Voll­stre­ckung lich­ten­stei­ni­scher Urtei­le

Urtei­le des Fürs­ten­tums Liech­ten­stein sind, da die Gegen­sei­tig­keit nicht ver­bürgt ist, nicht aner­ken­nungs­fä­hig, § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO. Allein auf Grund der Tat­sa­che der Exis­tenz eines Liech­ten­stei­ni­schen Titels kann eine ent­spre­chen­de Ver­ur­tei­lung in Deutsch­land daher nicht erfol­gen. Es bedarf viel­mehr einer selb­stän­di­gen Über­prü­fung des Sach­ver­halts und einer eigen­stän­di­gen Ent­schei­dung, ggfs. auch auf der Basis des Liech­ten­stei­ni­schen Rechts.

Voll­stre­ckung lich­ten­stei­ni­scher Urtei­le

Die Umstel­lung einer zunächst nur auf die Exis­tenz des Liech­ten­stei­ni­schen Titels gestütz­ten Kla­ge auf den dahin­ter ste­hen­den Streit­ge­gen­stand stellt eine Kla­gän­de­rung dar, die in der Beru­fung nur unter den Vor­aus­set­zun­gen des § 533 ZPO zuläs­sig ist.

Liech­ten­stei­ni­schen Ent­schei­dun­gen sind wegen § 328 Abs. 1 Nr. 5 ZPO nicht aner­ken­nungs­fä­hig sind, weil im Ver­hält­nis zu Liech­ten­stein die Gegen­sei­tig­keit nicht ver­bürgt ist. Das ent­spricht der ganz herr­schen­den Mei­nung [1].

Soweit die Klä­ge­rin ihre Kla­ge statt auf die in ers­ter Instanz nur vor­ge­leg­ten liech­ten­stei­ni­schen Titel nun­mehr auf die die­sen Titeln zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­hal­te stüt­zen möch­te, liegt dar­in eine Kla­ge­än­de­rung i. S. d. § 533 ZPO. Denn eine mit dem jetzt neu gehal­te­nen Vor­trag begrün­de­te Kla­ge hat einen ande­ren Streit­ge­gen­stand, als ihn die bis­her erho­be­ne und mit der Exis­tenz als aner­ken­nungs­fä­hig behaup­te­ter liech­ten­stei­ni­scher Ent­schei­dun­gen begrün­de­te Kla­ge hat­te.

Wäh­rend die Kla­ge bis­her auf die schlich­te Exis­tenz der aus­län­di­schen Titel gestützt war – deren mate­ri­el­ler Hin­ter­grund gleich­gül­tig blei­ben konn­te und offen blieb –, soll sie jetzt auf die nach liech­ten­stei­ni­schem Recht zu beur­tei­len­den Ehe- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se wäh­rend der Ehe bzw. auf die Eigen­tums­ver­hält­nis­se an einem PKW, auf dar­aus nach liech­ten­stei­ni­schem Recht resul­tie­ren­de Ansprü­che und die nach liech­ten­stei­ni­schem Recht ein­tre­ten­den kos­ten­recht­li­chen Fol­gen obsie­gen­der Ent­schei­dun­gen gestützt wer­den. Damit wird aber ein ande­rer Lebens­sach­ver­halt zur Grund­la­ge der begehr­ten Ent­schei­dung gemacht, so dass eine Kla­ge­än­de­rung vor­liegt.

Die­se Kla­ge­än­de­rung ist in der Beru­fungs­in­stanz nicht zuläs­sig.

Da der Beklag­te nicht ein­ge­wil­ligt hat, indem er umge­kehrt die Zuläs­sig­keit der Kla­ge auch im Hin­blick auf den neu­en Vor­trag gerügt hat, wäre die Kla­ge­än­de­rung gemäß § 533 ZPO nur zuläs­sig, wenn sie sach­dien­lich wäre und auf Tat­sa­chen gestützt wer­den könn­te, die das Beru­fungs­ge­richt der Ent­schei­dung über die Beru­fung ohne­hin zugrun­de­zu­le­gen hat. Das ist jedoch nicht der Fall; es fehlt bereits an der Sach­dien­lich­keit.

