Schwesterschiffklausel in der Flusskaskoversicherung

Die Schwes­ter­schiff­klau­sel in Beson­de­ren Bedin­gun­gen für die Fluss­kas­ko­ver­si­che­rung fin­det auch Anwen­dung, wenn die Schwes­ter­schif­fe bei dem Scha­den­er­eig­nis als Schub- oder Kop­pel­ver­band geführt wur­den.

Schwesterschiffklausel in der Flusskaskoversicherung

Gemäß Ziff. 2 BB-Fluss­kas­ko trägt der Ver­si­che­rer nach Maß­ga­be der ADS und der Poli­ce alle Gefah­ren, denen das ver­si­cher­te Fahr­zeug wäh­rend der Dau­er der Ver­si­che­rung aus­ge­setzt ist. Die Klau­sel erläu­tert im Wei­te­ren, dass zu die­sen Gefah­ren auch der Ersatz an Drit­te infol­ge nau­ti­schen Ver­schul­dens zählt. Die­ser Ersatz an Drit­te wird unter Ziff. 6 BB-Fluss­kas­ko, wel­che die Klau­sel des § 78 ADS ersetzt, näher gere­gelt. Nach Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko leis­tet der Ver­si­che­rer Ersatz für Ver­mö­gens­schä­den, die der Ver­si­che­rungs­neh­mer dadurch erlei­det, dass er auf­grund gesetz­li­cher Bestim­mun­gen Drit­ten gegen­über Schä­den zu erset­zen hat, die unter ande­rem bei der Bewe­gung des ver­si­cher­ten Schif­fes ent­stan­den sind.

Ziff. 6 b BB-Fluss­kas­ko erwei­tert die­sen Schutz dahin­ge­hend, dass für die Ersatz­leis­tung des Ver­si­che­rers unter ande­rem in Fäl­len von Ersatz­an­sprü­chen Drit­ter Schif­fe und Gegen­stän­de im Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers wie frem­des Eigen­tum behan­delt wer­den. Die­se so genann­te Schwes­ter­schiff­klau­sel beruht für den Ver­si­che­rungs­neh­mer erkenn­bar auf der Erwä­gung, dass über den Kas­ko­scha­den hin­aus­ge­hen­de Schä­den, die eines der ver­si­cher­ten Schif­fe an einem ande­ren sei­ner Schif­fe ver­ur­sacht, und die bei Schä­di­gung frem­den Eigen­tums zu gesetz­li­chen Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen die­ses Eigen­tü­mers geführt hät­ten, über Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko nicht gedeckt wären, weil der Ver­si­che­rungs­neh­mer inso­weit nicht als zum Scha­dens­er­satz berech­tig­ter Drit­ter ange­se­hen wer­den könn­te1. Ziff. 6 b BB-Fluss­kas­ko bestimmt des­halb, das geschä­dig­te Schiff wer­de so behan­delt, als ste­he es in frem­dem Eigen­tum. Die­se Fik­ti­on gibt dem Ver­si­che­rungs­neh­mer die Mög­lich­keit, einen Eigen­scha­den vom Ver­si­che­rer im glei­chen Umfang ersetzt zu bekom­men, wie ein geschä­dig­ter Drit­ter dies vom Ver­si­che­rungs­neh­mer ver­lan­gen könn­te. Dem Ver­si­che­rungs­neh­mer soll kein Nach­teil dar­aus ent­ste­hen, dass auch das geschä­dig­te Schiff ihm selbst gehört2. Zugleich dient die Klau­sel damit aber auch dem wirt­schaft­li­chen Inter­es­se des Ver­si­che­rers; denn nur so kön­nen meh­re­re Schif­fe eines Ree­ders im Rah­men eines Ver­si­che­rungs­ver­tra­ges ver­si­chert wer­den. Ande­ren­falls müss­te der Ree­der, woll­te er umfas­sen­den Ver­si­che­rungs­schutz erlan­gen, sein Unter­neh­men in recht­lich selb­stän­di­ge Ein­Schiff­Ge­sell­schaf­ten auf­glie­dern und die ein­zel­nen Schif­fe nach Mög­lich­keit bei unter­schied­li­chen Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men ver­si­chern.

