UN-Kaufrecht — und die Rückkaufverpflichtung beim „Sale and Lease-Back”

Eine in einem dem UN-Kauf­rechts­über­ein­kom­men (CISG) unter­fal­len­den Kauf­ver­trag ent­hal­te­ne Rück­kauf­ver­pflich­tung unter­steht in Umkeh­rung der Pflich­ten des ursprüng­lich geschlos­se­nen Kauf­ver­trags eben­falls den Bestim­mun­gen des CISG.

UN-Kaufrecht — und die Rückkaufverpflichtung beim „Sale and Lease-Back”

Die Aus­le­gung eines sol­chen Ver­trags beur­teilt sich auch dann nach den in Art. 8 CISG auf­ge­stell­ten Regeln, wenn es sich um einen von einer Par­tei ver­wen­de­ten For­mu­lar­ver­trag han­delt1. Dabei fin­det die Regel Anwen­dung, dass unkla­re Erklä­run­gen „con­tra pro­fe­ren­tem” aus­zu­le­gen sind, Mehr­deu­tig­kei­ten also zu Las­ten des Ver­wen­ders der von ihm gestell­ten Bedin­gung gehen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits mehr­fach ent­schie­den, dass Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen in Lea­sing­ver­hält­nis­sen, die nach den Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs zu beur­tei­len sind, kauf­recht­li­chen Regeln fol­gen2. Glei­ches gilt für die hier strei­ti­ge Ver­pflich­tung der Beklag­ten, die als Kauf im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 CISG anzu­se­hen ist.

Bei der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung geht es unge­ach­tet ihres lea­sing­spe­zi­fi­schen Hin­ter­grunds und der damit ein­her­ge­hen­den Beson­der­hei­ten bei der nähe­ren Ver­trags­aus­ge­stal­tung im Kern um Ver­trags­pflich­ten, wie sie — nur in Umkeh­rung der Pflich­ten des ursprüng­lich zur Beschaf­fung der Lea­sing­ge­gen­stän­de geschlos­se­nen Kauf­ver­trags — kauf­ver­trags­ty­pisch für die Ver­käu­fer­sei­te in Art. 30 CISG (Lie­fe­rung und Eigen­tums­über­tra­gung) und für die Käu­fer­sei­te in Art. 53 CISG (Kauf­preis­zah­lung und Abnah­me) gere­gelt sind3. Die Ver­ein­ba­rung, dass die Bow­ling­bah­nen zum Zwe­cke der Lie­fe­rung und Eigen­tums­über­tra­gung von der Beklag­ten selbst aus­ge­baut wer­den soll­ten, steht deren Eigen­schaft als Ware im Sin­ne von Art. 1 Abs. 1 CISG nicht ent­ge­gen4. Auch ent­fernt sich eine der­art ver­ein­bar­te Erfül­lungs­mo­da­li­tät nicht so weit von dem in Art. 30 f. CISG beschrie­be­nen Pflich­ten­kreis eines Ver­käu­fers, dass schlecht­hin nicht mehr von einem Kauf gespro­chen wer­den könn­te5.

Die mit der Rück­kauf­ver­ein­ba­rung ver­folg­te Risi­ko­über­nah­me des Lie­fe­ran­ten für die ord­nungs­ge­mä­ße Abwick­lung eines bestimm­ten, hier nach der Ver­trags­prä­am­bel auf die ABC als „Cli­ent” abzie­len­den Lea­sing­ver­hält­nis­ses, um das hier­auf bezo­ge­ne Amor­ti­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Lea­sing­ge­bers zu gewähr­leis­ten, wür­de jedoch ufer­los aus­ge­wei­tet, wenn der Lea­sing­ge­ber es in der Hand hät­te, ander­weit über den Lea­sing­ge­gen­stand zu ver­fü­gen und bei Fehl­schla­gen der Dis­po­si­ti­on — wie hier durch ein Wei­ter­ver­lea­sen — das damit ein­ge­gan­ge­ne Risi­ko über die Rück­kauf­ver­pflich­tung bei dem Lie­fe­ran­ten zu belas­sen, obgleich die­ser weder auf die Aus­wahl des neu­en Ver­trags­part­ners noch auf Art und Umfang des künf­ti­gen Gebrauchs der Lea­sing­sa­che und eine dadurch beding­te Zustands­ver­schlech­te­rung Ein­fluss neh­men kann. Eine nach bei­den Sei­ten inter­es­sen­ge­rech­te Aus­le­gung der Rück­kauf­klau­sel kann des­halb auch für ein nach dem Wort­laut mög­li­ches wei­tes Ver­ständ­nis des „other­wi­se dis­po­sed of” dahin spre­chen, dass bereits ein Wei­ter­ver­lea­sen der Lea­sing­sa­che an Drit­te ange­sichts des sonst für den Lie­fe­ran­ten nicht mehr über­schau­ba­ren Inan­spruch­nah­me­ri­si­kos die Rück­kauf­ver­pflich­tung zum Erlö­schen brin­gen soll­te.

