Meldepflichten bei Auslandsbeteiligungen

Steu­er­pflich­ti­ge mit Wohn­sitz oder Sitz in Deutsch­land haben dem zustän­di­gen Finanz­amt gemäß § 138 Abs. 2 und 3 AO inner­halb von einem Monat auf einem amt­lich vor­ge­schrie­be­nem Vor­druck mit­zu­tei­len:

Meldepflichten bei Auslandsbeteiligungen
  1. die Grün­dung und den Erwerb von Betrie­ben und Betriebstät­ten im Aus­land,
  2. die Betei­li­gung an aus­län­di­schen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten oder deren Auf­ga­be oder Ände­rung,
  3. den Erwerb von Betei­li­gun­gen an einer Kör­per­schaft, Per­so­nen­ver­ei­ni­gung oder Ver­mö­gens­mas­se im Sin­ne des § 2 Nr. 1 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes, wenn damit unmit­tel­bar eine Betei­li­gung von min­des­tens 10 Pro­zent oder mit­tel­bar eine Betei­li­gung von min­des­tens 25 Pro­zent am Kapi­tal oder am Ver­mö­gen der Kör­per­schaft, Per­so­nen­ver­ei­ni­gung oder Ver­mö­gens­mas­se erreicht wird oder wenn die Sum­me der Anschaf­fungs­kos­ten aller Betei­li­gun­gen mehr als 150 000 Euro beträgt.

Zu die­sen Mel­de­pflich­ten bei Aus­lands­be­tei­li­gun­gen hat das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in einem Schrei­ben vom 15. April 2010 den im Gesetz erwähn­ten amt­li­chen Vor­druck ein­ge­führt und gleich­zei­tig zu einer Rei­he von Fra­gen Stel­lung genom­men. Hier­nach gilt für die Mel­de­pflicht von Aus­lands­be­tei­li­gun­gen:

Beteiligung an ausländischen Personengesellschaften[↑]

Betei­li­gen sich Steu­er­pflich­ti­ge im Sin­ne des § 138 Absatz 2 Num­mer 2 AO an aus­län­di­schen Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten und sind die Ein­künf­te für alle inlän­di­schen Betei­lig­ten gemäß § 180 Absatz 5 AO ein­heit­lich und geson­dert fest­zu­stel­len, bestehen kei­ne Beden­ken, wenn die Mel­de­pflich­ten von der aus­län­di­schen Per­so­nen­ge­sell­schaft, einem Treu­hän­der oder einer ande­ren die Inter­es­sen der inlän­di­schen Betei­lig­ten ver­tre­ten­den Per­son wahr­ge­nom­men wer­den. Vor­aus­set­zung ist, dass die aus­län­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft, der Treu­hän­der oder die ande­re Per­son dem für die ein­heit­li­che und geson­der­te Fest­stel­lung der Ein­künf­te zustän­di­gen Finanz­amt inner­halb eines Monats (§ 138 Abs. 3 AO) Namen, Anschrift, Ein­tritt- oder Aus­tritts­da­tum, Wohn­sitz­fi­nanz­amt und Steu­er­num­mer sowie die Höhe der Betei­li­gung des Anle­gers mit­teilt. Die Mit­tei­lung ist auf die mel­de­pflich­ti­gen Ereig­nis­se zu beschrän­ken, nicht erfor­der­lich ist die Über­sen­dung fort­ge­schrie­be­ner Lis­ten. Unter­lässt die aus­län­di­sche Per­so­nen­ge­sell­schaft, der Treu­hän­der oder die ande­re Per­son die Anzei­ge, tref­fen die Rechts­fol­gen den Betei­lig­ten per­sön­lich.

Beteiligung an ausländischen Kapitalgesellschaften[↑]

Zu mel­den ist gemäß § 138 Abs. 2 Nr. 3 AO der Erwerb von Betei­li­gun­gen an einer Kapi­tal­ge­sell­schaft, wenn damit

  • unmit­tel­bar eine Betei­li­gung von min­des­tens 10% oder
  • mit­tel­bar eine Betei­li­gung von min­des­tens 25% am Kapi­tal oder am Ver­mö­gen der Kör­per­schaft erreicht wird oder
  • die Sum­me der Anschaf­fungs­kos­ten aller Betei­li­gun­gen mehr als 150 000 € beträgt.

