Verkauf ausländischer Waren in Deutschland

Sie pro­du­zie­ren Waren im (Nicht-EU-)Ausland (oder las­sen sie dort pro­du­zie­ren) und wol­len Sie hier an End­ver­brau­cher ver­kau­fen? Dann haben Sie grund­sätz­lich zwei Mög­lich­kei­ten:

Verkauf ausländischer Waren in Deutschland

Verkauf ausländischer Waren in Deutschland

1. Alternative: Einzelverkauf aus dem Ausland[↑]

Zunächst ein­mal kön­nen Sie Ihre Waren natür­lich unmit­tel­bar von Ihrem außer­eu­ro­päi­schen Pro­duk­ti­ons­stand­ort aus an deut­sche Ver­brau­cher ver­kau­fen. Gera­de der Online-Han­del bie­tet sich hier­für an, sei es über eine eige­ne Ver­kaufs­sei­te, sei es über Han­dels­platt­for­men wie etwa eBay.

In die­sem Fall sind Sie — zoll­recht­lich und steu­er­lich betrach­tet — fein raus, denn für die zoll­recht­li­che Abfer­ti­gung ist allei­ne der Ein­füh­rer, d.h. der jeweils bei Ihnen bestel­len­de Ver­brau­cher zustän­dig. Die­ser muss die Ware den Zoll­be­hör­den „stel­len” und zur Ein­fuhr anmel­den und die Ein­fuhr­ab­ga­ben, also Zoll und Ein­fuhr­um­satz­steu­er, sowie je nach der bestell­ten Ware auch die zusätz­lich noch anfal­len­den Ver­brauchs­steu­ern — wie etwa Tabak­steu­er, Kaf­fee­steu­er, Brannt­wein­steu­er, Schaum­wein­steu­er — tra­gen.

Dies ist alles kein Pro­blem, solan­ge der Waren unter 22,- € liegt. Denn bei einem Waren­wert bis ein­schließ­lich 22,- € ent­ste­hen nach Art. 23 und 24 Zoll­be­frei­ungs­VO kei­ne Ein­fuhr­ab­ga­ben. Es sind von dem bei Ihnen im Aus­land kau­fen­den deut­schen Ver­brau­cher also weder Zoll noch Ein­fuhr­um­satz­steu­er zu zah­len.

Genau genom­men liegt die­ser Betrag in Deutsch­land sogar noch etwas höher. Denn § 11 der Zoll­kos­ten­ver­ord­nung ent­hält eine Klein­be­trags­re­ge­lung, wonach Ein­fuhr­ab­ga­ben (also Zoll und Ein­fuhr­um­satz­steu­er) nicht erho­ben wer­den, solan­ge sie unter einer Schwel­le von 5,- € lie­gen. Bei Waren, auf die aktu­ell kein Zoll son­dern nur die 19%ige Ein­fuhr­um­satz­steu­er erho­ben wird, errech­net sich hier­aus ein ein indi­rek­ter Frei­be­trag von 26,30 €, denn erst bei einem dar­über hin­aus­ge­hen­den Waren­wert wür­de die Ein­fuhr­um­satz­steu­er die 5,- €-Klein­be­trags­gren­ze über­schrei­ten. Aber Ach­tung: Die­se Rech­nung funk­tio­niert natür­lich nur, wenn der Zoll­satz wirk­lich 0% beträgt; und es han­delt sich auch nicht um eine EU-ein­heit­li­che Hand­ha­bung, son­dern um eine rein deut­sche. Wenn Sie also statt­des­sen etwa nach Öster­reich ver­kau­fen, sind stets Ein­fuhr­ab­ga­ben fäl­lig, sobald der Waren­wert die Frei­gren­ze von 22,- € über­steigt.

Für Pri­vat­sen­dun­gen ist die Frei­gren­ze höher, Pri­vat­sen­dun­gen sind von Ein­fuhr­ab­ga­ben (Zoll und Ein­fuhr­um­satz­steu­er) befreit, solan­ge der Waren­wert nicht 45,- € über­steigt. Aber Vor­sicht: Eti­ket­tie­ren Sie Ihre Waren­sen­dun­gen an ihre Käu­fer in der EU nicht als Pri­vat­sen­dung, wenn Sie ein gewerb­li­cher Händ­ler sind. Die Käu­fer wür­den hier­durch eine Steu­er­hin­ter­zie­hung (§ 370 AO) bege­hen, für Sie wäre es zumin­dest eine Steu­er­hin­ter­zie­hung oder evtl. sogar ein straf­ba­rer gewerbs­mä­ßi­ger Schmug­gel (§ 373 AO). Ein Pro­blem, dass sich für Sie spä­tes­tens dann stellt, wenn Sie das nächs­te Mal in die EU flie­gen…

2. Alternative: Einzelverkauf aus einem deutschen Lager[↑]

Sie mer­ken schon: Der Ver­kauf an End­ver­brau­cher unmit­tel­bar vom Pro­duk­ti­ons­stand­ort im außer­eu­ro­päi­schen Aus­land ist mög­lich und auch nicht son­der­lich schwie­rig. Aber er ist für den pri­va­ten Käu­fer mit Schwie­rig­kei­ten ver­bun­den. Der Käu­fer muss die Sen­dung beim Zoll stel­len — und will hier­über regel­mä­ßig von Ihnen auf­ge­klärt wer­den. Und vie­le Käu­fer schre­cken auch vor einem Kauf im Aus­land zurück weil sie Angst vor „schwar­zen Scha­fen” haben oder Pro­ble­me bei der Gewähr­leis­tung befürch­ten.

Hier bie­tet sich ein ande­rer Weg an: Mie­ten Sie sich eine Ver­sand­la­ger für Ihre Arti­kel in Deutsch­land oder in einem ande­ren Land in der Euro­päi­schen Uni­on. In die­sem Fall sind Sie zwar selbst für die Ver­zol­lung bei der Ein­fuhr zustän­dig, aber dies ist doch nur ein Pos­ten in Ihrer Preis­ge­stal­tung. Dafür errei­chen Sie aber einen gro­ßen Vor­teil: näm­lich das Ver­trau­en ihrer poten­ti­el­len Kun­den, die nun weder um irgend­wel­che Pro­ble­me mit dem Zoll noch um die Pro­ble­me eines aus­län­di­schen Ansprech­part­ners fürch­ten müs­sen.

Mit einem sol­chen Lager kön­nen Sie übri­gens die gesam­te Euro­päi­sche Uni­on bedie­nen. Sie müs­sen hier­für ledig­lich die Umsatz­steu­er­sät­ze des jewei­li­gen Absatz­lan­des beach­ten — aber das Pro­blem löst sich oft­mals mit einem Mini-One-Stop-Shop. Und für alles Wei­te­re hilft Ihnen hier in Deutsch­land ein im Außen­han­del ver­sier­te Rechts­an­walt oder Steu­er­be­ra­ter.

Und jetzt: Viel Erfolg mit Ihren neu­en Kun­den in Deutsch­land!