Der Ver­si­che­rungs­ver­trag deckt mit den genann­ten Klau­seln Haft­pflicht­schä­den ab, zu denen der Ersatz für den Nut­zungs­aus­fall eines Schif­fes zählt3. Eine Beschrän­kung der Ver­si­che­rungs­schut­zes auf den Ersatz rei­ner Sach­schä­den kann dem Bedin­gungs­wort­laut nicht ent­nom­men wer­den, der des­halb auch in der Lite­ra­tur ein­hel­lig als ver­trag­li­ches Ele­ment des Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­schut­zes ver­stan­den wird4.

Auch der Fik­ti­on der Ziff. 6 b BB-Fluss­kas­ko, das geschä­dig­te Schiff „wie frem­des Eigen­tum” zu behan­deln, lässt sich — schon vor dem dar­ge­stell­ten wirt­schaft­li­chen Hin­ter­grund — kei­ne der „grund­le­gen­den Struk­tur der Kas­ko-Ver­si­che­rung” angeb­lich ent­spre­chen­de Begren­zung der Ersatz­pflicht auf Sach­schä­den ent­neh­men, etwa weil die Klau­sel ande­ren­falls habe lau­ten müs­sen, dass der Ver­si­che­rungs­neh­mer „wie ein frem­der Eigen­tü­mer” behan­delt wer­de. Die­se Ansicht wür­de die Bedeu­tung der Schwes­ter­schiff­klau­sel im Ergeb­nis dar­auf beschrän­ken, bei Beschä­di­gung eines Schif­fes des Ver­si­che­rungs­neh­mers durch ein Schwes­ter­schiff die ver­ein­bar­te Selbst­be­tei­li­gung (Fran­chise) ent­fal­len zu las­sen. Das kommt in Ziff. 6 a, aa i.V.m. Ziff. 6 b BB-Fluss­kas­ko aber nicht ansatz­wei­se zum Aus­druck. Gin­ge es allein um eine sol­che Begren­zung der Selbst­be­tei­li­gung, hät­te dies deut­lich gere­gelt wer­den müs­sen und auch wesent­lich ein­fa­cher gere­gelt wer­den kön­nen.

Die Vor­aus­set­zun­gen der Ziff. 6 a, aa und b BB-Fluss­kas­ko sind bei den drei in Rede ste­hen­den Vor­fäl­len erfüllt, weil bei­de Schub­leich­ter der Klä­ge­rin­nen jeweils bei der Bewe­gung der die Schä­den ver­ur­sa­chen­den Motor­schif­fe beschä­digt wur­den und ein ande­rer Eigen­tü­mer der beschä­dig­ten Schub­leich­ter auf­grund gesetz­li­cher Bestim­mun­gen vom Eig­ner der Motor­schif­fe Nut­zungs­aus­fall­ersatz hät­te for­dern kön­nen.

Soweit das Beru­fungs­ge­richt vor­wie­gend dar­auf abstellt, bei kei­nem der Unfäl­le habe eine Kol­li­si­on zwi­schen Motor­schiff und Schub­leich­ter statt­ge­fun­den, weil bei­de jeweils im Kop­pe­lungs­ver­band geführt wor­den sei­en und sich inso­weit nicht selb­stän­dig gegen­über­ge­stan­den hät­ten, fin­det dies im Bedin­gungs­wort­laut kei­ne Stüt­ze.

Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen sind nach stän­di­ger Recht­spre­chung so aus­zu­le­gen, wie ein durch­schnitt­li­cher Ver­si­che­rungs­neh­mer sie bei ver­stän­di­ger Wür­di­gung, auf­merk­sa­mer Durch­sicht und Berück­sich­ti­gung des erkenn­ba­ren Sinn­zu­sam­men­hangs ver­ste­hen kann5. Da der Ver­si­che­rungs­neh­mer die Ent­ste­hungs­ge­schich­te einer Klau­sel in der Regel eben­so wenig kennt wie die Moti­ve des Ver­wen­ders, wird er in ers­ter Linie vom Klau­sel­wort­laut und dem sys­te­ma­ti­schen Zusam­men­hang aus­ge­hen, in den eine Klau­sel gestellt ist.

