Anteilsbewertung und Währungsschwankungen

Nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG 197 n.F. 1 sind nicht abnutz­ba­re Wirt­schafts­gü­ter des Betriebs­ver­mö­gens im Grund­satz mit ihren Anschaf­fungs- oder Her­stel­lungs­kos­ten anzu­set­zen. Jedoch kann für sol­che Wirt­schafts­gü­ter gemäß § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG 1997 n.F. der Teil­wert ange­setzt wer­den, wenn die­ser auf­grund einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung nied­ri­ger ist. Bei­de Rege­lun­gen und damit auch die Anfor­de­run­gen an die steu­er­recht­li­che Berück­sich­ti­gung einer Teil­wert­ab­schrei­bung sind nach § 8 Abs. 1 KStG 1999 auch für die fest­zu­set­zen­de Kör­per­schaft­steu­er zu beach­ten.

Anteilsbewertung und Währungsschwankungen

Eine vor­aus­sicht­lich dau­ern­de Wert­min­de­rung i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG 1997 n.F. liegt vor, wenn der Teil­wert nach­hal­tig unter den maß­geb­li­chen Buch­wert gesun­ken ist2 und des­halb aus Sicht des Bilanz­stich­tags auf­grund objek­ti­ver Anzei­chen ernst­lich mit einem lang­fris­ti­gen Anhal­ten der Wert­min­de­rung gerech­net wer­den muss3. Hier­für bedarf es einer an der Eigen­art des Wirt­schafts­gu­tes aus­ge­rich­te­ten Pro­gno­se4.

Der Bun­des­fi­nanz­hof kann offen las­sen, ob im Streit­fall die Kla­ge bereits des­halb kei­nen Erfolg haben kann, weil eine Teil­wert­ab­schrei­bung auf die Betei­li­gung an einer nicht bör­sen­no­tier­ten Kapi­tal­ge­sell­schaft ‑vom Vor­lie­gen einer Fehl­maß­nah­me abge­se­hen- vor­aus­setzt, dass sich der inne­re Wert des Betei­li­gungs­un­ter­neh­mens ver­min­dert hat, und Letz­te­res nicht allein durch den Anfall hoher Ver­lus­te begrün­det wer­den kann, son­dern einer umfas­sen­den und ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Wür­di­gung der Ertrags­la­ge und Ertrags­aus­sich­ten sowie des Ver­mö­gens­werts und der funk­tio­na­len Bedeu­tung des Betei­li­gungs­un­ter­neh­mens erfor­dert5.

Hier­auf ist des­halb nicht ein­zu­ge­hen, weil nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs6 Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten grund­sätz­lich mit dem Kurs im Zeit­punkt der Dar­le­hens­auf­nah­me zu bilan­zie­ren sind und bei Kre­di­ten mit einer Rest­lauf­zeit von zumin­dest zehn Jah­ren nicht jeder Kurs­ver­lust zur Annah­me einer vor­aus­sicht­lich dau­er­haf­ten Wert­ver­än­de­rung berech­tigt; ein sol­cher Wäh­rungs­ver­lust kann des­halb auch kein Anlass dafür sein, die Kre­dit­schuld steu­er­bi­lan­zi­ell mit einem höhe­ren Wert aus­zu­wei­sen (vgl. § 6 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. Nr. 2 Satz 2 EStG 1997 n.F.). Der Bun­des­fi­nanz­hof hat sich die­ser Recht­spre­chung ange­schlos­sen und hier­bei dar­auf hin­ge­wie­sen, dass im Zusam­men­hang mit Ver­bind­lich­kei­ten deren gesam­te Lauf­zeit zu betrach­ten ist7.

Hier­an ist auch für den Streit­fall mit der Fol­ge fest­zu­hal­ten, dass eine Höher­be­wer­tung der Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten, die erst in den Jah­ren 2019 und 2024 zurück­zu­zah­len waren, auf­grund des Kurs­an­stiegs des Schwei­zer Fran­ken in der Steu­er­bi­lanz der X‑GmbH zum 31.12 2000 bei einer zutref­fen­den Beur­tei­lung der mate­ri­el­len Rechts­la­ge nicht hät­te aner­kannt wer­den dür­fen. Dem­ge­mäß war die Kurs­ver­än­de­rung zum Ende des Streit­jah­res (2000) auch nicht geeig­net, eine Teil­wert­ab­schrei­bung wegen einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Min­de­rung der in der Bilanz der X‑AG aus­ge­wie­se­nen Betei­li­gung an ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft (X‑GmbH) zu recht­fer­ti­gen. Ob ‑was nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Finanz­ge­richt sowie dem Vor­trag der Betei­lig­ten nahe­lie­gend erscheint- der Kurs­ge­winn des Schwei­zer Fran­ken tat­säch­lich die Kör­per­schaft­steu­er 2000 der X‑GmbH gemin­dert hat, ist für den Bilanz­aus­weis der Betei­li­gung bei der X‑AG uner­heb­lich. Abge­se­hen davon, dass es sich bei der Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­keit der X‑GmbH und der Betei­li­gung der X‑AG um zwei Wirt­schafts­gü­ter gehan­delt hat, besteht jeden­falls weder eine mate­ri­ell-recht­li­che noch eine ver­fah­rens­recht­li­che Bin­dung des Betei­li­gungs­aus­wei­ses an die ‑mög­li­cher­wei­se feh­ler­haf­te- bilan­zi­el­le Behand­lung auf der Stu­fe des Betei­li­gungs­un­ter­neh­mens (X‑GmbH). Maß­geb­lich ist des­halb die zutref­fen­de und vor­ste­hend erläu­ter­te mate­ri­el­le Rechts­la­ge, nach der im Rah­men der gebo­te­nen steu­er­recht­li­chen Betrach­tung8 die Wech­sel­kursände­run­gen im Streit­fall kei­ne vor­aus­sicht­lich dau­ern­de Wert­min­de­rung des Betei­li­gungs­aus­wei­ses tra­gen kön­nen.