Anschaffungskosten

Bei der Ermitt­lung der Anschaf­fungs­kos­ten aller Betei­li­gun­gen sind nach dem Schrei­ben des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums die Anschaf­fungs­kos­ten von frü­her erwor­be­nen Betei­li­gun­gen ein­zu­be­zie­hen.

150.000 €-Grenze

Der Erwerb bör­sen­no­tier­ter Betei­li­gun­gen muss nach dem BMF-Schrei­ben trotz des Über­schrei­tens der 150.000 €-Gren­ze nicht ange­zeigt wer­den, soweit die Betei­li­gung weni­ger als ein Pro­zent beträgt.

Meldepflichten der Kreditinstitute und Finanzdienstleistungsinstitute

Die Anzei­ge­pflich­ten nach § 138 Absatz 2 Num­mer 3 AO gel­ten nicht für Antei­le an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die bei Kre­dit­in­sti­tu­ten und Finanz­dienst­leis­tungs­in­sti­tu­ten im Sin­ne des Geset­zes über das Kre­dit­we­sen­dem Han­dels­buch zuzu­rech­nen sind.

Meldepflichten der Versicherungsunternehmen

Die Anzei­ge­pflich­ten nach § 138 Absatz 2 Num­mer 3 AO gel­ten fer­ner nicht für Antei­le an Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die auf der Aktiv­sei­te der Bilanz der Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ent­spre­chend Form­blatt 1 zu § 2 der Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens-Rech­nungs­le­gungs­ver­ord­nung unter C Num­mer III 1 aus­zu­wei­sen sind.

Rechtsfolgen bei Verstößen gegen die Anzeigepflichten[↑]

Wer vor­sätz­lich oder leicht­fer­tig sei­ner Anzei­ge­pflicht nach § 138 Absatz 2 AO nicht, nicht voll­stän­dig oder nicht recht­zei­tig nach­kommt, begeht eine Ord­nungs­wid­rig­keit im Sin­ne des § 379 Absatz 2 Num­mer 1 AO, die vor­be­halt­lich des § 378 AO mit einer Geld­bu­ße bis zu 5.000 € geahn­det wer­den kann.

Bei Ver­stö­ßen gegen die Anzei­ge­pflich­ten ist nach den Umstän­den des Ein­zel­falls auch die zustän­di­ge Buß­geld- und Straf­sa­chen­stel­le ein­zu­schal­ten.

Die Anzei­ge­pflicht kann auch mit Zwangs­mit­teln nach § 328 AO — ins­be­son­de­re also auch mit einem Zwangs­geld — durch­ge­setzt wer­den.

Beachtung und Auswertung der Meldungen[↑]

Die Anzei­ge­pflich­ten die­nen, so das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um der recht­zei­ti­gen steu­er­li­chen Erfas­sung und Über­wa­chung grenz­über­schrei­ten­der Sach­ver­hal­te. Auf die Erfül­lung der Anzei­ge­pflich­ten ist sei­tens der Finanz­äm­ter, so das BMF aus­drück­lich, nach­drück­lich zu ach­ten.

Die Finanz­äm­ter wer­ten die Mel­dun­gen aus und lei­ten eine Durch­schrift der Mel­dung an das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern (Infor­ma­ti­ons­zen­tra­le für steu­er­li­che Aus­lands­be­zie­hun­gen — IZA) wei­ter. Das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern sam­melt die Infor­ma­tio­nen und wer­tet sie aus (§ 5 Abs. 1 Num­mer 6 FVG).

Bun­des­mi­nis­te­ri­um der Finan­zen, Schrei­ben vom 15. April 2010 — IV B 5 — S 1300÷07÷10087 [2009/​0286671]

  1. 20084277 []