Deutsches Bankkonto und das Iran-Embargo

Nach der euro­päi­schen Ver­ord­nung zum Iran-Embar­go ist die Kün­di­gung eines Giro­ver­trags nicht gebo­ten. Das „Ein­frie­ren“ sämt­li­cher Gel­der heißt nicht, dass Ban­ken ver­pflich­tet sind, die mit den gelis­te­ten Per­so­nen bestehen­den Bank­ver­bin­dun­gen zu kün­di­gen.

Deutsches Bankkonto und das Iran-Embargo

Mit die­ser Begrün­dung hat das Han­sea­ti­sche Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg in dem hier vor­lie­gen­den Fall im Wege der einst­wei­li­gen Ver­fü­gung eine Ham­bur­ger Bank ver­pflich­tet, das Giro­kon­to eines im Rah­men des sog. Iran-Embar­gos gelis­te­ten Unter­neh­mens vor­läu­fig fort­zu­füh­ren. Die Antrag­stel­le­rin in dem Eil­ver­fah­ren vor dem Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt ist eine Kapi­tal­ge­sell­schaft, die Dienst­leis­tun­gen ins­be­son­de­re für die Isla­mic Repu­blic of Iran Ship­ping Lines erbringt. Die Antrag­stel­le­rin ist im Anhang zur Euro­päi­schen Ver­ord­nung 26712 gelis­tet und fällt damit unter das sog. Iran-Embar­go. Die Antrags­geg­ne­rin, eine Ham­bur­ger Bank, teil­te der Antrag­stel­le­rin im März 2012 mit, sie wer­de die Bank­ver­bin­dung mit der Antrag­stel­le­rin im Wege der ordent­li­chen Kün­di­gung im Mai 2012 been­den. Die Antrag­stel­le­rin wider­sprach der Kün­di­gung mit der Begrün­dung, das Kon­to bei der Antrags­geg­ne­rin sei ihr ein­zi­ges akti­ves Geschäfts­kon­to, und es sei ihr trotz erheb­li­cher Bemü­hun­gen nicht gelun­gen, bei einer ande­ren Bank ein Kon­to zu eröff­nen. Die Antrags­geg­ne­rin mein­te hin­ge­gen, es ste­he ihr im Rah­men der Ver­trags­frei­heit zu, eine Kon­to­ver­bin­dung aus geschäfts­po­li­ti­schen Grün­den zu kün­di­gen.

Nach Auf­fas­sung des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg ist die Kün­di­gung des Giro­ver­tra­ges als unwirk­sam anzu­se­hen. Nach den von den Par­tei­en ver­ein­bar­ten all­ge­mei­nen Ver­trags­be­din­gun­gen sei die Antrags­geg­ne­rin im Fal­le einer Kün­di­gung ver­pflich­tet, den berech­tig­ten Belan­gen des Kun­den Rech­nung zu tra­gen und nicht zur Unzeit zu kün­di­gen. Eine sol­che Kün­di­gung zur Unzeit lie­ge hier jedoch vor, da die Antrag­stel­le­rin auf das Kon­to ange­wie­sen sei, um ihren Geschäfts­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Antrag­stel­le­rin habe glaub­haft gemacht, dass sie bei über 100 deut­schen und euro­päi­schen Ban­ken erfolg­los wegen der Eröff­nung eines Bank­kon­tos ange­fragt habe. Die Antrags­geg­ne­rin kön­ne sich dage­gen nicht auf den Grund­satz der Ver­trags­frei­heit beru­fen, denn es sei aner­kannt, dass eine Ver­pflich­tung zum Ver­trags­schluss bestehe, wenn der Ver­trags­part­ner kei­ne zumut­ba­re Mög­lich­keit habe, die drin­gend benö­tig­te Leis­tung ander­wei­tig zu erhal­ten.

Auch nach der euro­päi­schen Ver­ord­nung zum sog. Iran-Embar­go sei die Kün­di­gung des Giro­ver­trags nicht gebo­ten. Das „Ein­frie­ren“ sämt­li­cher Gel­der und wirt­schaft­li­cher Res­sour­cen der gelis­te­ten Per­so­nen und Orga­ni­sa­tio­nen bedeu­te für das Ver­hält­nis der Antrags­geg­ne­rin zur Antrag­stel­le­rin, dass kei­ne Kon­to­be­we­gung ohne Geneh­mi­gung der Bun­des­bank erfol­gen dür­fe. Aus der Ver­ord­nung erge­be sich dage­gen nicht, dass die mit den gelis­te­ten Per­so­nen bestehen­den Bank­ver­bin­dun­gen gekün­digt wer­den sol­len. Ansons­ten hät­te es auch der Ein­füh­rung des spe­zi­el­len Geneh­mi­gungs­ver­fah­rens bei der Bun­des­bank nicht bedurft.

Die Antrags­geg­ne­rin ist daher ver­pflich­tet, das Kon­to solan­ge wei­ter­zu­füh­ren, bis es der Antrag­stel­le­rin gelingt, bei einer ande­ren euro­päi­schen Bank ein neu­es Kon­to zu eröff­nen.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 30. Mai 2012 — 13 W 1712

  1. 2010/​413/​GASP []