Die hier­ge­gen erho­be­nen Ein­wän­de füh­ren zu kei­ner ande­ren Beur­tei­lung.

Der Hin­weis dar­auf, dass die dem Streit­jahr zugrun­de lie­gen­de Bilanz erst nach den Anschlä­gen vom 11.09.2001 erstellt wor­den sei und zu einer fun­da­men­ta­len Ände­rung der öko­no­mi­schen Erwar­tun­gen geführt habe, geht fehl. Zwar hat ‑wie erläu­tert- der BFH bis­her noch nicht dazu Stel­lung genom­men, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen aus­nahms­wei­se von einer dau­er­haf­ten Wäh­rungs­kurs­ver­än­de­rung aus­zu­ge­hen ist. Auch im Streit­fall bedarf dies kei­ner Erör­te­rung, weil es sich bei den Anschlä­gen ‑bezo­gen auf die Ver­hält­nis­se zum Bilanz­stich­tag (31.12 2000)- nicht um wert­auf­hel­len­de, son­dern um spä­ter ein­ge­tre­te­ne und damit unbe­acht­li­che Umstän­de han­delt. Hin­zu kommt, dass am 11.09.2001 die gesetz­li­che Frist für die Auf­stel­lung des Jah­res­ab­schlus­ses der X‑AG ver­stri­chen (vgl. § 264 Abs. 1 Satz 3 und 4 des Han­dels­ge­setz­bu­ches) und damit auch der sog. Wert­auf­hel­lungs­zeit­raum abge­lau­fen war9.

Eben­so wenig greift der Hin­weis dar­auf durch, dass sich in Fol­ge des Kurs­an­stiegs des Schwei­zer Fran­ken der Gesell­schaf­ter der X‑AG für die Fremd­wäh­rungs­ver­bind­lich­kei­ten der X‑GmbH ver­bürgt habe. Abge­se­hen davon, dass eine sol­che Siche­rung für das funk­tio­na­le Gewicht und damit den inne­ren Wert der Betei­li­gung an der X‑GmbH spricht, lässt der Ein­wand außer Acht, dass der Anspruch auf eine Nach­si­che­rung der Kre­dit­ge­ber Gegen­stand der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen war und die Siche­rungs­an­sprü­che nach den Fest­stel­lun­gen der Vor­in­stanz bereits dann bestan­den, wenn der Kurs des Schwei­zer Fran­ken bezo­gen auf die Ver­hält­nis­se der Dar­le­hens­auf­nah­me um zumin­dest 5 % steigt. Letz­te­rem kann indes im Rah­men des steu­er­recht­li­chen Teil­wert­aus­wei­ses kei­ne Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den, da hier­für ‑d.h. bei der Fra­ge einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­ver­än­de­rung i.S. von § 6 Abs. 1 Nr. 3 i.V.m. Nr. 2 Satz 2 EStG 1997 n.F.- nicht die ein­zel­ver­trag­li­chen Siche­rungs­ab­re­den maß­ge­bend sind, son­dern von dem Grund­satz aus­zu­ge­hen ist, dass bei lang­fris­ti­gen Dar­le­hen Wech­sel­kurs­schwan­kun­gen regel­mä­ßig nicht mit der Annah­me einer vor­aus­sicht­lich dau­er­haf­ten Ver­än­de­rung der Fremd­wäh­rungs­schuld ver­bun­den sind.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 4. Febru­ar 2014 — I R 5312

  1. i.d.F. des Steu­er­ent­las­tungs­ge­set­zes 1999÷2000÷2002 vom 24.03.1999, BGBl I 1999, 402, BSt­Bl I 1999, 304
  2. BT-Drs. 14443, S. 22; BFH, Urteil vom 09.09.1986 — VIII R 2085, BFH/​NV 1987, 442
  3. BFH, Urteil vom 27.11.1974 — I R 12373, BFHE 114, 415, BSt­Bl II 1975, 294
  4. BFH, Urteil vom 14.03.2006 — I R 2205, BFHE 212, 526, BSt­Bl II 2006, 680
  5. stän­di­ge Recht­spre­chung; z.B. BFH, Urteil vom 06.11.2003 — IV R 1001, BFHE 204, 438, BSt­Bl II 2004, 416; BFH, Urteil vom 28.04.2004 — I R 2003, BFH/​NV 2005, 19, jeweils m.w.N.; zur Ein­zel­fall­prü­fung s. BFH, Urteil vom 19.08.2009 — III R 7907, BFH/​NV 2010, 610; zur Teil­wert­ab­schrei­bung auf bör­sen­no­tier­te Akti­en sowie Akti­en­fonds s. BFH, Urtei­le vom 21.09.2011 — I R 8910, BFHE 235, 263, und — I R 711, BFHE 235, 273
  6. BFH, Urteil vom 23.04.2009 — IV R 6206, BFHE 224, 564, BSt­Bl II 2009, 778
  7. BFH, Urteil vom 08.06.2011 — I R 9810, BFHE 234, 137, BSt­Bl II 2012, 716; vgl. auch BFH, Urteil in BFHE 235, 263
  8. s. hier­zu BFH, Urtei­le vom 26.09.2007 — I R 5806, BFHE 219, 100, BSt­Bl II 2009, 294; in BFHE 235, 263
  9. BFH, Beschluss vom 12.12 2012 — I B 2712, BFH/​NV 2013, 545, m.w.N.