Dem Ver­si­che­rungs­ver­trag lie­gen die ADS und die BB-Fluss­kas­ko zugrun­de. Deren Ziff. 6 a bestimmt, dass ihre nach­fol­gen­den Rege­lun­gen die Klau­sel des § 78 ADS erset­zen. Ver­gleicht ein auf­merk­sa­mer Ver­si­che­rungs­neh­mer bei­de Klau­seln, so erkennt er, dass Ziff. 6 a BB-Fluss­kas­ko die Haf­tung des Ver­si­che­rers gegen­über § 78 ADS erwei­tert6. Wäh­rend § 78 ADS für den Ersatz des Haft­pflicht­scha­dens einen Zusam­men­stoß von Schif­fen vor­aus­setzt, genügt nach Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko, dass die Dritt­schä­den „bei der Bewe­gung des Schif­fes” ent­stan­den sind. Die Klau­sel stellt mit­hin allein dar­auf ab, dass das ver­si­cher­te Schiff in Bewe­gung ist und dabei Beschä­di­gun­gen an einem ande­ren Schiff oder sons­ti­gem Gegen­stand ver­ur­sacht. Dass es dabei zu einer Kol­li­si­on, ins­be­son­de­re einem Zusam­men­stoß selb­stän­dig beweg­ter Ein­hei­ten kom­men muss, lässt sich dem Klau­sel­wort­laut nicht ent­neh­men. Ohne Erfolg ver­weist die Revi­si­ons­er­wi­de­rung inso­weit auf die anders­lau­ten­den Kom­men­tie­run­gen von Remé7 und Enge8, denen zufol­ge auch die der Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko wort­glei­che Klau­sel Nr. 34.1 der DTV-Kas­ko-Klau­seln eine Kol­li­si­on wenn auch nicht not­wen­di­ger­wei­se mit einem ande­ren Schiff vor­aus­setzt. Sie ent­hal­ten zu die­sem Punkt kei­ne nähe­re Begrün­dung und zei­gen ins­be­son­de­re nicht auf, wo dies im Klau­sel­wort­laut zum Aus­druck kommt. Ein in Bewe­gung befind­li­ches Schiff kann Schä­den an ande­ren Sachen auch ohne direk­te Kol­li­si­on ver­ur­sa­chen, etwa durch Sog oder Wel­len­schlag oder dadurch, dass wegen eines ver­kehrs­ord­nungs­wid­ri­gen Fahr­ma­nö­vers ande­re Schiffs­füh­rer zu Aus­weich­be­we­gun­gen ver­an­lasst wer­den, die ihrer­seits zu Schä­den füh­ren9. Der Wort­laut der Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko lässt nicht erken­nen, dass sol­che Schä­den vom Ver­si­che­rungs­schutz aus­ge­nom­men sein sol­len.

Auch steht der Anwen­dung der Schwes­ter­schiff­klau­sel aus Ziff. 6 b BB-Fluss­kas­ko nicht ent­ge­gen, dass die beschä­dig­ten Schub­leich­ter bei allen Unfäl­len im Kop­pe­lungs­ver­band mit Güter­mo­tor­schif­fen des Ver­si­che­rungs­neh­mers geführt wur­den10.

Zwar wer­den Schub- oder Kop­pe­lungs­ver­bän­de in gesetz­li­chen Bestim­mun­gen zur Rege­lung des Ver­kehrs auf Was­ser­stra­ßen, etwa in § 3.01 Nr. 3 a Rhein­schiff­fahrts­po­li­zei­ver­ord­nung, als nau­ti­sche Ein­heit betrach­tet11. Dar­auf kommt es für den hier in Rede ste­hen­den Anspruch der Klä­ge­rin­nen aber des­halb nicht an, weil die allein maß­geb­li­chen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen dar­auf nicht zurück­grei­fen.

