Zustellung einer Klage und der Türkei — und der Zustellnachweis

Die Zustel­lung einer Kla­ge­schrift im Aus­land kann nach § 183 Abs. 2 Satz 2 ZPO durch das schrift­li­che Zeug­nis der ersuch­ten Behör­de mit der Beweis­kraft des § 418 Abs. 1 ZPO, die auch der ent­spre­chen­den Urkun­de der tür­ki­schen Behör­de zukommt, nach­ge­wie­sen wer­den.

Zustellung einer Klage und der Türkei — und der Zustellnachweis

Die förm­li­che Zustel­lung der Kla­ge­schrift und der Anord­nung nach § 184 Abs. 1 ZPO am 7. Juni 2010 ist bewie­sen durch die von einem Rich­ter unter-schrie­be­ne Urkun­de vom 16. Juni 2010 (Art. 6 HZÜ), die mit dem Schrei­ben des Gene­ral­di­rek­to­rats für Inter­na­tio­na­les Recht und Außen­be­zie­hun­gen des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums der Tür­ki­schen Repu­blik an das Land­ge­richt Köln nach Erle­di­gung des Rechts­hil­fe­er­su­chens über­sandt wor­den ist1.

Zwar ist grund­sätz­lich der Beweis der Unrich­tig­keit gegen die inhalt­li­che Rich­tig­keit einer Zustel­lungs­ur­kun­de zuläs­sig (§ 418 Abs. 2 ZPO). Tat­säch­li­che Umstän­de, die Zwei­fel an der Rechts­wirk­sam­keit der Zustel­lung durch Aus­hän­di­gung der Schrift­stü­cke an Rechts­an­walt P. begrün­den könn­ten, wer­den jedoch nicht auf­ge­zeigt. Sie erge­ben sich jeden­falls nicht schon dar­aus, dass den Zustel­lungs­un­ter­la­gen eine Voll­macht für Rechts­an­walt P. nicht bei­gefügt wor­den ist.

Auch ver­moch­te die Anre­gung der Klä­ge­rin, die Kla­ge­schrift sowie ein gege­be­nen­falls noch zu erlas­sen­des Ver­säum­nis­ur­teil gegen die Beklag­te im Wege der Rechts­hil­fe förm­lich zuzu­stel­len (Nr. 6 der Kla­ge­an­trä­ge), nicht einen Ermes­sens­feh­ler des nicht an eine sol­che Anre­gung der Par­tei gebun­de­nen Rich­ters bei der Anord­nung gemäß § 184 Abs. 1 ZPO zu begrün­den. Auch in Fäl­len mit Aus­lands­be­zug steht den Pro­zess­par­tei­en ein pro­zes­sua­ler Anspruch auf eine bestimm­te Form der Urteils­zu­stel­lung nicht zu. Es ist allein nach den Rege­lun­gen des auto­no­men deut­schen Pro­zess­rechts zu bestim­men, in wel­chen Fäl­len die Zustel­lung im Aus­land bewirkt wer­den muss. Da die förm­li­che Zustel­lung zu erheb­li­chen Ver­zö­ge­run­gen im Pro­zess­ab­lauf füh­ren kann, wodurch der Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch der betrof­fe­nen Par­tei maß­geb­lich beein­träch­tigt wür­de, ist der Rich­ter gehal­ten, ver­meid­ba­ren Ver­zö­ge­run­gen mit den ihm gege­be­nen pro­zess­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten ent­ge­gen­zu­wir­ken.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Janu­ar 2013 — VI ZR 24112

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.11.2001 — VI ZB 901, NJW 2002, 521 []
  2. vgl. BVerfGE 80, 137, 152 m.w.N. []