CMR-Haftung des Frachtführers — und der Verladefehler des Versenders

Von der Haf­tung nach Art. 17 Abs. 1 CMR ist der Fracht­füh­rer gemäß Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR befreit, wenn die Beschä­di­gung des Gutes auf einen Ver­la­de- oder Verstau­feh­ler des Absen­ders zurück­zu­füh­ren ist. Ein Ver­la­de­feh­ler kommt in Betracht, wenn es wegen einer Not­brem­sung zu einer Höher­stau­ung der Ladung kommt.

CMR-Haftung des Frachtführers — und der Verladefehler des Versenders

Eine zur Haf­tungs­be­frei­ung des Fracht­füh­rers gemäß Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR füh­ren­de man­gel­haf­te Ladung oder Stau­ung des Trans­port­gu­tes kann vor­lie­gen, wenn der Absen­der bei der Bela­dung die behörd­lich geneh­mig­te Trans­port­hö­he über­schrei­tet.

Die Vor­schrif­ten der CMR gel­ten nach Art. 1 Abs. 1 des Über­ein­kom­mens für jeden Ver­trag über die ent­gelt­li­che Beför­de­rung von Gütern auf der Stra­ße mit­tels Fahr­zeu­gen, wenn der Ort der Über­nah­me des Gutes und der für die Ablie­fe­rung vor­ge­se­he­ne Ort in zwei ver­schie­de­nen Staa­ten lie­gen, von denen min­des­tens einer ein Ver­trags­staat ist.

Nach Art. 17 Abs. 1 CMR haf­tet der Fracht­füh­rer für die Beschä­di­gung des Gutes, sofern die­se zwi­schen dem Zeit­punkt der Über­nah­me des Gutes und dem sei­ner Ablie­fe­rung ein­tritt. Zwi­schen den Betei­lig­ten ist nicht in Streit, dass im Haf­tungs­zeit­raum an zwei Pack­stü­cken auf dem Sat­tel­zug der Streit­hel­fe­rin ein Scha­den ein­ge­tre­ten ist.

Das Beru­fungs­ge­richt hat einen Haf­tungs­aus­schluss nach Art. 17 Abs. 2 CMR ver­neint. Das nimmt die Revi­si­on hin. Rechts­feh­ler sind inso­weit auch nicht ersicht­lich.

Von der Haf­tung nach Art. 17 Abs. 1 CMR ist der Fracht­füh­rer gemäß Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR vor­be­halt­lich des Art. 18 Abs. 2 bis 5 CMR befreit, wenn die Beschä­di­gung des Gutes auf einen Ver­la­de- oder Verstau­feh­ler des Absen­ders zurück­zu­füh­ren ist. Dabei umfasst das Ver­la­den nicht nur das Ver­brin­gen des Gutes auf das Trans­port­fahr­zeug, son­dern auch des­sen Befes­ti­gung und Siche­rung auf dem Fahr­zeug1. Für die Anwen­dung des beson­de­ren Haf­tungs­aus­schluss­tat­be­stan­des gemäß Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR kommt es maß­geb­lich dar­auf an, wer die Ver­la­dung tat­säch­lich aus­ge­führt hat2. Hat der Absen­der die Ver­la­de­tä­tig­keit vor­ge­nom­men, hat er ord­nungs­mä­ßig zu ver­la­den. Dazu gehört, dass durch die Art der Ver­la­dung Schä­den, die dem Gut wäh­rend der Beför­de­rung dro­hen, nach Mög­lich­keit ver­mie­den wer­den (§ 412 Abs. 1 HGB)3. Kommt es zu einer Höher­stau­ung der Ladung wegen einer Not­brem­sung, spricht dies dafür, dass die Ver­la­dung nor­ma­len Beför­de­rungs­be­din­gun­gen nicht ent­spro­chen hat, weil auch Not­brem­sun­gen zu den vor­her­seh­ba­ren Trans­port­be­din­gun­gen zäh­len4.

Es obliegt dem Fracht­füh­rer nach Art. 18 Abs. 2 CMR, zu den Vor­aus­set­zun­gen des Haf­tungs­be­frei­ungs­tat­be­stan­des des Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR sub­stan­ti­iert vor­zu­tra­gen.

Eine dem Haf­tungs­be­frei­ungs­tat­be­stand des Art. 17 Abs. 4 Buchst. c CMR unter­fal­len­de man­gel­haf­te Ladung oder Stau­ung des Trans­port­gu­tes kann vor­lie­gen, wenn der Absen­der bei der Bela­dung die behörd­lich geneh­mig­te Trans­port­hö­he über­schrit­ten hat5.

