Ausfuhrerstattung — und der Tierschutz

Aus­fuhr­er­stat­tung kön­nen wegen Ver­sto­ßes gegen tier­schutz­recht­li­che Vor­schrif­ten beim Eisen­bahn­trans­port von leben­den Rin­dern ver­sagt wer­den.

Ausfuhrerstattung — und der Tierschutz

VO Nr. 61598 setzt für die Zah­lung der Aus­fuhr­er­stat­tung (u.a.) die Ein­hal­tung der RL 91/​628/​EWG vor­aus. Damit sind auch die Vor­schrif­ten der RL 91/​628/​EWG über die maxi­ma­le Trans­port­dau­er ein­zu­hal­ten, die nach dem Urteil „Viamex Agrar Han­del” des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on1 auch auf Eisen­bahn­trans­por­te anzu­wen­den sind.

Die Über­schrei­tung der maxi­ma­len Trans­port­dau­er ist auch nicht des­halb als geheilt anzu­se­hen, bzw. die Aus­fuhr­er­stat­tung aus Ver­trau­ens­schutz­grün­den zu gewäh­ren, weil die Aus­füh­re­rin sei­ner­zeit habe anneh­men dür­fen, die tier­schutz­recht­li­chen Trans­port­vor­schrif­ten der RL 91/​628/​EWG fän­den bei Eisen­bahn­trans­por­ten kei­ne Anwen­dung. Die Vor­schrift der RL 91/​628/​EWG über die maxi­ma­le Trans­port­dau­er betrifft das Wohl­be­fin­den der Tie­re wäh­rend der Beför­de­rung. Die Nicht­be­ach­tung die­ser Vor­schrift hat im Streit­fall sämt­li­che Tie­re des Trans­ports betrof­fen, die­ser Ver­stoß ist nicht geheilt wor­den und die voll­stän­di­ge Ver­sa­gung der Aus­fuhr­er­stat­tung ist daher nicht unver­hält­nis­mä­ßig.

Der Ansicht, auch bei einem Über­schrei­ten der maxi­ma­len Trans­port­dau­er sei eine Hei­lung des Ver­sto­ßes gegen die Richt­li­nie 91/​628/​EWG mög­lich, wenn nach­ge­wie­sen sei, dass dadurch kei­ne Gefähr­dungs­la­ge, also kei­ne Situa­ti­on geschaf­fen wor­den sei, die das Wohl­be­fin­den der Tie­re hät­te beein­träch­ti­gen kön­nen, ist nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs nicht zu fol­gen.

Der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes kann nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Uni­ons­ge­richts­hofs, der sich der Bun­des­fi­nanz­hof ange­schlos­sen hat, nicht gegen eine kla­re uni­ons­recht­li­che Bestim­mung ange­führt wer­den und das uni­ons­rechts­wid­ri­ge Ver­hal­ten einer für die Anwen­dung des Uni­ons­rechts zustän­di­gen natio­na­len Behör­de kann kein berech­tig­tes Ver­trau­en eines Wirt­schafts­teil­neh­mers dar­auf begrün­den, in den Genuss einer uni­ons­rechts­wid­ri­gen Behand­lung zu kom­men2.

Bei Art. 1 VO Nr. 61598 han­delt es sich um eine kla­re uni­ons­recht­li­che Bestim­mung, die für die Zah­lung der Aus­fuhr­er­stat­tung für aus­ge­führ­te leben­de Rin­der ver­langt, dass wäh­rend des Trans­ports der Tie­re die tier­schutz­recht­li­chen Vor­schrif­ten der RL 91/​628/​EWG ein­ge­hal­ten wor­den sind. Es kommt daher ein­deu­tig nicht auf die Ein­hal­tung natio­na­ler Trans­port­vor­schrif­ten an. Dass der natio­na­le Ver­ord­nungs­ge­ber mit § 24 Abs. 5 TierSchTrV die Richt­li­nie feh­ler­haft umge­setzt hat, ist somit für den Streit­fall ohne Belang.

Die Aus­füh­re­rin kann sich auch nicht mit Erfolg dar­auf beru­fen, dass die tier­schutz­recht­li­chen Trans­port­vor­schrif­ten der RL 91/​628/​EWG ins­ge­samt unklar gewe­sen sei­en und mehr­fach zu Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen Anlass gege­ben hät­ten. Eine ‑nach­dem die Aus­le­gung der maß­ge­ben­den uni­ons­recht­li­chen Vor­schrif­ten geklärt ist- uni­ons­rechts­wid­ri­ge Behand­lung zu sei­nen Guns­ten kann der Wirt­schafts­be­tei­lig­te nicht ver­lan­gen, was erst recht dann gel­ten muss, wenn die Aus­fuhr­er­stat­tung ‑wie im Streit­fall- noch gar nicht gewährt wor­den ist, son­dern erst dar­über zu ent­schei­den ist, ob der Aus­füh­rer sei­nen Erstat­tungs­an­spruch nach­ge­wie­sen hat3.

Die gegen­tei­li­ge Rechts­an­sicht lie­fe dar­auf hin­aus, einen Anspruch auf Zah­lung von Aus­fuhr­er­stat­tung, des­sen Vor­aus­set­zun­gen nicht gege­ben sind, gleich­wohl für begrün­det zu hal­ten, weil der Aus­füh­rer sei­ner­zeit glaub­te, die Vor­aus­set­zun­gen für den Erstat­tungs­an­spruch zu erfül­len. Die­ses Ergeb­nis lässt sich mit dem Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes nicht begrün­den. Wer eine auf­grund öffent­lich-recht­li­cher Vor­schrif­ten gewähr­te Sub­ven­ti­on in Anspruch zu neh­men gedenkt und ent­spre­chen­de Dis­po­si­tio­nen trifft, trägt das Risi­ko, dass die maß­ge­ben­den Vor­schrif­ten durch die zustän­di­gen Gerich­te anders als zuvor von ihm ver­mu­tet aus­ge­legt wer­den und er die bean­trag­te Sub­ven­ti­on nicht erhält.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 13. Mai 2015 — VII R 6313

  1. EuGH, Urteil „Viamex Agrar Han­del”, EU:C:2011:440, ZfZ 2011, 243 []
  2. EuGH, Urteil Agro­ferm vom 20.06.2013 — C‑568/​11, EU:C:2013:407, ZfZ 2013, 249, Rz 52, m.w.N.; BFH, Urteil vom 18.05.1993 — VII R 7092, BFH/​NV 1994, 208 []
  3. BFH, Urteil vom 24.08.2010 — VII R 4709, BFHE 231, 437, ZfZ 2010, 334 []