Ein all­ge­mei­ner Rechts­grund­satz, dem­zu­fol­ge Schub- oder Kop­pe­lungs­ver­bän­de in jeder auch haf­tungs­recht­li­cher Hin­sicht stets eine untrenn­ba­re Risi­ko­ge­mein­schaft oder Rechts­ein­heit bil­den, besteht nicht12. Das zeigt sich unter ande­rem dar­an, dass das Schub­ab­kom­men, wel­ches seit 1963 in wech­seln­den Fas­sun­gen das Innen­ver­hält­nis zwi­schen Schub­boot­eig­nern und den Eig­nern von Schub­leich­tern regelt, zwar ursprüng­lich von einer sol­chen Risi­ko­ge­mein­schaft aus­ging, seit 1968 jedoch eine ver­schul­dens­ab­hän­gi­ge Haf­tung des Schub­boot­eig­ners auch gegen­über dem Eig­ner eines mit­ge­führ­ten Schub­leich­ters ent­spre­chend den gesetz­li­chen Haf­tungs­be­stim­mun­gen vor­sieht13.

Die Anwen­dung der Schwes­ter­schiff­klau­sel wird auch nicht durch den Umstand aus­ge­schlos­sen, dass die Ver­si­che­rungs­prä­mie aus­weis­lich der Poli­ce jeweils „pro Ver­band (1 x GMS + 1 x SL)” auf 25.000 DM berech­net wur­de. Der durch­schnitt­li­che Ver­si­che­rungs­neh­mer einer Fluss­kas­ko­ver­si­che­rung kann allein die­ser Prä­mi­en­be­rech­nung nicht ent­neh­men, dass damit ein selb­stän­di­ger Ver­si­che­rungs­schutz für ver­si­cher­te Schub­leich­ter im Innen­ver­hält­nis gegen­über dem dazu gehö­ri­gen Güter­mo­tor­schiff ent­fal­len soll. Dage­gen spricht, dass Motor­schif­fe und Schub­leich­ter der Klä­ge­rin­nen in der „Anla­ge zur Cover Note” geson­dert als ver­si­cher­te Gegen­stän­de auf­ge­führt und für Schub­boo­te einer­seits und Schub­leich­ter ande­rer­seits unter­schied­li­che Selbst­be­tei­li­gun­gen („Fran­chisen”) ver­ein­bart sind. Für einen selb­stän­di­gen Ver­si­che­rungs­schutz zuguns­ten der Schub­leich­ter spricht im Übri­gen, dass sich die Schwes­ter­schiff­klau­sel ohne Ein­schrän­kung auf alle „Schif­fe und Gegen­stän­de im Eigen­tum des Ver­si­che­rungs­neh­mers” erstreckt. Woll­ten die Beklag­ten des­sen unge­ach­tet eine Beschrän­kung für im Schub- oder Kop­pe­lungs­ver­band mit­ge­führ­te Schub­leich­ter vor­neh­men und die­se Ver­bän­de ledig­lich wie ein Schiff als Ein­heit ver­si­chern, so hät­ten sie dies im Ver­si­che­rungs­ver­trag in trans­pa­ren­ter Wei­se zum Aus­druck brin­gen müs­sen.

Stün­den die beschä­dig­ten Schub­leich­ter im Eigen­tum Drit­ter, so könn­ten die­se von der Eig­ne­rin der ver­si­cher­ten scha­den­ver­ur­sa­chen­den Motor­schif­fe auf­grund gesetz­li­cher Bestim­mun­gen Ersatz für Nut­zungs­aus­fall for­dern und damit den von Ziff. 6 a, aa BB-Fluss­kas­ko vor­aus­ge­setz­ten Haf­tungs­scha­den her­bei­füh­ren. Die dazu erho­be­ne Gegen­rü­ge der Beklag­ten hat kei­nen Erfolg.

