Spanische Kapitalverkehrsteuer

Die Euro­päi­sche Kom­mis­si­on hat Spa­ni­en förm­lich auf­ge­for­dert, sei­ne auf die Über­tra­gung von Wert­pa­pie­ren anwend­ba­ren Steu­er­vor­schrif­ten zu ändern. Nach Ansicht der Kom­mis­si­on ver­stößt die Erhe­bung einer Kapi­tal­ver­kehr­steu­er auf bestimm­te Kapi­tal­zu­füh­run­gen, die zusätz­lich zur Gesell­schaft­steu­er erho­ben wird, gegen die Gesell­schaft­steu­er­richt­li­nie (2008/​7/​EG). Die Auf­for­de­rung erfolgt in Form einer mit Grün­den ver­se­he­nen Stel­lung­nah­me1 als zwei­ter Schritt des Ver­trags­ver­let­zungs­ver­fah­rens gemäß Arti­kel 258 AEUV. Erhält die Kom­mis­si­on bin­nen zwei Mona­ten auf die­se Stel­lung­nah­me kei­ne zufrie­den­stel­len­de Ant­wort, kann sie den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten anru­fen.

Spanische Kapitalverkehrsteuer

Nach Arti­kel 108 des Geset­zes 241988 vom 28. Juli 1988 über den Markt für Wert­pa­pie­re hat jeder Ein­brin­gen­de im Fal­le der Kapi­tal­zu­füh­rung in eine Gesell­schaft, deren in Spa­ni­en bele­ge­nes Immo­bi­li­en­ver­mö­gen mehr als 50 % ihrer gesam­ten Ver­mö­gens­wer­te aus­macht, oder zu deren Ver­mö­gen Antei­le an einem ande­ren Unter­neh­men gehö­ren, des­sen Ver­mö­gen zu mehr als 50 % aus in Spa­ni­en bele­ge­nen Immo­bi­li­en besteht, zusätz­lich zur von der auf­neh­men­den Gesell­schaft zu ent­rich­ten­den Gesell­schaft­steu­er (1 %) eine Über­tra­gungs­steu­er (mit einem Steu­er­satz von 6 bis 7 %) zu ent­rich­ten, wenn ihm die Kapi­tal­erhö­hung ermög­licht, die­se Gesell­schaft zu beherr­schen oder wenn er nach Erlan­gung einer beherr­schen­den Stel­lung sei­ne Antei­le an der Gesell­schaft erhöht.

Die Richt­li­nie 2008/​7/​EG des Rates erlaubt es den Mit­glied­staa­ten, auf Kapi­tal­zu­füh­run­gen eine Gesell­schaft­steu­er zu erhe­ben, wobei der Steu­er­satz jedoch höchs­tens ein Pro­zent der Kapi­tal­erhö­hung betra­gen darf und die Mit­glied­staa­ten auf eine sol­che Kapi­tal­erhö­hung kei­ne ande­ren Steu­ern erhe­ben dür­fen. Nach Ansicht der Kom­mis­si­on ver­stößt die betref­fen­de spa­ni­sche Geset­zes­vor­schrift gegen Arti­kel 5 der Richt­li­nie 2008/​07/​EG, da dar­in eine wei­te­re Steu­er vor­ge­se­hen ist, die zusätz­lich zu der Gesell­schaft­steu­er auf bestimm­te Kapi­tal­zu­füh­run­gen erho­ben wer­den soll, die in den Anwen­dungs­be­reich der Richt­li­nie fal­len.

  1. 20084760 []