Der Kla­ge­än­de­rung fehlt die Sach­dien­lich­keit unter dem maß­geb­li­chen Gesichts­punkt der Pro­zess­öko­no­mie schon des­we­gen, weil sie zur Beur­tei­lung völ­lig neu­en Pro­zess­stoffs füh­ren wür­de, ohne dass dafür das Ergeb­nis der bis­he­ri­gen Pro­zess­füh­rung ver­wer­tet wer­den könn­te [2]; denn weder war bis­lang nähe­rer Vor­trag erfor­der­lich oder gehal­ten zu den tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­sen, die den Erlass der liech­ten­stei­ni­schen Titel berech­tigt erschei­nen las­sen sol­len, noch zum liech­ten­stei­ni­schen Recht, auf des­sen Grund­la­ge die­se Beur­tei­lung zu erfol­gen hät­te.

Hin­zu kommt, dass über den Haupt­sa­che­aus­spruch des liech­ten­stei­ni­schen Urteils zum Tren­nungs­un­ter­halt bereits ein erst­in­stanz­li­ches Ver­fah­ren beim Fami­li­en­ge­richt anhän­gig ist, in dem der für die geän­der­te Kla­ge im hie­si­gen Ver­fah­ren gege­be­nen­falls erfor­der­li­che Vor­trag zu den tat­säch­li­chen wie recht­li­chen Ver­hält­nis­sen glei­cher­ma­ßen erfor­der­lich ist, und in dem ggf. über die­sel­ben Fra­gen Beweis zu erhe­ben ist. Es liegt auf der Hand, dass es allein pro­zess­öko­no­misch ist, die­se Fra­gen in einem Ver­fah­ren zu kon­zen­trie­ren, das – nach­dem das Ober­lan­des­ge­richt über jenes Ver­fah­ren nicht ent­schei­den kann – allein das anhän­gi­ge erst­in­stanz­li­che Ver­fah­ren sein kann.

Es kommt daher bereits nicht mehr dar­auf an, dass die Sach­dien­lich­keit auch des­halb feh­len dürf­te, weil (auch) der geän­der­te Streit­ge­gen­stand – bezüg­lich des Tren­nungs­un­ter­halts ohne­hin, bezüg­lich der Aus­ein­an­der­set­zung um den PKW nach § 266 FamFG und für die Titel bezüg­lich der Voll­stre­ckungs­kos­ten als Annex zu den ent­spre­chen­den Ver­fah­ren – zur Zustän­dig­keit der Fami­li­en­ge­rich­te gehört, so dass die erst­ma­li­ge Erhe­bung einer dar­auf gestütz­ten Kla­ge beim Zivil­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts unzu­läs­sig und eine ent­spre­chen­de Kla­ge­än­de­rung auch des­halb nicht sach­dien­lich wäre.

Offen blei­ben kann damit, dass die Kla­ge­än­de­rung auch nach § 533 Nr. 2 ZPO nicht zuzu­las­sen sein dürf­te, weil die geän­der­te Kla­ge nicht auf Tat­sa­chen gestützt wer­den kann, die nach § 529 ZPO der Ent­schei­dung über die Beru­fung ohne­hin zugrun­de­zu­le­gen sind [3].

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 28. Juli 2014 – 5 U 146/​12

  1. vgl. nur Zöller/​Geimer, ZPO, 30. Aufl., Anhang IV „Liech­ten­stein“ m. w. N.; die a. a. O. zitier­te Ent­schei­dung BGH, Urteil vom 10.12 1976 – V ZR 145/​74 –, BGHZ 68, 16-18 [=DB 77, 718], lässt die Fra­ge aller­dings aus­drück­lich offen[]
  2. zum Feh­len der Sach­dien­lich­keit in die­sem Fall vgl. Zöller/​Heßler, a. a. O., § 533 Rn. 6[]
  3. vgl. dazu Musielak/​Ball, ZPO, 11. Aufl., § 533 Rn. 22[]