Erhe­bung eines Zusatz­zolls bei der Ein­rei­hung im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren

An die zuge­las­se­ne ver­ein­fach­te Ein­rei­hung nach den Regeln des Art. 81 ZK ist der Zoll­schuld­ner gebun­den, wenn er es unter­las­sen hat, die Ungül­tig­erklä­rung der Zollan­mel­dun­gen gemäß Art. 66 ZK i.V.m. Art. 251 ZKDVO zu bean­tra­gen und neue Zollan­mel­dun­gen abzu­ge­ben. Die Ver­ein­fa­chungs­vor­schrift des Art. 81 ZK betrifft die Ein­fuhr­ab­ga­ben nach Art. 4 Nr. 10 1. Anstrich ZK „Zöl­le und Abga­ben mit glei­cher Wir­kung bei der Ein­fuhr von Waren“. Dar­un­ter fällt auch der Zusatz­zoll aus der VO Nr. 673/​2005.

Erhe­bung eines Zusatz­zolls bei der Ein­rei­hung im ver­ein­fach­ten Ver­fah­ren

Im hier vom Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­de­nen Fall lagen die Vor­aus­set­zun­gen einer ver­ein­fach­ten Ein­fuhr­ab­ga­ben­er­he­bung gemäß Art. 81 ZK. Die Klä­ge­rin hat die in den Ein­fuhrsen­dun­gen ent­hal­te­nen Waren ein­heit­lich als sol­che ange­mel­det, auf die der jeweils höchs­te Abga­ben­satz ent­fällt, und die­se Zollan­mel­dun­gen sind ange­nom­men wor­den. Dar­an muss sie sich fest­hal­ten las­sen. Die Vor­aus­set­zun­gen für eine Ungül­tig­erklä­rung der Zollan­mel­dun­gen gemäß Art. 66 Abs. 2 ZK i.V.m. Art. 251 der Zoll­ko­dex-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung sind schon hin­sicht­lich der dort vor­ge­se­he­nen Antrags­fris­ten nicht erfüllt.

Bei der Ermitt­lung der auf die Waren des jewei­li­gen Sor­ti­ments ent­fal­len­den höchs­ten Ein­fuhr­ab­ga­ben­be­las­tung war auch der Zusatz­zoll aus der VO Nr. 673/​2005 zu berück­sich­ti­gen, sofern eine der Waren von einer im Anhang die­ser Ver­ord­nung auf­ge­führ­ten Tarif­be­zeich­nun­gen erfasst war. Die Ver­ein­fa­chungs­vor­schrift des Art. 81 ZK betrifft (nur) die Ein­fuhr­ab­ga­ben i.S. des Art. 4 Nr. 10 ZK [1], also nach dem hier maß­geb­li­chen Art. 4 Nr. 10 Anstrich 1 ZK „Zöl­le und Abga­ben mit glei­cher Wir­kung bei der Ein­fuhr von Waren“. Dar­un­ter fällt auch der Zusatz­zoll gemäß der VO Nr. 673/​2005. Denn der Zoll­ta­rif der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten umfasst nach Art.20 Abs. 3 Buchst. g ZK die sons­ti­gen zoll­ta­rif­li­chen Maß­nah­men der Uni­on, also auch die sog. Retor­si­ons­zöl­le, die im Fall von Han­dels­strei­tig­kei­ten fest­ge­legt wer­den, wie es mit VO Nr. 673/​2005 gesche­hen ist [2].

Mit ihrem Ein­wand, die Anwen­dung der unter Ein­be­zie­hung des Zusatz­zolls ermit­tel­ten höchs­ten Abga­ben­be­las­tung auf alle Waren einer Sen­dung füh­re zu einer Erstre­ckung der Zusatz­zöl­le auf ande­re als in der VO Nr. 673/​2005 gelis­te­te Waren und damit zu einer von der Geneh­mi­gung der Zusatz­zöl­le durch das Schieds­ge­richt der WTO nicht mehr gedeck­ten Über­schrei­tung des zuläs­si­gen Kom­pen­sa­ti­ons­be­trags, macht die Klä­ge­rin kei­ne Ver­let­zung eines eige­nen sub­jek­tiv-öffent­li­chen Rechts gel­tend, auf wel­ches allein sie die Anfech­tung der Nach­er­he­bung stüt­zen kann. Da Art. 81 ZK den Begriff Ein­fuhr­ab­ga­ben­be­las­tung ver­wen­det und damit nach den Defi­ni­tio­nen der Art. 4 Nr. 10 und Art.20 Abs. 3 Buchst. g ZK sons­ti­ge zoll­ta­rif­li­che Maß­nah­men der Gemein­schaft bzw. Abga­ben mit glei­cher Wir­kung wie Zöl­le ein­be­zieht, sind Zusatz­zöl­le wie sol­che des Streit­falls bei der Ermitt­lung der „höchs­ten Ein­fuhr­ab­ga­ben­be­las­tung“ i.S. des Art. 81 ZK nicht aus­ge­nom­men. Ande­ren­falls lie­ßen sich mit­hil­fe die­ses für Sam­mel­sen­dun­gen unter­schied­li­cher Waren vor­ge­se­he­nen ver­ein­fach­ten Ein­rei­hungs­ver­fah­rens Zusatz­zöl­le für bestimm­te in sol­chen Sen­dun­gen ent­hal­te­ne Ein­fuhr­ab­ga­ben umge­hen.