Vol­len Scha­dens­er­satz — über die Beschrän­kung des Art. 23 Abs. 3 CMR hin­aus — schul­det die Fracht­füh­re­rin nur, wenn die Vor­aus­set­zun­gen des Art. 29 CMR vor­lie­gen. Nach die­ser Vor­schrift kann sich der Fracht­füh­rer nicht auf Haf­tungs­be­schrän­kun­gen beru­fen, wenn er den Scha­den vor­sätz­lich oder durch ein dem Vor­satz gleich­ste­hen­des Ver­schul­den ver­ur­sacht hat (Art. 29 Abs. 1 CMR). Das Glei­che gilt, wenn sei­nen Bediens­te­ten oder Ver­rich­tungs­ge­hil­fen ein sol­ches qua­li­fi­zier­tes Ver­schul­den zur Last fällt (Art. 29 Abs. 2 Satz 1 CMR). Im Rah­men von Art. 29 Abs. 1 CMR ist ergän­zend § 435 HGB her­an­zu­zie­hen6. Nach die­ser Vor­schrift kann sich der Fracht­füh­rer nicht auf gesetz­li­che oder ver­trag­lich ver­ein­bar­te Haf­tungs­be­schrän­kun­gen beru­fen, wenn der Scha­den auf eine Hand­lung oder Unter­las­sung zurück­zu­füh­ren ist, die der Fracht­füh­rer oder eine in § 428 HGB genann­te Per­son vor­sätz­lich oder bewusst leicht­fer­tig began­gen hat. Das Tat­be­stands­merk­mal der Leicht­fer­tig­keit erfor­dert einen beson­ders schwe­ren Pflich­ten­ver­stoß, bei dem sich der Fracht­füh­rer oder sei­ne Leu­te in kras­ser Wei­se über die Sicher­heits­in­ter­es­sen des Ver­trags­part­ners hin­weg­set­zen. Das sub­jek­ti­ve Erfor­der­nis des Bewusst­seins von der Wahr­schein­lich­keit des Scha­dens­ein­tritts ist eine sich dem Han­deln­den aus sei­nem leicht­fer­ti­gen Ver­hal­ten auf­drän­gen­de Erkennt­nis, es wer­de wahr­schein­lich ein Scha­den ent­ste­hen7. Wel­che Sicher­heits­vor­keh­run­gen der Fracht­füh­rer ergrei­fen muss, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­fal­les ab.

Auch im Fal­le eines qua­li­fi­zier­ten Ver­schul­dens im Sin­ne von § 435 HGB kommt eine Mit­haf­tung des geschä­dig­ten Ver­sen­ders in Betracht8. Dies gilt eben­falls bei einer Haf­tung gemäß Art. 29 CMR9.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säu­mi­s­ur­teil vom 19. März 2015 — I ZR 19013

  1. vgl. Kol­ler, Trans­port­recht, 8. Aufl., Art. 17 CMR Rn. 39; MünchKomm-.HGB/Jesser-Huß, 3. Aufl., Art. 17 CMR Rn. 68 []
  2. BGH, Urteil vom 25.01.2007 — I ZR 4304, TranspR 2007, 314 Rn. 17 []
  3. zu Art. 17 KVO: BGH, Urteil vom 21.04.1960 — II ZR 2158, BGHZ 32, 194, 196 f. []
  4. vgl. Baumbach/​Hopt/​Merkt, HGB, 36. Aufl., § 412 Rn. 1 []
  5. österr. OGH, TranspR 2013, 344, 347; österr. OGH, TranspR 2013, 351 ff. []
  6. BGH, Urteil vom 04.07.2013 — I ZR 15612, TranspR 2014, 146 Rn. 15 = RdTW 2014, 55 []
  7. BGH, Urteil vom 12.01.2012 — I ZR 21410, TranspR 2012, 107 Rn. 27 []
  8. st. Rspr. des Bun­des­ge­richts­hofs; vgl. nur BGH, Urteil vom 22.11.2007 — I ZR 7405, BGHZ 174, 244, 250 Rn. 29; Urteil vom 30.01.2008 — I ZR 14605, TranspR 2008, 117 Rn. 34 []
  9. BGH, Urteil vom 13.06.2012 — I ZR 8711, TranspR 2012, 463 Rn. 22 = RdTW 2013, 24; Urteil vom 22.05.2014 — I ZR 10913, TranspR 2015, 33 Rn. 43 = RdTW 2014, 471 []