sich die Mut­ter­ge­sell­schaft als nach dem Recht eines Dritt­staa­tes gegrün­de­te Gesell­schaft nicht beru­fen.

Aus der Recht­spre­chung des EuGH folgt inso­weit, dass für die Fra­ge, ob eine natio­na­le Rege­lung unter die eine oder die ande­re Grund­frei­heit fällt, auf den Gegen­stand der betref­fen­den Rege­lung abzu­stel­len ist15. Eine natio­na­le Rege­lung, die nur auf Betei­li­gun­gen anwend­bar ist, die es ermög­li­chen, einen siche­ren Ein­fluss auf die Ent­schei­dun­gen einer Gesell­schaft aus­zu­üben und deren Tätig­kei­ten zu bestim­men, fällt in den Anwen­dungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit. Hin­ge­gen sind natio­na­le Bestim­mun­gen über Betei­li­gun­gen, die in der allei­ni­gen Absicht der Geld­an­la­ge erfol­gen, ohne dass auf die Ver­wal­tung und Kon­trol­le des Unter­neh­mens Ein­fluss genom­men wer­den soll, aus­schließ­lich im Hin­blick auf den frei­en Kapi­tal­ver­kehr zu prü­fen16.

Bezo­gen auf den ein­deu­ti­gen Wort­laut des § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F., der danach dif­fe­ren­ziert, ob die Gewinn­an­tei­le, die von einer aus­län­di­schen Gesell­schaft aus­ge­schüt­tet wer­den, (alter­na­tiv) nach einem Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung (DBA), nach (§ 8b) Abs. 4 Satz 1 und 3 oder nach (§ 8b) Abs. 5 von der Kör­per­schaft­steu­er befreit sind, ist unter den Gege­ben­hei­ten des Streit­falls die Nie­der­las­sungs­frei­heit ein­schlä­gig.

Der Bun­des­fi­nanz­hof hat bereits für § 34 Abs. 4 Satz 4 KStG 1999 n.F., der einen Anteil i.S. von § 8b Abs. 2 KStG 1999 i.d.F. des Geset­zes zur wei­te­ren steu­er­li­chen För­de­rung von Stif­tun­gen vom 14.07.200017 ‑KStG 1999 a.F.- vor­aus­setz­te und damit nicht all­ge­mein an die steu­er­frei­en Bezü­ge aus Antei­len an aus­län­di­schen Gesell­schaf­ten, son­dern nur an sol­che Gewinn­aus­schüt­tun­gen der Aus­lands­ge­sell­schaft anknüpf­te, die nach einem DBA von der Kör­per­schaft­steu­er befreit waren, ent­schie­den, dass die Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit ‑auch in Dritt­staats­fäl­len- von der inso­weit vor­ran­gig anzu­wen­den­den Nie­der­las­sungs­frei­heit ver­drängt wird18. Dabei hat der Bun­des­fi­nanz­hof ‑unge­ach­tet der Fra­ge, ob die dor­ti­ge Betei­li­gungs­schwel­le von 10 % dem Schutz­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit unter­steht- aus­schließ­lich auf Art. 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. a Satz 1 und 3 i.V.m. Art. 10 Abs. 4 des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung und zur Ver­hin­de­rung der Steu­er­ver­kür­zung auf dem Gebiet der Steu­ern vom Ein­kom­men; und vom Ver­mö­gen und eini­ger ande­rer Steu­ern (DBA-USA 19891991) abge­stellt; er hat es mit­hin nicht als maß­geb­lich ange­se­hen, dass § 8b Abs. 2 KStG 1999 a.F. ‑eben­so wie § 8b Abs. 6 KStG 1999 a.F.- alter­na­tiv auch auf eine Befrei­ung nach § 8b Abs. 5 KStG 1999 a.F. (Erstre­ckung des DBA-Schach­tel­pri­vi­legs auf Betei­li­gun­gen ab 10 %) abstellt.

In § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F. hat sich der Gesetz­ge­ber hin­sicht­lich der Fra­ge, nach wel­cher Vor­schrift die Gewinn­an­tei­le, die von einer aus­län­di­schen Gesell­schaft aus­ge­schüt­tet wer­den, von der Kör­per­schaft­steu­er befreit sind, für eine gestuf­te Prü­fung ent­schie­den. Dies wird im Geset­zes­wort­laut dadurch deut­lich, dass alter­na­tiv auf eine Befrei­ung nach einem Abkom­men zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­rung, nach (§ 8b) Abs. 4 Satz 1 und 3 „oder” nach (§ 8b) Abs. 5 abge­stellt wird. Ent­spre­chend ergibt sich die Frei­stel­lung der Gewinn­aus­schüt­tun­gen ange­sichts der Betei­li­gung der Mut­ter­ge­sell­schaft von 99, 9 % an der C unmit­tel­bar aus Art. 23 Abs. 1 Nr. 3 DBA-Bel­gi­en, der eine Min­dest­be­tei­li­gung von 25 % vor­aus­setzt, ohne dass es eines Rück­griffs auf § 8b Abs. 5 KStG 1999 a.F. bedarf. Die Fra­ge nach der Anwend­bar­keit der Kapi­tal­ver­kehrs­frei­heit ist danach für das in Art. 23 Abs. 1 Nr. 3 DBA-Bel­gi­en ent­hal­te­ne Min­dest­be­tei­li­gungs­er­for­der­nis von 25 % zu beant­wor­ten. Bei einem sol­chen Quo­rum ist jedoch grund­sätz­lich die Nie­der­las­sungs­frei­heit ein­schlä­gig19.

Der Umstand, dass die Mut­ter­ge­sell­schaft nach US-ame­ri­ka­ni­schem Recht gegrün­det wur­de, führt zu kei­nem ande­ren Ergeb­nis. Die Mut­ter­ge­sell­schaft ist nicht in den per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit ein­be­zo­gen. Gesell­schaf­ten ste­hen nur dann nach Art. 48 EG (jetzt Art. 54 AEUV) für Zwe­cke der Anwen­dung der Nie­der­las­sungs­frei­heit einer natür­li­chen Per­son gleich, wenn sie nach den Rechts­vor­schrif­ten eines Mit­glied­staats gegrün­det wor­den sind. Die Mit­glied­staa­ten kön­nen zwar die Anknüp­fung bestim­men, die eine Gesell­schaft auf­wei­sen muss, um als nach sei­nem inner­staat­li­chen Recht gegrün­det ange­se­hen zu wer­den. In Fäl­len, in denen sie ‑wie im Streit­fall- eine Gesell­schaft aus­län­di­schen Rechts als sol­che aner­ken­nen, ist es ihnen aber ver­wehrt, den per­sön­li­chen Anwen­dungs­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit ein­sei­tig zu erwei­tern20. In Situa­tio­nen, in denen der Schutz­be­reich der Nie­der­las­sungs­frei­heit auf­grund der Zuge­hö­rig­keit der Divi­den­den bezie­hen­den Gesell­schaft zur Rechts­ord­nung eines Dritt­staats nicht eröff­net ist, ist eine natio­na­le Rege­lung über die steu­er­li­che Behand­lung von Divi­den­den mit Ursprung in einem ande­ren Mit­glied­staat oder einem Dritt­staat aber nur dann nach Art. 56 EG (jetzt Art. 63 AEUV) zu beur­tei­len, wenn sie nicht aus­schließ­lich auf Situa­tio­nen anwend­bar ist, in denen die Mut­ter­ge­sell­schaft einen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Divi­den­den aus­schüt­ten­de Gesell­schaft aus­übt21. Andern­falls wür­de es die Aus­le­gung von Art. 56 EG (jetzt Art. 63 AEUV) Wirt­schafts­teil­neh­mern, die sich nicht auf die Nie­der­las­sungs­frei­heit beru­fen kön­nen, erlau­ben, in den Genuss die­ser Frei­heit zu gelan­gen22.

Der Bun­des­fi­nanz­hof erach­tet die Uni­ons­rechts­la­ge in Anbe­tracht des auf­ge­zeig­ten Stands der Recht­spre­chung des EuGH sowie des Bun­des­fi­nanz­hofs als ein­deu­tig. Einer Vor­la­ge an den EuGH gemäß Art. 267 AEUV bedarf es daher nicht23.

