UN-Kaufrecht und der Schuldbeitritt aufgrund Firmenfortführung

Bei einem dem UN-Kauf­rechts­über­ein­kom­men (CISG) unter­lie­gen­den inter­na­tio­na­len Waren­kauf beur­teilt sich ein gesetz­li­cher Schuld­bei­tritt auf­grund Fir­men­fort­füh­rung nach dem am Ort der gewerb­li­chen Nie­der­las­sung des fort­ge­führ­ten Unter­neh­mens gel­ten­den Recht (Fir­men­sta­tut).

UN-Kaufrecht und der Schuldbeitritt aufgrund Firmenfortführung

Für die auf eine Fir­men­fort­füh­rung gestütz­te Haf­tung des Käu­fers fin­det unver­ein­heit­lich­tes deut­sches Recht und damit § 25 Abs. 1 Satz 1 HGB Anwen­dung. Denn der Kauf­preis­an­spruch (Art. 53 CISG) auf­grund eines (gesetz­li­chen oder ver­trag­li­chen) Schuld­bei­tritts beruht nicht auf einer vom Schuld­ner nach Maß­ga­be von Art. 14 ff. CISG ori­gi­när ein­ge­gan­ge­nen Ver­pflich­tung, son­dern dar­auf, dass der Bei­tre­ten­de die in der Per­son der Schuld­ne­rin begrün­de­ten kauf­ver­trag­li­chen Pflich­ten nach­träg­lich über­nom­men haben soll. Die­se Fra­ge behan­delt das UN-Kauf­rechts­über­ein­kom­men, das nach Art. 4 Satz 1 CISG aus­schließ­lich den Abschluss des Kauf­ver­tra­ges und die aus ihm erwach­sen­den Rech­te und Pflich­ten des Ver­käu­fers und des Käu­fers regelt, nicht. Sie ist viel­mehr nach Maß­ga­be des nach den Regeln des inter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts zu bestim­men­den natio­na­len Rechts zu beant­wor­ten.

Es besteht in der inter­na­tio­na­len Rechts­pra­xis weit­ge­hen­de Über­ein­stim­mung, dass sich die Vor­aus­set­zun­gen, Wir­kun­gen und Fol­gen einer Schuld­über­nah­me und eines Schuld­bei­tritts allein nach dem hier­für anwend­ba­ren natio­na­len Recht beur­tei­len1. Das hat erst recht zu gel­ten, wenn ein Schuld­bei­tritt, wie er in § 25 HGB gere­gelt ist, nicht auf ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung beruht, son­dern bei Erfül­lung bestimm­ter Vor­aus­set­zun­gen nach­träg­lich kraft Geset­zes ein­tritt2.

Für die Haf­tung des Erwer­bers aus einer Fir­men­fort­füh­rung für Ver­bind­lich­kei­ten des fort­ge­führ­ten Unter­neh­mens ist nach — jeden­falls für die hier maß­geb­li­che Zeit vor Inkraft­tre­ten der Rom­Ver­ord­nun­gen — all­ge­mei­ner Auf­fas­sung nicht an das — vor­lie­gend ita­lie­ni­sche — Ver­trags­sta­tut, das dazu in Art. 2560 Abs. 2 CC eige­ne Regeln ent­hält3, son­dern an das Recht am Ort der gewerb­li­chen Nie­der­las­sung des fort­ge­führ­ten Unter­neh­mens als dem Fir­men­sta­tut anzu­knüp­fen. Denn allein die­ses Recht ist beru­fen, über einen kraft Geset­zes ein­tre­ten­den Über­gang von Rech­ten und Pflich­ten aus einem in sei­nem Gel­tungs­be­reich ansäs­si­gen Han­dels­ge­schäft im Fal­le der Fort­füh­rung durch einen Drit­ten zu ent­schei­den4. Das führt ange­sichts der in Deutsch­land gele­ge­nen Nie­der­las­sung der Schuld­ne­rin kol­li­si­ons­recht­lich zur Anwend­bar­keit von § 25 HGB.

Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 23. Okto­ber 2013 — VIII ZR 42312

  1. Staudinger/​Magnus, BGB, Neubearb.2013, Art. 4 CISG Rn. 57 mwN []
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 08.05.1989 — II ZR 23788, WM 1989, 1219 unter 3 b; vom 05.03.1974 — VI ZR 24073, WM 1974, 395, 396; vom 26.11.1964 — VII ZR 7563, BGHZ 42, 381, 384; RGZ 135, 104, 107 f.; eben­so zum gesetz­li­chen For­de­rungs­über­gang von Ansprü­chen aus der CMR BGH, Urteil vom 12.02.1998 — I ZR 596, WM 1998, 2077 unter II 1 b aa []
  3. dazu Merkt/​Dunckel, RIW 1996, 533, 536 []
  4. Münch­Komm-BGB/Kind­ler, 5. Aufl., Int­GesR Rn. 253; Merkt/​Dunckel, aaO S. 542; Frei­tag, ZHR 174 [2010], 429, 431 f.; jeweils mwN []