Dem Anspruch eines Drit­ten auf Ersatz des Nut­zungs­aus­fal­les könn­te nicht ent­ge­gen gehal­ten wer­den, dass die unfall­ver­ur­sa­chen­den Schiffs­füh­rer der Klä­ge­rin­nen in allen drei Fäl­len sowohl die betei­lig­ten Motor­schif­fe als auch — wegen der Kop­pe­lung — die jeweils beschä­dig­ten Schiffs­leich­ter führ­ten. Zwar wäre bei einer Kol­li­si­on zwei­er von jeweils eige­nen Besat­zun­gen geführ­ter Schif­fe unter­schied­li­cher Schiffs­eig­ner im Rah­men der Haf­tung des Unfall­ver­ur­sa­chers danach zu fra­gen, inwie­weit ein Mit­ver­schul­den der Schiffs­füh­rung des geschä­dig­ten Schif­fes zum Scha­den bei­getra­gen hat. Auch wäre bei der Beschä­di­gung des gesam­ten Schub­ver­ban­des durch ein ande­res Schiff ein Mit­ver­schul­den der Besat­zung des Schub­boo­tes zugleich dem im Kop­pe­lungs­ver­band mit­ge­führ­ten Schub­leich­ter zuzu­rech­nen14. Im Innen­ver­hält­nis zwi­schen Schub­boot und Schub­leich­ter gilt dies aber nicht. Viel­mehr hät­te der Eig­ner eines im Ver­band mit­ge­führ­ten und durch Ver­schul­den der Besat­zung des Motor­schif­fes beschä­dig­ten Leich­ters gegen den Eigen­tü­mer des Schub­boo­tes neben mög­li­chen Ansprü­chen aus dem Schub­ab­kom­men15 oder aus §§ 280, 278 BGB delik­ti­sche Ansprü­che aus §§ 823 Abs. 1, 831 BGB und § 3 Abs. 1 BinSchG16. Dar­auf, dass sei­ne eige­ne Besat­zung zugleich Besat­zung des Schiffs­leich­ters gewe­sen und des­halb der Scha­dens­er­satz­an­spruch wegen Mit­ver­schul­dens zu min­dern sei, könn­te sich der Eig­ner des Schub­boo­tes nicht beru­fen17.

Die Fra­ge des Mit­ver­schul­dens der Schub­boot­be­sat­zung in ihrer gleich­zei­ti­gen Eigen­schaft als Besat­zung des Schub­leich­ters stellt sich bei Anwen­dung der Schwes­ter­schiff­klau­sel aber auch aus einem wei­te­ren Grun­de nicht. Der Ver­si­che­rungs­ver­trag gewährt gera­de auch Schutz gegen Schä­den, die durch ein Ver­schul­den der jewei­li­gen Schiffs­be­sat­zun­gen her­bei­ge­führt wor­den sind. Nach § 33 Abs. 1 ADS hat der Ver­si­che­rer dem Ver­si­che­rungs­neh­mer unge­ach­tet sei­ner Leis­tungs­frei­heit bei vor­sätz­li­cher oder fahr­läs­si­ger Her­bei­füh­rung des Ver­si­che­rungs­fal­les durch den Ver­si­che­rungs­neh­mer selbst den durch eine feh­ler­haf­te Füh­rung des Schif­fes (nau­ti­sches Ver­schul­den) ver­ur­sach­ten Scha­den zu erset­zen. Das Ver­hal­ten der Schiffs­füh­rung als sol­cher muss sich der Ver­si­che­rungs­neh­mer dabei nach § 33 Abs. 3 ADS nicht zurech­nen las­sen. Ergän­zend dazu bestimmt § 17 BB-Fluss­kas­ko, die „Haf­tung die­ser Ver­si­che­rung” wer­de nicht dadurch aus­ge­schlos­sen, dass der Scha­den auf eine Nach­läs­sig­keit „der Schiff­be­sat­zung oder des Vizen” zurück­zu­füh­ren ist. Aus der Zusam­men­schau die­ser Klau­seln ergibt sich für den Ver­si­che­rungs­neh­mer, dass er sich ein Fehl­ver­hal­ten sei­ner Schiffs­be­sat­zun­gen auch dann nicht ent­ge­gen­hal­ten las­sen muss, wenn er gestützt auf die Schwes­ter­schiff­klau­sel Ansprü­che wie ein geschä­dig­ter Drit­ter erhebt. Inso­fern kann anders als das Beru­fungs­ge­richt meint kei­ne Rede davon sein, dass Ver­si­che­rer bei Anwen­dung der Schwes­ter­schiff­klau­sel allein aus Kulanz dar­auf ver­zich­te­ten, ein Mit­ver­schul­den der Schiffs­be­sat­zung des geschä­dig­ten Schif­fes anspruchs­min­dernd zu berück­sich­ti­gen. Viel­mehr höhl­te eine sol­che Anrech­nung den mit der Schwes­ter­schiff­klau­sel ver­spro­che­nen Ver­si­che­rungs­schutz jeden­falls bei der Beschä­di­gung von in Schub- oder Kop­pe­lungs­ver­bän­den mit­ge­führ­ten Schif­fen teil­wei­se aus, weil ein Ver­schul­den der Schiffs­be­sat­zung glei­che Bedeu­tung für die Unfall­be­tei­li­gung bei­der ver­si­cher­ter Fahr­zeu­ge hät­te und so regel­mä­ßig zu einer Hal­bie­rung der Ver­si­che­rungs­leis­tung füh­ren müss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 18. April 2012 — IV ZR 28311