Nichts ande­res ergibt sich aus Art. XI Abs. 3 des Freund­schafts, Han­dels und Schiff­fahrts­ver­tra­ges zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka (Freund­schafts­ver­trag) vom 29.10.195424. Danach dür­fen Gesell­schaf­ten eines Ver­trags­teils ‑hier der USA- u.a. hin­sicht­lich der Zah­lung von Steu­ern kei­nes­falls einer stär­ke­ren Belas­tung unter­lie­gen als unter gleich­ar­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen die Gesell­schaf­ten irgend­ei­nes drit­ten Lan­des. Eine in Deutsch­land ansäs­si­ge US-ame­ri­ka­ni­sche Gesell­schaft darf damit grund­sätz­lich nicht höher als eine ‑unter ansons­ten glei­chen Ver­hält­nis­sen- in Deutsch­land ansäs­si­ge Gesell­schaft eines ande­ren EU-Mit­glied­staats besteu­ert wer­den. Jedoch erlaubt Art. XI Abs. 5 Buchst. a des Freund­schafts­ver­trags, nach dem sich jeder Ver­trags­teil vor­be­hält, bestimm­te Steu­er­vor­tei­le auf der Grund­la­ge der Gegen­sei­tig­keit ein­zu­räu­men, eine Benach­tei­li­gung der Mut­ter­ge­sell­schaft gegen­über im Inland ansäs­si­gen Per­so­nen EU-aus­län­di­schen Rechts. Die Grund­frei­hei­ten stel­len „Steu­er­vor­tei­le auf der Grund­la­ge der Gegen­sei­tig­keit” i.S. des Art. XI Abs. 5 Buchst. a des Freund­schafts­ver­trags dar, da sie nur Ange­hö­ri­gen der EU-Staa­ten und in die­sen Staa­ten ansäs­si­gen Per­so­nen ein­ge­räumt wer­den. Auf der Grund­la­ge der Gegen­sei­tig­keit bestehen sie des­halb, weil das EU-Recht dar­auf auf­baut, dass jeder Mit­glied­staat sie den Ange­hö­ri­gen eines jeden ande­ren Mit­glied­staa­tes gewährt. Dass die Vor­tei­le in einem zwei­sei­ti­gen völ­ker­recht­li­chen Ver­trag ver­an­kert sind, ver­langt Art. XI Abs. 5 Buchst. a des Freund­schafts­ver­trags nicht25.

Die Anwen­dung des § 8b Abs. 6 Nr. 1 KStG 1999 a.F. wider­spricht schließ­lich nicht dem Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des Art. XI Abs. 1 des Freund­schafts­ver­trags, denn die Mut­ter­ge­sell­schaft als „Gesell­schaft eines Ver­trags­teils” ‑hier der USA- unter­liegt in Deutsch­land kei­ner „stär­ke­ren Belas­tung als unter gleich­ar­ti­gen Vor­aus­set­zun­gen die (…) Gesell­schaf­ten des ande­ren Ver­trags­teils”. Aus­schüt­tungs­be­ding­te Teil­wert­ab­schrei­bun­gen haben unab­hän­gig davon kei­ne steu­er­li­chen Aus­wir­kun­gen, ob das Kör­per­schaft­steu­er­sub­jekt nach in- oder aus­län­di­schem Recht errich­tet wur­de ((sie­he zum Begriff der Gesell­schaft eines Ver­trags­staa­tes Art. XXV Abs. 5 Satz 2 Halb­satz 1 des Freund­schafts­ver­trags). Vor die­sem Hin­ter­grund kann sich die Mut­ter­ge­sell­schaft auch nicht auf Art. 24 Abs. 1 DBA-USA 19891991 beru­fen, der eben­falls nur eine belas­ten­de­re Besteue­rung als die­je­ni­ge ver­bie­tet, denen Staats­an­ge­hö­ri­ge des ande­ren Staa­tes unter glei­chen Ver­hält­nis­sen unter­wor­fen sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 19. Juli 2017 — I R 8715

