Besteuerung von Investmentanteilen in Belgien

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat Bel­gi­en förm­lich auf­ge­for­dert, sei­ne Steu­er­ge­set­ze zu ändern, weil danach Inha­ber­pa­pie­re, die bei einer in Bel­gi­en ansäs­si­gen Bank hin­ter­legt wur­den, in einem Wert­pa­pier­kon­to in Bel­gi­en ein­ge­tra­ge­ne ent­ma­te­ria­li­sier­te Papie­re und bestimm­te von bel­gi­schen Invest­ment­ge­sell­schaf­ten aus­ge­schüt­te­te Divi­den­den güns­ti­ger besteu­ert wer­den als ver­gleich­ba­re Divi­den­den von in ande­ren Län­dern des EWR ansäs­si­gen Invest­ment­ge­sell­schaf­ten1. Nach Auf­fas­sung der Kom­mis­si­on sind die­se Rechts­vor­schrif­ten unver­ein­bar mit den Grund­frei­hei­ten gemäß Arti­kel 49 und 56 des Ver­trags zur Grün­dung der Euro­päi­schen Gemein­schaft (und den ent­spre­chen­den Bestim­mun­gen des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum). Die Auf­for­de­rung der Kom­mis­si­on ergeht in Form einer „mit Grün­den ver­se­he­nen Stel­lung­nah­me“, der zwei­ten Stu­fe des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens nach Arti­kel 226 EG-Ver­trag. Erhält die Kom­mis­si­on von Bel­gi­en bin­nen zwei Mona­ten kei­ne zufrie­den­stel­len­de Ant­wort, kann sie den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten anru­fen.

Besteuerung von Investmentanteilen in Belgien

Nach bel­gi­schem Recht wer­den Divi­den­den aus Aktien/​Inhaberpapieren, die bei ihrer Aus­stel­lung in einem offe­nen Depot bei einer der Auf­sichts­be­hör­de des bel­gi­schen Finanz­sek­tors unter­ste­hen­den bel­gi­schen Bank hin­ter­legt wur­den, und Divi­den­den aus Akti­en oder in Wert­pa­pier­kon­ten in Bel­gi­en ein­ge­tra­ge­nen ent­ma­te­ria­li­sier­ten Wert­pa­pie­ren mit einem Satz von 15 % besteu­ert, Divi­den­den aus Inha­ber­pa­pie­ren bzw. ent­ma­te­ria­li­sier­ten Wert­pa­pie­ren, die einer ähn­li­chen Behand­lung (offe­nes Depot oder Ein­tra­gung) bei einem in einem ande­ren EWR-Staat ansäs­si­gen Finanz­in­sti­tut unter­lie­gen, hin­ge­gen mit einem Satz von 25 % besteu­ert.

Außer­dem unter­lie­gen die von bel­gi­schen Invest­ment­ge­sell­schaf­ten aus­ge­schüt­te­ten Divi­den­den einem Mobi­li­en­steu­er­vor­ab­zug von 15 %, wäh­rend der ent­spre­chen­de Satz bei Divi­den­den, die von ver­gleich­ba­ren Inves­ti­ti­ons­ge­sell­schaf­ten in ande­ren EWR-Staa­ten aus­ge­schüt­tet wer­den, 25 % beträgt.

Nach Auf­fas­sung der Kom­mis­si­on ver­sto­ßen die­se Bestim­mun­gen gegen Arti­kel 49 und Arti­kel 56 EG-Ver­trag über den frei­en Dienst­leis­tungs- und den frei­en Kapi­tal­ver­kehr (und gegen die ent­spre­chen­den Arti­kel des Abkom­mens über den Euro­päi­schen Wirt­schafts­raum). Für Inves­to­ren (in Bel­gi­en oder einem ande­ren EWR-Land ansäs­si­ge Per­so­nen) wird damit ein Anreiz geschaf­fen, ent­we­der in bel­gi­sche Unter­neh­men oder Invest­ment­fonds zu inves­tie­ren oder die Diens­te bel­gi­scher Finanz­in­sti­tu­te in Anspruch zu neh­men, um in den Genuss der güns­ti­ge­ren Steu­er­sät­ze zu gelan­gen.

  1. Kom­mis­si­on — 20084084 []
  2. 20074791 []