Vorsteuerabzug — und die Anforderungen an die Leistungsbeschreibung

Ein Unter­neh­mer kann die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für eine sons­ti­ge Leis­tung nur dann als Vor­steu­er nach § 15 Abs. 1 S. 1 Nr. 1 UStG abzie­hen, wenn die for­mel­len Vor­aus­set­zun­gen des § 14 Abs. 4 UStG erfüllt sind und die Rech­nun­gen ins­be­son­de­re Anga­ben zu Umfang und Art der Leis­tung ent­hal­ten, die eine leich­te und ein­deu­ti­ge Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung ermög­li­chen. Im Hin­blick auf abge­rech­ne­te Gerüst­bau­ar­bei­ten kön­nen dafür detail­lier­te Anga­ben zum Ort des Bau­vor­ha­bens sowie genaue Bezeich­nun­gen der ein­zel­nen Arbei­ten erfor­der­lich sein.

Vorsteuerabzug — und die Anforderungen an die Leistungsbeschreibung

Nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG kann der Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind, als Vor­steu­er abzie­hen. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Nach § 14 Abs. 4 Nr. 5 UStG muss eine Rech­nung u. a. die Men­ge und die Art (han­dels­üb­li­che Bezeich­nung) der gelie­fer­ten Gegen­stän­de oder den Umfang und die Art der sons­ti­gen Leis­tung ent­hal­ten. Nach § 14 Abs. 4 Nr. 6 UStG muss in der Rech­nung zudem der Zeit­punkt der Lie­fe­rung oder sons­ti­gen Leis­tung genannt sein. Die­se Anfor­de­run­gen ste­hen im Ein­klang mit den Rege­lun­gen der Mehr­wert­steu­er­sys­tem­richt­li­nie 2006/​112/​EG des Rates vom 28.11.20061. Feh­len die für den Vor­steu­er­ab­zug nach § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG erfor­der­li­chen Rech­nungs­an­ga­ben oder sind sie unzu­tref­fend, besteht für den Leis­tungs­emp­fän­ger kein Anspruch auf Vor­steu­er­ab­zug.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs dient das Abrech­nungs­pa­pier (Rech­nung oder Gut­schrift) für den Vor­steu­er­ab­zug als Beleg­nach­weis. Des­halb müs­sen die Abrech­nungs­pa­pie­re Anga­ben tat­säch­li­cher Art ent­hal­ten, wel­che die Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung ermög­li­chen, über die abge­rech­net wor­den ist. Die den Leis­tungs­ge­gen­stand betref­fen­den Anga­ben müs­sen eine ein­deu­ti­ge und leicht nach­prüf­ba­re Fest­stel­lung der Leis­tung, über die abge­rech­net wor­den ist, ermög­li­chen, denn aus der Funk­ti­on des Abrech­nungs­pa­piers als Beleg­nach­weis folgt, dass der Auf­wand zur Iden­ti­fi­zie­rung der Leis­tung begrenzt sein muss. Was zur Erfül­lung die­ser Vor­aus­set­zung erfor­der­lich ist, rich­tet sich nach den Umstän­den des Ein­zel­falls. Es ist zuläs­sig, zur Iden­ti­fi­zie­rung der abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen über die im Abrech­nungs­pa­pier ent­hal­te­nen Anga­ben tat­säch­li­cher Art hin­aus wei­te­re Erkennt­nis­mit­tel her­an­zu­zie­hen. Sofern auf ande­re Erkennt­nis­mit­tel ver­wie­sen wird, ist es erfor­der­lich, dass die in Bezug genom­me­nen Unter­la­gen in der Rech­nung ein­deu­tig bezeich­net wer­den2.

Nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG kann ein Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für eine sons­ti­ge Leis­tung nur dann als Vor­steu­er abzie­hen, wenn das ande­re Unter­neh­men auch tat­säch­lich eine Leis­tung für sein Unter­neh­men erbracht hat. Die Dar­le­gungs- und Beweis­last dafür trägt nach bis­her stän­di­ger Recht­spre­chung der Steu­er­pflich­ti­ge, der den Vor­steu­er­ab­zug begehrt3. Nach neue­rer Recht­spre­chung des Gerichtsh­fos der Euro­päi­schen Uni­on4 ist es hin­ge­gen in bestimm­ten Fäl­len Auf­ga­be der Steu­er­ver­wal­tung, (zunächst) kon­kre­te Anhalts­punk­te dar­zu­le­gen, die gegen einen tat­säch­li­chen Leis­tungs­aus­tausch und für ein „Ken­nen­müs­sen” beim Steu­er­pflich­ti­gen spre­chen5.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 21. August 2015 — 2 V 15415

  1. vgl. BFH, Urteil vom 02.09.2010 — V R 5509, BSt­Bl II 2011, 235 zur Sechs­ten Richt­li­nie des Rates vom 17.05.1977 zur Har­mo­ni­sie­rung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Umsatz­steu­ern 77/​388/​EWG — Sechs­te Richt­li­nie []
  2. BFH, Urtei­le vom 10.11.1994 — V R 4593, BSt­Bl II 1995, 395; vom 21.01.1993 — V R 3088, BSt­Bl II 1993, 385; vom 24.09.1987 — V R 5085, BSt­Bl II 1988, 688; BFH, Beschlüs­se vom 29.11.2002 — V B 11902, BFH/​NV 2003, 518; vom 14.10.2002 — V B 902, BFH/​NV 2003, 213; vom 22.07.2014 — XI B 2914, juris; Hes­si­sches Finanz­ge­richt, Beschluss vom 16.09.2005 — 6 — V 261605 []
  3. BFH, Urteil vom 27.06.1996 — V R 5193, BSt­Bl II 1996, 620; vom 19.04.2007 — V R 4804, BSt­Bl II 2009, 315, Finanz­ge­richt Ham­burg, Beschluss vom 20.11.2012 — 2 — V 26412, UStB 2013, 114 []
  4. vgl. EuGH, Urteil vom 13.02.2014 — C‑18/​13, Maks Pen, BB 2014, 863 ff., Rn. 26; vom 21.06.2012, — C‑80/​11 und — C‑142/​11, — C‑80/​11, — C‑142/​1, Maha­gé­ben und Dávid, DSt­RE 2012, 1336; vom 06.12 2012, — C‑285/​11, Bonik, DSt­RE 2013, 199 []
  5. vgl. FG Müns­ter, Beschluss vom 12.12 2013 — 5 — V 193413 U, EFG 2014, 395 []