Steu­er­pflicht einer Abfin­dung aus Frankreich

Die Abfin­dung eines fran­zö­si­schen Arbeit­ge­bers ist nach Maß­ga­be des Art.20 Abs. 1 Buchst. a des Abkom­mens zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Fran­zö­si­schen Repu­blik zur Ver­mei­dung der Dop­pel­be­steue­run­gen und über gegen­sei­ti­ge Amts- und Rechts­hil­fe auf dem Gebie­te der Steu­ern vom Ein­kom­men und vom Ver­mö­gen sowie der Gewer­be­steu­ern und der Grund­steu­ern vom 21.07.1959 [1] –DBA-Frank­reich–, von der Bemes­sungs­grund­la­ge der deut­schen Ein­kom­men­steu­er aus­zu­neh­men. Denn die Zah­lung kann nach die­sem Abkom­men nur in Frank­reich besteu­ert wer­den (Art. 13 Abs. 1 Satz 1 DBA-Frank­reich).

Steu­er­pflicht einer Abfin­dung aus Frankreich

Nach Art. 13 Abs. 1 DBA-Frank­reich kön­nen Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit vor­be­halt­lich etwai­ger (hier nicht ein­schlä­gi­ger) Son­der­re­ge­lun­gen nur in dem Ver­trags­staat besteu­ert wer­den, in dem die per­sön­li­che Tätig­keit, aus der die Ein­künf­te her­rüh­ren, aus­ge­übt wird (Satz 1). Als Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit gel­ten nach Satz 2 der Rege­lung ins­be­son­de­re Gehäl­ter, Besol­dun­gen, Löh­ne, Gra­ti­fi­ka­tio­nen oder sons­ti­ge Bezü­ge sowie alle ähn­li­chen Vor­tei­le, die von ande­ren als den in Art. 14 DBA-Frank­reich bezeich­ne­ten Per­so­nen (das sind bestimm­te öffent­li­che Kas­sen) gezahlt oder gewährt werden.

Eine Ent­schä­di­gungs­zah­lung für den Ver­lust des Arbeits­plat­zes wird vom objek­ti­ven Rege­lungs­ge­gen­stand des Art. 13 Abs. 1 Satz 2 DBA-Frank­reich erfasst. Dies hat die Vor­in­stanz zutref­fend aus dem Umstand einer nicht abschlie­ßen­den Auf­zäh­lung ein­zel­ner Ver­gü­tungs­bei­spie­le abge­lei­tet [2].

Der Wort­laut des Art. 13 Abs. 1 Satz 1 DBA-Frank­reich bie­tet eine aus­rei­chen­de Grund­la­ge, das Besteue­rungs­recht für eine sol­che Ent­schä­di­gungs­zah­lung aus­schließ­lich dem Ort der frü­he­ren (Arbeitnehmer-)Tätigkeit (hier: Frank­reich) zuzuordnen.

Der BFH hat für Abkom­mens­re­ge­lun­gen, die Art. 15 Abs. 1 des Mus­ter­ab­kom­mens der Orga­ni­sa­ti­on for Eco­no­mic Coö­pe­ra­ti­on and Deve­lo­p­ment (OECD-Mus­tAbk) ver­gleich­bar sind, wie­der­holt ent­schie­den, dass das für die Besteue­rung von Arbeits­löh­nen gel­ten­de abkom­mens­recht­li­che Arbeits­ort­prin­zip nicht für Abfin­dun­gen gilt, die anläss­lich der Auf­lö­sung eines Arbeits­ver­hält­nis­ses gezahlt wer­den [3]. Denn bei Abfin­dun­gen han­delt es sich unbe­scha­det des­sen, dass sie nach dem inner­staat­li­chen Recht Arbeits­lohn (§ 19 EStG 2002) sind, nicht um ein zusätz­li­ches Ent­gelt für eine frü­he­re Tätig­keit i.S. des Art. 15 Abs. 1 Satz 2 OECD-Mus­tAbk. Sie wer­den nicht für eine kon­kre­te im Inland oder Aus­land aus­ge­üb­te Tätig­keit gezahlt, son­dern gera­de für den Ver­lust des Arbeits­plat­zes. Ein blo­ßer Anlass­zu­sam­men­hang zwi­schen Zah­lung und Tätig­keit genügt nach dem Abkom­mens­wort­laut („dafür“) nicht. An die­ser Recht­spre­chung ist unein­ge­schränkt fest­zu­hal­ten. Auch die Finanz­ver­wal­tung hat sich dem prin­zi­pi­ell ange­schlos­sen [4].

Der Wort­laut des Art. 13 Abs. 1 DBA-Frank­reich recht­fer­tigt eine davon abwei­chen­de Handhabung.

Indem die­se Rege­lung zur Abgren­zung ihres sach­li­chen Gegen­stan­des aus­drück­lich auf die zah­len­de Per­son abstellt (Satz 2) und für die Zuord­nung auf den Ort der per­sön­li­chen Tätig­keit ver­weist, „aus der die Ein­künf­te her­rüh­ren“, lässt sie einen ledig­lich kau­sa­len Zusam­men­hang („Anlass­zu­sam­men­hang“) zwi­schen einem Arbeits­ver­hält­nis und der Zah­lung durch einen Arbeit­ge­ber ausreichen.