Trotz der sei­tens der Kom­mis­si­on mit Schrei­ben vom 27.09.2013, auf das sich die Revi­si­on beruft, geäu­ßer­ten Rechts­mei­nung hält der Bun­des­fi­nanz­hof in Anbe­tracht des ein­deu­ti­gen Wort­lauts des Art. 81 ZK sowie des Art. 4 Nr. 10 Anstrich 1 ZK die Aus­le­gung jener Vor­schrift auch im Hin­blick auf die mit der VO Nr. 673/​2005 ver­folg­ten Zie­le für zwei­fels­frei und sieht kei­nen Grund, eine Vor­ab­ent­schei­dung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) ein­zu­ho­len.

Ist das ver­ein­fach­te Ein­rei­hungs­ver­fah­ren gemäß Art. 81 ZK bean­tragt und bewil­ligt, tritt die gesetz­li­che Fol­ge ein, dass der für bestimm­te in der Sen­dung ent­hal­te­ne Waren vor­ge­se­he­ne höchs­te Ein­fuhr­ab­ga­ben­satz ‑und damit eben­so der für sol­che Waren zu erhe­ben­de Straf­zoll- auch auf Waren anzu­wen­den ist, für die eigent­lich kein Straf­zoll, son­dern ein gerin­ge­rer Abga­ben­satz gilt. Hät­te der Uni­ons­ge­setz­ge­ber die­se Rechts­fol­ge für von der VO Nr. 673/​2005 nicht erfass­te Waren ver­mei­den wol­len, hät­te es nahe gele­gen, in die­ser Ver­ord­nung die Anwen­dung des Art. 81 ZK aus­zu­schlie­ßen. Dies ist jedoch nicht gesche­hen. Viel­mehr hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber mit Art. 3 VO Nr. 673/​2005 eine ande­re Rege­lung zur Ein­hal­tung des vor­ge­se­he­nen Kom­pen­sa­ti­ons­be­trags vor­ge­se­hen. Es kommt daher nicht in Betracht, für von der VO Nr. 673/​2005 nicht erfass­te Waren die Rechts­fol­ge des Art. 81 ZK trotz Vor­lie­gens sei­ner Vor­aus­set­zun­gen nicht ein­tre­ten zu las­sen mit der Fol­ge, dass die Erhe­bung des Zusatz­zolls auch für in der Ein­fuhrsen­dung ent­hal­te­ne Waren der VO Nr. 673/​2005 unter­bleibt.

Dem Ein­wand, es sei unver­hält­nis­mä­ßig, die gesam­te Waren­men­ge mit dem Zusatz­zoll zu bele­gen, ist nicht zu fol­gen [3]. Der Anmel­der kann Ein­fuhr­wa­ren mit beson­ders hoher Abga­ben­be­las­tung aus­schlie­ßen, indem er die­se Waren getrennt anmel­det, oder er kann für eine Waren­grup­pe ange­ben, dass bestimm­te Waren in die­ser nicht ent­hal­ten sind [4].

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 15. Janu­ar 2014 – VII R 22/​13

  1. vgl. Wey­mül­ler in Dorsch, Zoll­recht, Art. 81 ZK Rz 38[]
  2. so auch Lux in Dorsch, Zoll­recht, Art.20 ZK Rz 33[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 26.09.1989 – VII R 10/​87, BFHE 158, 200, ZfZ 1990, 48, zu § 79 Abs. 2 des Zoll­ge­set­zes 1961[]
  4. vgl. Wey­mül­ler in Dorsch, a.a.O., Art. 81 ZK Rz 37[]