Ausfuhrnachweise und Steuerhinterziehung

Bei Aus­fuhr­lie­fe­run­gen (§ 6 UStG) muss der Unter­neh­mer durch geeig­ne­te Bele­ge nach­wei­sen, dass er oder der Abneh­mer den Gegen­stand der Lie­fe­rung in das Dritt­lands­ge­biet beför­dert oder ver­sen­det hat (Aus­fuhr­nach­weis). Die Vor­aus­set­zung muss sich, so bestimmt es § 8 Abs. 1 USt­DV, aus den Bele­gen ein­deu­tig und leicht nach­prüf­bar erge­ben.

Ausfuhrnachweise und Steuerhinterziehung

Was aber, wenn die­se ein­deu­ti­ge und leich­te Nach­prüf­bar­keit so nicht gege­ben ist? Bis­her hat der Bun­des­ge­richts­hof in sol­chen Fäl­len den Straf­tat­be­stand der Steu­er­hin­ter­zie­hung als erfüllt ange­se­hen, und zwar selbst dann, wenn die Aus­fuhr tat­säch­lich statt­ge­fun­den hat. Doch nun voll­zieht der Bun­des­ge­richts­hof — wie zuvor bereits für die inner­ge­mein­schaft­li­chen Lie­fe­run­gen1 — auch bei der Aus­fuhr­lie­fe­rung für das Steu­er­straf­recht eine Recht­spre­chungs­än­de­rung nach, die der Bun­des­fi­nanz­hof im Rah­men des mate­ri­el­len Umsatz­steu­er­rechts bereits zuvor gegan­gen war2.

Auf­grund des feh­len­den mate­ri­ell-recht­li­chen Cha­rak­ters der Nach­weis­pflich­ten sind, so der BGH nun­mehr aus­drück­lich, sowohl inner­ge­mein­schaft­li­che Lie­fe­run­gen3 als auch Aus­fuhr­lie­fe­run­gen im Sin­ne von § 6 UStG4 trotz Nicht­er­fül­lung der Nach­weis­pflich­ten grund­sätz­lich steu­er­frei, wenn auf­grund der objek­ti­ven Beweis­la­ge fest­steht, dass die Vor­aus­set­zun­gen von Aus­fuhr­lie­fe­run­gen vor­lie­gen. Danach kann eine Ver­ur­tei­lung wegen Hin­ter­zie­hung von Umsatz­steu­er nicht allein dar­auf gestützt wer­den, dass der Unter­neh­mer den ihm oblie­gen­den Nach­weis­pflich­ten nach §§ 8 ff. USt­DV bzw. §§ 17a ff. USt­DV nicht ent­spro­chen hat5.

Soweit in der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung im Anschluss an die dama­li­ge Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs6 bei Aus­fuhr­lie­fe­run­gen im Sin­ne von § 6 UStG auch in steu­er­straf­recht­li­cher Hin­sicht von ande­ren Grund­sät­zen aus­ge­gan­gen wur­de7, hält der Bun­des­ge­richts­hof in Über­ein­stim­mung mit der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs dar­an aus­drück­lich nicht mehr fest.

Die Ein­hal­tung der für Aus­fuhr­lie­fe­run­gen im Sin­ne von § 6 UStG vor­ge­se­he­nen Nach­weis­pflich­ten (§§ 8 ff. USt­DV) ist kei­ne mate­ri­ell­recht­li­che Vor­aus­set­zung der Umsatz­steu­er­be­frei­ung, die Nicht­ein­hal­tung begrün­det mit­hin kei­ne Straf­bar­keit wegen Steu­er­hin­ter­zie­hung. Dies ent­schied jetzt der Bun­des­ge­richts­hof und gab damit sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung8 auf.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. August 2009 — 1 StR 20609

  1. zum Steu­er­recht: BFHE 219, 422, 469; zum Steu­er­straf­recht: BGHSt 53, 45 []
  2. BFH DStR 2009, 1636 []
  3. vgl. inso­weit BFHE 219, 422 und 469, sie­he auch BGHSt 53, 45 []
  4. vgl. inso­weit BFH DStR 2009, 1636 []
  5. vgl. hin­sicht­lich §§ 17a ff. USt­DV bereits BGHSt 53, 45 []
  6. BFHE 130, 118; BFH/​NV 1996, 184; BFH BSt­Bl II 1995, 515; BFH/​NV 2001, 212 []
  7. BGHSt 31, 248, BGH wis­tra 1989, 190 []
  8. BGHSt 31, 248 []