Ausfuhrerstattung und Rückforderungszinsen

Wird wegen einer began­ge­nen Unre­gel­mä­ßig­keit zu Unrecht gewähr­te Aus­fuhr­er­stat­tung zurück­ge­for­dert, unter­liegt der damit zusam­men­hän­gen­de Zins­an­spruch der vier­jäh­ri­gen Ver­jäh­rungs­frist gemäß Art. 3 Abs. 1 VO Nr. 298895. Durch den Erlass des Rück­for­de­rungs­be­scheids wird die Ver­jäh­rungs­frist unter­bro­chen.

Ausfuhrerstattung und Rückforderungszinsen

Mit die­ser Ent­schei­dung hob der Bun­des­fi­nanz­hof jetzt eine Ent­schei­dung des Finanz­ge­richts Ham­burg auf, das auf die Ver­jäh­rung die zivil­recht­li­chen Vor­schrif­ten anwen­den woll­te: Anders als das Finanz­ge­richt Ham­burg mein­te, sind bei der Ver­zin­sung der Rück­for­de­rung einer Aus­fuhr­er­stat­tung nicht die Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten des BGB a.F., son­dern es ist Art. 3 Abs. 1 Unter­abs. 1 der VO Nr. 2988951 anzu­wen­den.

Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ist die in die­ser Vor­schrift gere­gel­te vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist auf die Rück­for­de­rung einer Aus­fuhr­er­stat­tung anwend­bar, die der Aus­füh­rer infol­ge von Unre­gel­mä­ßig­kei­ten zu Unrecht erlangt hat2. Wie sich aus der Ein­spruchs­ent­schei­dung des Haupt­zoll­am­tes vom Janu­ar 2003 ergibt, sind die der Klä­ge­rin gewähr­ten Aus­fuhr­er­stat­tun­gen zurück­ge­for­dert wor­den, weil bei der Aus­fuhr­ab­fer­ti­gung unzu­tref­fend hohe Gewich­te der aus­ge­führ­ten Rin­der ange­mel­det wor­den sind. Hier­in liegt eine Unre­gel­mä­ßig­keit i.S. des Art. 1 Abs. 2 VO Nr. 298895, die zur Gewäh­rung der Klä­ge­rin nicht zuste­hen­der Aus­fuhr­er­stat­tung geführt hat. Vor­be­halt­lich einer län­ge­ren Ver­jäh­rungs­frist auf­grund natio­na­ler Vor­schrif­ten (Art. 3 Abs. 3 VO Nr. 298895) unter­lag somit der mit Rück­for­de­rungs­be­scheid vom Mai 1995 fest­ge­setz­te Rück­zah­lungs­an­spruch der Ver­jäh­rung gemäß Art. 3 Abs. 1 Unter­abs. 1 Satz 1 VO Nr. 298895. Für den damit zusam­men­hän­gen­den Zins­an­spruch des HZA gilt nichts ande­res, weil –wie Art. 4 Abs. 2 VO Nr. 298895 deut­lich macht– der Zins­an­spruch Teil des Rück­zah­lungs­an­spruchs ist.

Wie der EuGH3 ent­schie­den hat, ist die durch Art. 3 Abs. 1 Unter­abs. 1 VO Nr. 298895 vor­ge­schrie­be­ne vier­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist auch auf Unre­gel­mä­ßig­kei­ten anwend­bar, die –wie im Streit­fall– vor Inkraft­tre­ten der VO Nr. 298895 began­gen wor­den sind.

Nach Art. 3 Abs. 3 VO Nr. 298895 behal­ten zwar die Mit­glied­staa­ten die Mög­lich­keit, eine län­ge­re Ver­jäh­rungs­frist anzu­wen­den; jedoch trifft die­se Vor­aus­set­zung auf die vom FG her­an­ge­zo­ge­ne Ver­jäh­rungs­vor­schrift des § 197 BGB a.F. nicht zu, weil die dort vor­ge­schrie­be­ne Frist eben­falls vier Jah­re beträgt.

Die­se vier­jäh­ri­ge Frist wird aller­dings gemäß Art. 3 Abs. 1 Unter­abs. 3 VO Nr. 298895 durch den Rück­for­de­rungs­be­scheid unter­bro­chen und beginnt mit die­sem Tag von neu­em, weil unab­hän­gig von der Fra­ge, ob dem Aus­füh­rer evtl. bereits zuvor Ermitt­lungs­hand­lun­gen der Zoll­ver­wal­tung betref­fend die began­ge­nen Unre­gel­mä­ßig­kei­ten zur Kennt­nis gege­ben wor­den waren, jeden­falls der Rück­for­de­rungs­be­scheid als eine Ver­fol­gungs­hand­lung der zustän­di­gen Behör­de i.S. des Art. 3 Abs. 1 Unter­abs. 3 VO Nr. 298895 anzu­se­hen ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 17. März 2009 — VII R 308

  1. Ver­ord­nung (EG, Eura­tom) Nr. 298895 des Rates vom 18. Dezem­ber 1995 über den Schutz der finan­zi­el­len Inter­es­sen der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (Amts­blatt der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten Nr. L 3121). []
  2. EuGH, Urtei­le vom 24. Juni 2004 C‑278/​02 –Handlbau­er – , Slg. 2004, I‑6171, ZfZ 2004, 306; vom 29. Janu­ar 2009 C‑278/​07 bis C‑280/​07 –Vos­ding u.a. – , ZfZ 2009, 103 []
  3. EuGH, ZfZ 2009, 103 []