Verjährungshemmung durch Klageerhebung — und die Zustellung in Italien

Die Ver­jäh­rung wird durch Kla­ge­er­he­bung gemäß § 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB gehemmt. Die Erhe­bung der Kla­ge setzt nach § 253 Abs. 1 ZPO die Zustel­lung der Kla­ge­schrift vor­aus. Auch wenn erst nach Ablauf der Ver­jäh­rungs­frist erfolgt, wirkt sie, wenn sie „dem­nächst” erfolg­te, wirk­te gemäß § 167 ZPO auf den Zeit­punkt der Kla­ge­ein­rei­chung.

Verjährungshemmung durch Klageerhebung — und die Zustellung in Italien

Die­ser Begriff ist ohne eine abso­lu­te zeit­li­che Gren­ze im Wege einer wer­ten­den Betrach­tung aus­zu­le­gen. Die zustel­len­de Par­tei muss alles ihr Zumut­ba­re für eine als­bal­di­ge Zustel­lung getan haben. Dabei sol­len Ver­zö­ge­run­gen im gericht­li­chen Geschäfts­be­trieb, wel­che von den Par­tei­en nicht beein­flusst wer­den kön­nen, nicht zu Las­ten der zustel­len­den Par­tei gehen1. Vor­lie­gend beruh­te die Ver­zö­ge­rung auf den Beson­der­hei­ten der in Ita­li­en zu bewir­ken­den Aus­lands­zu­stel­lung, die in der allei­ni­gen Ver­ant­wor­tung des Gerichts lag, so dass die Ver­zö­ge­rung nicht auf ein vor­werf­ba­res Ver­hal­ten des Klä­gers zurück­zu­füh­ren war und die Zustel­lung somit auch noch „dem­nächst” im Sin­ne von § 167 Abs. 1 ZPO erfolg­te2.

Dem Klä­ger kann nicht zum Vor­wurf gemacht wer­den, die Zustel­lung der Kla­ge nicht unmit­tel­bar selbst nach dem zu die­sem Zeit­punkt gel­ten­den Art. 15 Abs. 1 EGZu­stell­VO3 ver­an­lasst zu haben. Inso­weit ist nicht ent­schei­dend, dass Ita­li­en kei­ne Ein­wän­de gegen die­se Mög­lich­keit der Par­tei­zu­stel­lung gericht­li­cher Schrift­stü­cke gemäß Absatz 2 der Vor­schrift erho­ben hat­te. Viel­mehr kommt es dar­auf an, dass Deutsch­land sein Wider­spruchs­recht genutzt und am Grund­satz der Amts­zu­stel­lung fest­ge­hal­ten hat (vgl. § 166 Abs. 2 ZPO in der bis zum 31.03.2005 gel­ten­den Fas­sung4). Aus die­sem Wider­spruch folgt, dass die Par­tei­zu­stel­lung auch von Deutsch­land aus in ande­re Mit­glied­staa­ten, wel­che die­se Form der Zustel­lung zulie­ßen, regel­mä­ßig aus­ge­schlos­sen war, weil sich die Ord­nungs­mä­ßig­keit einer Zustel­lungs­art nach dem Recht des Gerichts­staa­tes beur­teilt5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Dezem­ber 2012 — IX ZR 13010

  1. BGH, Urteil vom 11.07.2003 — V ZR 41402, NJW 2003, 2830, 2831; vom 11.02.2011 — V ZR 13610, WuM 2011, 540 Rn. 6 []
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2003, aaO; Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., § 167 Rn. 12 []
  3. Ver­ord­nung (EG) Nr. 13482000 des Rates vom 29.05.2000 über die Zustel­lung gericht­li­cher und außer­ge­richt­li­cher Schrift­stü­cke in Zivil- oder Han­dels­sa­chen []
  4. hier­zu Rauscher/​Heiderhoff, Euro­päi­sches Zivil­pro­zess­recht, 2. Aufl., Art. 15 EGZu­stell­VO Rn. 3, 6 []
  5. Rauscher/​Heiderhoff, aaO Rn. 5; Gei­mer in Geimer/​Schütze, Euro­päi­sches Zivil­ver­fah­rens­recht, 2. Aufl., Art. 15 VO (EG) Nr. 13482000 Rn. 6 []