Die­se Aus­le­gung kann auch auf die Aus­füh­run­gen des Bun­des­fi­nanz­hofss in sei­nem Urteil vom 12.01.2011 [5] gestützt wer­den [6]. Die­se Ent­schei­dung betraf das abkom­mens­recht­li­che Besteue­rungs­recht für Beträ­ge, die ein in Frank­reich woh­nen­der Arbeit­neh­mer eines deut­schen Arbeit­ge­bers im Rah­men der sog. Frei­stel­lungs­pha­se (d.h. nach dem Ende sei­ner „akti­ven“ Tätig­keit) nach Maß­ga­be der auf­grund des Alters­teil­zeit­ge­set­zes in Anspruch genom­me­nen Alters­teil­zeit im Streit­jahr ver­ein­nahmt hat­te (dem Alters­teil­zeit­ar­beit­neh­mer wird zeit­ver­setzt in der Frei­stel­lungs­pha­se das aus­ge­zahlt, was er in der Arbeits­pha­se erar­bei­tet hat bzw. was er an Arbeits­be­zü­gen auf­grund sei­ner erbrach­ten Voll­zeit­tä­tig­keit hät­te bean­spru­chen kön­nen [7]). In die­sem Zusam­men­hang hat der Bun­des­fi­nanz­hof aus­ge­führt, die dem Arbeit­neh­mer zuge­flos­se­nen Ver­gü­tun­gen im Rah­men der ver­ein­bar­ten Alters­teil­zeit wür­den ins­ge­samt aus die­ser Tätig­keit her­rüh­ren; dass sie zeit­ver­setzt zu einem Zeit­punkt aus­be­zahlt wor­den sei­en, in dem die per­sön­lich aus­ge­üb­te Tätig­keit als sol­che been­det gewe­sen sei, ände­re dar­an nichts. Auch bei nach­träg­lich aus­be­zahl­tem Arbeits­lohn han­de­le es sich um ent­spre­chen­de Ein­künf­te; dies alles betref­fe das Regel­ar­beits­ent­gelt eben­so wie den vom Arbeit­ge­ber zusätz­lich gezahl­ten sog. Auf­sto­ckungs­be­trag. Es sei zwar nicht aus­ge­schlos­sen, dass jene Ver­gü­tun­gen der Frei­stel­lungs­pha­se nicht „für“ die erbrach­te Tätig­keit geleis­tet wür­den, son­dern dafür, dass der Arbeit­neh­mer sich mit der Alters­teil­zeit im sog. Block­mo­dell ein­ver­stan­den erklärt habe. Aller­dings sei die Fra­ge der Kau­sa­li­tät zwi­schen Leis­tung und Gegen­leis­tung inner­halb des Arbeits­ver­hält­nis­ses für das DBA-Frank­reich nicht maß­ge­bend, weil hier­nach –abwei­chend von Art. 15 Abs. 1 OECD-Mus­tAbk und inso­fern wei­ter gehend– alle Ein­künf­te dem Besteue­rungs­recht des Tätig­keits­staats zuge­wie­sen wür­den, wel­che aus der betref­fen­den Tätig­keit her­rüh­ren wür­den. Die besag­te Kau­sa­li­täts­fra­ge stel­le sich also nicht; eine Ver­an­las­sung durch die Tätig­keit im wei­te­ren Sin­ne genü­ge. Die­sem Norm­ver­ständ­nis ent­spricht die Besteue­rungs­zu­wei­sung auch für Arbeitnehmerabfindungen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 24. Juli 2013 – I R 8/​13

  1. BGBl II 1961, 398, BStBl I 1961, 343, zuletzt geän­dert durch das Zusatz­ab­kom­men vom 20.12.2001, BGBl II 2002, 2372, BStBl I 2002, 892[]
  2. s. zu einer Ver­gü­tung für die Unter­las­sung von Wett­be­werb im Anschluss an eine nicht­selb­stän­di­ge Arbeit: FG Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 22.09.1983 – III 412/​81, EFG 1984, 183; s.a. Kra­mer in Was­ser­mey­er, a.a.O., Art. 13 DBA-Frank­reich Rz 9; Wassermeyer/​Schwenke, eben­da, MA Art. 15 Rz 79; Bourseaux/​Levedag in Schönfeld/​Ditz, DBA‑, Art. 15 Rz 71[]
  3. z.B. BFH, Urtei­le vom 18.07.1973 – I R 52/​69, BFHE 110, 43, BStBl II 1973, 757; vom 10.07.1996 – I R 83/​95, BFHE 181, 155, BStBl II 1997, 341; BFH, Beschluss vom 18.06.2008 – I B 152/​07, BFH/​NV 2008, 1688; BFH, Urtei­le vom 02.09.2009 – I R 90/​08, BFHE 226, 267, BStBl II 2010, 394 und – I R 111/​08, BFHE 226, 276, BStBl II 2010, 387[]
  4. BMF, Schrei­ben vom 14.09.2006, BStBl I 2006, 532, dort Tz. 6.3[]
  5. BFH, Urteil vom 12.01.2011 – I R 49/​10, BFHE 232, 436, BStBl II 2011, 446[]
  6. gl.A. Hel­de, EFG 2012, 1941 f.[]
  7. s. inso­weit zur Zuord­nung der Ein­künf­te zu lau­fen­den Ein­künf­ten aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit nach natio­na­lem Recht zuletzt BFH, Urteil vom 21.03.2013 – VI R 5/​12, BFHE 240, 563, BStBl II 2013, 611[]