  1. BGBl I 1999, 2601, BSt­Bl I 2000, 13 []
  2. beja­hend BFH, Urtei­le vom 19.03.2002 — I R 1501, BFH/​NV 2002, 1411; vom 16.12 1998 — I R 13897, BFHE 188, 251, BSt­Bl II 1999, 437; s.a. Knob­be-Keuk, Bilanz- und Unter­neh­mens­steu­er­recht, 9. Aufl., S. 571; ver­nei­nend für das inso­weit ver­gleich­ba­re KStG 1934 Mar­ti­ni, Der per­sön­li­che Kör­per­schaft­steu­er­tat­be­stand, 2016, S. 112; vgl. auch BFH, Urteil vom 17.07.1968 — I 12164, BFHE 93, 1, BSt­Bl II 1968, 695 []
  3. BFH, Beschluss vom 25.06.1984 — GrS 482, BFHE 141, 405, BSt­Bl II 1984, 751 []
  4. vgl. BFH, Urteil vom 29.01.2003 — I R 699, BFHE 201, 463, BSt­Bl II 2004, 1043 []
  5. FG Köln, Urteil vom 11.11.2015 — 13 K 260411 []
  6. BFH Beschluss vom 04.04.2007 — I R 5706, BFHE 217, 541, BSt­Bl II 2007, 945 []
  7. EuGH, Urteil STEKO Indus­trie­mon­ta­ge vom 22.01.2009 — C‑377/​07, EU:C:2009:29, BSt­Bl II 2011, 95 []
  8. ABl.EG 1997, Nr. C 340, 1 []
  9. ABl.EU 2008, Nr. C 115, 47 []
  10. BFH, Urteil vom 22.04.2009 — I R 5706, BFHE 231, 35, BSt­Bl II 2011, 66; all­ge­mein zur uni­ons­recht­lich ver­bo­te­nen Benach­tei­li­gung der Betei­li­gung an Aus­lands­ka­pi­tal­ge­sell­schaf­ten BFH, Urtei­le vom 28.10.2009 — I R 2708, BFHE 227, 73, BSt­Bl II 2011, 229; vom 06.03.2013 — I R 1011, BFHE 241, 157, BSt­Bl II 2013, 707; BFH, Beschlüs­se vom 08.06.2010 — I B 19909, BFH/​NV 2010, 1863, sowie vom 23.05.2011 — I B 11/​11, BFH/​NV 2011, 1698 []
  11. vgl. BFH, Urteil in BFHE 241, 157, BSt­Bl II 2013, 707 []
  12. BGBl II 1969, 18, BSt­Bl I 1969, 39 []
  13. ABl.EG 1990, Nr. L 225, 6, ber. ABl.EG 1990, Nr. L 266, 20 []
  14. für die Über­prüf­bar­keit des auf der Umset­zung von Sekun­där­recht beru­hen­den natio­na­len Rechts am Maß­stab des Pri­mär­rechts EuGH, Urtei­le Bosal vom 18.09.2003 — C‑168/​01, EU:C:2003:479; Kel­ler Hol­ding vom 23.02.2006 — C‑471/​04, EU:C:2006:143, BSt­Bl II 2008, 834; auch BFH, Urteil vom 09.08.2006 — I R 9505, BFHE 214, 504, BSt­Bl II 2007, 279; dage­gen aber EuGH, Urtei­le Euro Park Ser­vice vom 08.03.2017 — C‑14/​16, EU:C:2017:177; Vis­na­puu vom 12.11.2015 — C‑198/​14, EU:C:2015:751; UNIC und Uni.co.pel vom 16.07.2015 — C‑95/​14, EU:C:2015:492, jeweils m.w.N.; s.a. EuGH, Urteil Inspi­re Art vom 30.09.2003 — C‑167/​01, EU:C:2003:512 []
  15. EuGH, Urteil Test Clai­mants in the FII Group Liti­ga­ti­on vom 13.11.2012 — C‑35/​11, EU:C:2012:707, m.w.N. []
  16. vgl. BFH, Beschluss vom 12.10.2016 — I R 8014, BFHE 256, 223, BSt­Bl II 2017, 615, m.w.N. []
  17. BGBl I 2000, 1034, BSt­Bl I 2000, 1192 []
  18. BFH, Urteil in BFHE 241, 157, BSt­Bl II 2013, 707 []
  19. EuGH, Urteil Idry­ma Typou vom 21.10.2010 — C‑81/​09, EU:C:2010:622; EuGH, Beschluss Laser­tec vom 10.05.2007 — C‑492/​04, EU:C:2007:273; jeweils für Betei­li­gungs­schwel­len von 25 % []
  20. EuGH, Urteil Kro­nos Inter­na­tio­nal vom 11.09.2014 — C‑47/​12, EU:C:2014:2200 []
  21. EuGH, Urteil Kro­nos Inter­na­tio­nal, EU:C:2014:2200 []
  22. vgl. EuGH, Urteil Test Clai­mants in the FII Group Liti­ga­ti­on, EU:C:2012:707 []
  23. vgl. EuGH, Urteil CILFIT vom 06.10.1982 Rs. 28381, EU:C:1982:335 []
  24. BGBl II 1956, 488 []
  25. BFH, Urteil vom 30.03.2011 — I R 6310, BFHE 233, 198, BSt­Bl II 2011, 747 []