Tarifierung von LCD-Projektoren

Der Bun­des­fi­nanz­hof sieht kei­ne recht­li­chen Pro­ble­me bei der unter­schied­li­chen Tari­fie­rung (im ent­schie­de­nen Fall von LCD-Pro­jek­to­ren) vor Inkraft­tre­ten einer ent­spre­chen­den Ein­rei­hungs­ver­ord­nung.

Tarifierung von LCD-Projektoren

All­ge­mei­ne Grund­sät­ze des Uni­ons­rechts ste­hen dem nicht ent­ge­gen. So ver­bie­tet es der all­ge­mei­ne Gleich­heits­satz nicht, für glei­che Waren abwei­chen­de Ein­fuhr­ab­ga­ben zu erhe­ben. Nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on folgt aus dem Gleich­heits­satz sowie aus dem Gebot der ein­heit­li­chen Anwen­dung des Uni­ons­rechts, dass die Begrif­fe einer Vor­schrift des Uni­ons­rechts, die für die Ermitt­lung ihres Sinns und ihrer Trag­wei­te nicht aus­drück­lich auf das Recht der Mit­glied­staa­ten ver­weist, in der Regel in der gesam­ten Euro­päi­schen Uni­on eine auto­no­me und ein­heit­li­che Aus­le­gung erhal­ten müs­sen1. Eine sol­che ein­heit­li­che Aus­le­gung erhal­ten klä­rungs­be­dürf­ti­ge Zoll­ta­rif­fra­gen ent­we­der durch eine zoll­ta­rif­li­che Ent­schei­dung des EuGH auf Vor­la­ge eines natio­na­len Gerichts in einem bestimm­ten Streit­fall oder –bei von­ein­an­der abwei­chen­den vZTA für die­sel­be Ware– durch eine Maß­nah­me der Kom­mis­si­on gemäß dem Ver­fah­ren nach Art. 9 ZKDVO, also in der Regel durch eine Ein­rei­hungs­ver­ord­nung, deren Anwend­bar­keit sich aller­dings, soweit ihr kei­ne Rück­wir­kung ver­lie­hen wur­de, nicht auf frü­he­re Ein­fuh­ren erstreckt2.

Aus dem Gleich­heits­satz folgt dage­gen nicht die Ver­pflich­tung der Zoll­be­hör­de, bei der tarif­li­chen Ein­rei­hung einer bestimm­ten Ware die Tarif­auf­fas­sung ande­rer Zoll­stel­len ohne Rück­sicht auf deren Rich­tig­keit zu über­neh­men. Ent­schei­dend ist viel­mehr allein, wel­che zoll­ta­rif­li­che Ein­rei­hung die zutref­fen­de ist. Erweist sich daher die Tari­fie­rung einer bestimm­ten Ware durch eine Zoll­stel­le als unzu­tref­fend, kann in einem ande­ren Ein­fuhr­fall der Ein­füh­rer nicht unter Beru­fung auf den Gleich­heits­satz von der für ihn zustän­di­gen Zoll­be­hör­de ver­lan­gen, dass sie der Abfer­ti­gung die­sel­be unzu­tref­fen­de Tarif­auf­fas­sung zugrun­de legt. Wie der beschlie­ßen­de Bun­des­fi­nanz­hof wie­der­holt ent­schie­den hat, kann ein rechts­wid­ri­ges Ver­hal­ten einer für die Anwen­dung des Uni­ons­rechts zustän­di­gen Stel­le kein berech­tig­tes Ver­trau­en des Betrof­fe­nen in eine uni­ons­rechts­wid­ri­ge Behand­lung begrün­den3.

Für die zoll­ta­rif­li­che Fra­ge des Streit­falls ist es daher allein ent­schei­dend, ob die vom Haupt­zoll­amt für rich­tig gehal­te­ne und vom Finanz­ge­richt bestä­tig­te Ein­rei­hung der LCD-Pro­jek­to­ren in die Pos. 8528 KN zutref­fend ist.

Bun­des­fi­nanz­hof, Beschluss vom 10. März 2011 — VII B 13310

  1. EuGH, Urtei­le vom 29.07.2010 — C‑151/​09 [UGT-FSP], BB 2010, 2827; vom 21.10.2010 — C‑467/​08 [SGAE], Euro­päi­sche Zeit­schrift für Wirt­schafts­recht 2010, 951, jeweils m.w.N. []
  2. BFH, Urteil vom 30.07.2003 — VII R 4001, BFH/​NV 2004, 835, ZfZ 2004, 126 []
  3. BFH, Urteil vom 07.11.2002 — VII R 4901, BFHE 200, 453, ZfZ 2003, 89; BFH, Beschluss vom 23.08.2000 — VII B 145, 14600, BFH/​NV 2001, 75, ZfZ 2001, 19, jeweils m.w.N. []