Zertifizierung für den Export

Ein Unternehmer, der ein Produkt erfolgreich im Inland vermarktet, hat nicht selten den Ergeiz, sein Produkt auch zu exportieren. Zunächst wird beim Export an die Nachbarstaaten und Europa gedacht, doch auch der weltweite Markt wird in Zeiten der Globalisierung immer wichtiger.

Für die Ausfuhr eines Produktes hat sich der Unternehmer an bestimmte Regeln und Vorschriften zu halten. Nahezu jedes Land besteht auf die Einhaltung seiner speziellen Bestimmungen. Je nach Art des Produktes, das in ein Land exportiert werden soll, sind z.B. neben den nationalen auch regionale Sicherheitsbestimmungen einzuhalten. Darüberhinaus hat ein importiertes Produkt ebenfalls internationale Standards zu erfüllen. Folglich besteht ein nicht zu unterschätzender Arbeits- und Zeitaufwand, bis letztentlich ein Produkt alle erforderlichen Richtlinien einhält. Damit ist es aber nicht getan! Diese Einhaltung aller Vorschriften muss auch nachgewiesen werden. Ein solcher Nachweis erfolgt durch unabhängige Produktuntersuchungen und Produktzertifizierungen.

Ein Unternehmen, das ein Produkt aus mehreren Komponenten vertreibt und dieses exportieren will, muss für jedes dafür zugelieferte Teil im Ausfuhrverfahren die Herkunft nachweisen und den Anteil am Endprodukt erläutern. Also nicht nur das fertige Endprodukt, sondern auch jedes zugelieferte Teilprodukt hat alle Anforderungen, die ein Land für die Einfuhr stellt, zu erfüllen.

Die Folge sind Mehrfach-Zertifizierungen. Am Beispiel eines Bausteins für Sicherheits-Relais, das zur Signalauswertung von Not-Halt-Einrichtungen bzw. Schutztürüberwachung dient, lässt sich das Erfordernis der Mehrfach-Zertifizierungen deutlich machen. Für den Europäischen Markt (EU) besitzt das Relais seit Jahren die Zulassung nach der ATEX-Richtlinie 94/9 EG. Damit ist die Vermarktung eines Produkts mit diesem Sicherheitsrelais bisher nur innerhalb der Europäischen Union möglich gewesen.

Für den weltweiten Export von Maschinen und Anlagen mit diesem Relais sind weitere Zulassungen erforderlich gewesen: Von der Internationalen Elektrotechnischen Kommission ist die IECEx-Zulassung erfolgt. Ziel der Kommission ist die weltweite Harmonisierung des Explosionsschutzes.

Da diese Zertifizierung für den Export nach Brasilien und ganz Südamerika nicht ausreicht, ist außerdem speziell für diesen Markt die INMETRO-Zulassung für das Sicherheitsrelais eingeholt worden (National Institute of Metrology, Standardization and Industrial Quality, Brazil).

Mit diesen Mehrfach-Zulassungen des Relais fällt es den Unternehmen leichter, ihr Produkt global zu vermarkten. Die IECEx- und INMETRO-Zulassungen vereinfachen es, vor Ort ihr Produkt von den lokalen Prüfgesellschaften des jeweiligen Landes anerkennen zu lassen.

Auch wenn Freihandelsabkommen den Handel erleichtern sollen, entstehen oftmals mit der Unterzeichnung neue, von den Unternehmen einzuhaltende Richtlinien. Außerdem gleicht kein Handelsabkommen dem anderen. So gelten die unterschiedlichsten Regelungen, abhängig davon, in welches Land exportiert werden soll. Zuletzt ist ein Freihandelsabkommen der EU mit Vietnam abgeschlossen worden, mit dem der Zugang u.a. deutscher Produkte in den dortigen Markt gesichert werden soll. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass auch die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) zwischen der EU und der USA kontrovers diskutiert wird.