Die Aus­le­gung von Ver­trä­gen, die dem UN-Kauf­rechts­über­ein­kom­men unter­fal­len, beur­teilt sich gemäß Art. 4 Satz 1 CISG abschlie­ßend nach den in Art. 8 CISG für die Ver­trags­aus­le­gung auf­ge­stell­ten Regeln. Das gilt auch für die Aus­le­gung in den Ver­trä­gen ent­hal­te­ner All­ge­mei­ner Geschäfts­be­din­gun­gen6. Es ist weder vor­ge­tra­gen noch ersicht­lich, dass die Ver­trags­par­tei­en der in Abschnitt F 9 ver­wen­de­ten Klau­sel über­ein­stim­mend einen bestimm­ten Sinn bei­gemes­sen hät­ten oder dass es sich dabei etwa um eine in der gewähl­ten Fas­sung weit ver­brei­te­te Stan­dard­be­din­gung han­del­te, die in den betei­lig­ten Ver­kehrs­krei­sen durch­gän­gig nur in einem bestimm­ten Sin­ne ver­stan­den wird (vgl. Art. 8 Abs. 1 CISG)7. Eine vom Beru­fungs­ge­richt unter Bezug­nah­me auf lea­sing­recht­li­ches Schrift­tum8 ange­nom­me­ne weit­ge­hen­de Üblich­keit sol­cher Rück­kauf­ver­pflich­tun­gen bei Lea­sing­ge­schäf­ten unter Kauf­leu­ten lässt kei­ne dar­über hin­aus­ge­hen­den Rück­schlüs­se auf eine Üblich­keit gera­de der in Rede ste­hen­den Klau­sel in der kon­kret gewähl­ten For­mu­lie­rung und das ihr bei­zu­le­gen­de Ver­ständ­nis zu. Denn mit die­ser Klau­sel hat sich das Beru­fungs­ge­richt nicht befasst.

Der Beur­tei­lung des Klau­sel­in­halts ist des­halb Art. 8 Abs. 2 CISG zugrun­de zu legen, wonach Erklä­run­gen oder das sons­ti­ge Ver­hal­ten einer Par­tei so aus­zu­le­gen sind, wie eine ver­nünf­ti­ge Per­son der glei­chen Art wie die ande­re Par­tei sie unter glei­chen Umstän­den auf­ge­fasst hät­te. Dabei kommt die inter­na­tio­nal seit lan­gem weit ver­brei­te­te Regel zur Anwen­dung, dass unkla­re Erklä­run­gen „con­tra pro­fe­ren­tem” aus­zu­le­gen sind, Mehr­deu­tig­kei­ten also zu Las­ten des Erklä­ren­den — hier der Klä­ge­rin als der Ver­wen­de­rin des For­mu­lar­ver­trags — gehen9. Hier­nach ist der Aus­le­gung von Abschnitt F 9 des Ver­tra­ges die der Klä­ge­rin ungüns­ti­ge­re Bedeu­tung zugrun­de zu legen, nach der die Rück­kauf­ver­pflich­tung der Beklag­ten durch das Wei­ter­ver­lea­sen der Bow­ling­an­la­ge an die MJFC erlo­schen ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Mai 2014 — VIII ZR 41012

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 31.10.2001 — VIII ZR 6001, BGHZ 149, 113, 116 f. []
  2. zuletzt BGH, Urteil vom 19.03.2003 — VIII ZR 13502, WM 2003, 1092 unter — II 2; fer­ner etwa Münch­Komm-BGB/­Koch, 6. Aufl., Finan­zie­rungs­lea­sing Rn. 56; Wolf/​Eckert/​Ball, Hand­buch des gewerb­li­chen Miet, Pacht- und Lea­sing­rechts, 10. Aufl., Rn.1956; jeweils mwN []
  3. vgl. Fer­ra­ri in Schlechtriem/​Schwenzer, Kom­men­tar zum Ein­heit­li­chen UN-Kauf­recht, 6. Aufl., Art. 1 Rn. 22, 28; Schroeter in Schlechtriem/​Schwenzer, aaO, Vor Artt. 14 — 24 Rn. 41; Staudinger/​Magnus, Wie­ner UN-Kauf­recht, Neubearb.2013, Art. 1 Rn. 22; Enderlein/​Maskow, Inter­na­tio­nal Sales Law, 1992, Art. 1 Anm. 1 []
  4. Saen­ger in Ferrari/​Kieninger/​Mankowski, Inter­na­tio­na­les Ver­trags­recht, 2. Aufl., Art. 1 CISG Rn. 6 mwN []
  5. vgl. Piltz in Kröll/​Mistelis/​Viscasillas, UN-Con­ven­ti­on on the Inter­na­tio­nal Sales of Goods (CISG), 2011, Art. 30 CISG Rn. 11, Art. 31 Rn. 8 mwN; eben­so zum unver­ein­heit­lich­ten deut­schen Kauf­recht BGH, Urteil vom 19.03.2003 — VIII ZR 13502, aaO []
  6. BGH, Urteil vom 31.10.2001 — VIII ZR 6001, BGHZ 149, 113, 116 f.; Schmidt-Kes­sel in Schlechtriem/​Schwenzer, aaO, Art. 8 Rn. 59; Staudinger/​Magnus, aaO, Art. 8 Rn. 18 []
  7. dazu Schmidt-Kes­sel in Schlechtriem/​Schwenzer, aaO []
  8. Münch­Komm-BGB/­Koch, aaO, Rn. 56 ff. []
  9. vgl. Schmidt-Kes­sel in Schlechtriem/​Schwenzer, aaO, Art. 8 Rn. 47, 59; Staudinger/​Magnus, aaO; fer­ner etwa CISG Advi­so­ry Coun­cil Opi­ni­on No. 13 — Inclu­si­on of Stan­dard Terms under the CISG, Rule 9, IHR 2014, 34, 42; jeweils mwN []