  1. vgl. für die Kfz-Haft­pflicht­ver­si­che­rung: BGH, Urteil vom 25.06.2008 IV ZR 31306, r+s 2008, 372 Rn. 15 []
  2. Remé, VersR 1979, 293, 295 []
  3. OLG Ham­burg OLGR 2005, 29, 30; Enge, Erläu­te­run­gen zu den DTVKas­ko­k­lau­seln 1978, 1980 S. 96 []
  4. Schwam­pe in Thume/​de la Motte/​Ehlers, Trans­port­ver­si­che­rungs­recht 2. Aufl.2011, Teil 6 AVB­Kas­ko­ver­si­che­rung Rn. 302; Remé aaO S. 294; Enge aaO; vgl. auch OLG Ham­burg aaO []
  5. BGH, Urtei­le vom 23.06.1993 — IV ZR 13592, BGHZ 123, 83, 85; vom 17.12.2008 — IV ZR 908, VersR 2009, 341 Rn. 16 m.w.N. []
  6. vgl. auch Remé aaO []
  7. aaO []
  8. Erläu­te­run­gen zu den DTV-Kas­ko-Klau­seln 1978 S. 96 f. []
  9. wei­te­re Bei­spie­le bei Schwam­pe aaO Rn. 302 []
  10. vgl. auch OLG Ham­burg aaO []
  11. vgl. RhSchOG Köln VersR 1977, 276 []
  12. vgl. BGH, Urteil vom 19.12.1977 II ZR 14876, BGHZ 70, 127, 129; RhSchOG Köln aaO []
  13. vgl. dazu BGH, Urteil vom 12.06.1989 II ZR 23088, VersR 1989, 934 unter 4 b []
  14. vgl. BGH, Urteil vom 19.12.1977 aaO BGHZ 70, 127, 129 f.; RhSchOG Köln aaO []
  15. vgl. dazu BGH, Urteil vom 12.06.1989 — II ZR 23088, VersR 1989, 934 unter 4 []
  16. zur Rechts­na­tur die­ser Bestim­mung vgl. von Wald­stein, Bin­SchR 5. Aufl. § 3 BinSchG Rn. 4 ff., 11 ff. []
  17. vgl. dazu BGH, Urteil vom 17.10.1983 — II ZR 9783, BGHZ 88, 309 unter 3, wo sogar bei der Außen­haf­tung eine Ver­ant­wort­lich­keit des Leich­t­er­eig­ners für Feh­ler der Besat­zung des Schub­boo­tes ver­neint wird; a.A. RhSchOG Köln aaO []