Zoll­amt­li­che Beschaf­fen­heits­be­schau von Bas­ma­ti- Reis

Die Zoll­be­hör­de hat min­des­tens zwei Teil­pro­ben glei­cher Grö­ße aus ver­schie­de­nen Schich­ten der Ware zu zie­hen. Die Teil­pro­ben müs­sen einen Min­dest­um­fang von 500 g auf­wei­sen. Die Min­dest­pro­ben­men­ge von 500 g ist auch zu unter­su­chen. Es ist nicht zuläs­sig, die Ergeb­nis­se einer Teil­be­schau auf Waren zu über­tra­gen, die Gegen­stand einer ande­ren Anmel­dung sind.

Zoll­amt­li­che Beschaf­fen­heits­be­schau von Bas­ma­ti- Reis

In Art. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 972/​2006 der Kom­mis­si­on vom 29.06.2006 zur Fest­le­gung von Son­der­be­stim­mun­gen für die Ein­fuhr von Bas­ma­ti-Reis und einer vor­über­ge­hen­den Kon­troll­re­ge­lung für die Ursprungs­be­stim­mung (ABl. Nr. L 176/​53, im Fol­gen­den: VO Nr. 972/​2006) hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber bestimmt, dass die in Anhang IIIa der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1785/​2003 [Fuß­no­te 1] auf­ge­führ­ten Sor­ten von Bas­ma­ti-Reis der KN-Codes 1006 2017 und 1006 2098 – scil. Bas­ma­ti 217, Bas­ma­ti 370, Bas­ma­ti 386, Ker­nel (Bas­ma­ti), Pusa Bas­ma­ti, Ran­bir Bas­ma­ti, Super Bas­ma­ti, Tara­o­ri Bas­ma­ti (HBC-19) und Type‑3 (Dehr­adun) – für die Ein­fuhr zum Zoll­satz Null in Betracht kom­men. Die Inan­spruch­nah­me die­ser Zoll­prä­fe­renz setzt vor­aus, dass der Ein­füh­rer Inha­ber einer Ein­fuhr­li­zenz für Bas­ma­ti-Reis ist und bei der Ein­fuhr ein vom Aus­fuhr­land erteil­tes Echt­heits­zeug­nis vor­liegt, was im Streit­fall durch die Klä­ge­rin unstrei­tig erfolgt ist. Zur Ver­hin­de­rung von Betrugs­hand­lun­gen hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber frei­lich Mecha­nis­men für die Über­prü­fung der ange­ge­be­nen Sor­te fest­ge­schrie­ben (vgl. 6. Erwä­gungs­grund der VO Nr. 972/​2006). So ist in Art. 6 Abs. 1 Unter­ab­satz 1 VO Nr. 972/​2006 gere­gelt, dass die Mit­glied­staa­ten im Rah­men der nach dem Zufalls­prin­zip durch­ge­führ­ten oder geziel­ten Kon­trol­len bei Vor­gän­gen mit Betrugs­ri­si­ko unter den Bedin­gun­gen gemäß Art. 242 der Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2454/​93 reprä­sen­ta­ti­ve Pro­ben von dem ein­ge­führ­ten Bas­ma­ti-Reis ent­neh­men, die an die zustän­di­ge Stel­le des Ursprung­lan­des gemäß Anhang V gesandt wer­den, die einen Sor­ten­test mit­tels DNA-Ana­ly­se vor­nimmt. Nach Art. 6 Abs. 1 Unter­ab­satz 2 VO Nr. 972/​2006 kann der Mit­glied­staat eben­falls einen Sor­ten­test der­sel­ben Pro­be in einem Gemein­schafts­la­bor durch­füh­ren las­sen. Erweist sich bei einem der Tests gemäß Art. 6 Abs. 1 VO Nr. 972/​2006, dass das ana­ly­sier­te Erzeug­nis nicht der im Echt­heits­zeug­nis gemach­ten Anga­ben ent­spricht – so hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 ver­ord­net -, wird der Ein­fuhr­zoll gemäß Art. 11a VO Nr. 1785/​2003 fäl­lig.

Die Rege­lung des Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 sieht kei­nen Tole­ranz­wert für das Vor­han­den­sein von Reis vor, der den in Anhang IIIa der VO Nr. 1785/​2003 auf­ge­führ­ten Sor­ten nicht ent­spricht. Der sog. „Code of Prac­ti­ce on Bas­ma­ti Rice“, der in Abstim­mung mit den bri­ti­schen Über­wa­chungs­be­hör­den und den offi­zi­el­len Ana­ly­se­la­bo­ren von der bri­ti­schen Reis­in­dus­trie und Han­del ver­ab­schie­det wor­den ist, wonach in ech­tem Bas­ma­ti-Reis bis zu sie­ben Pro­zent Frem­dreis ent­hal­ten sein darf,[Fußnote 2] hat damit kei­nen Ein­gang in die Ver­ord­nung Nr. 972/​2006 gefun­den. Aller­dings hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber in der Fol­ge bedacht, dass auf­grund der Bedin­gun­gen bei der Erzeu­gung von und dem Han­del mit Bas­ma­ti-Reis nur schwer garan­tiert wer­den kann, dass eine Par­tie zu 100 % aus Bas­ma­ti-Reis der Sor­ten besteht, die nach der Anla­ge IIIa zur Ver­ord­nung Nr. 1785/​2003 i. V. m. Art. 1 VO Nr. 972/​2006 prä­fe­renz­be­güns­tigt sind. Vor die­sem Hin­ter­grund hat er des­halb in Art. 1 der Ver­ord­nung (EU) Nr. 272/​2010 der Kom­mis­si­on vom 30.03.2010 zur Ände­rung der Ver­ord­nung (EG) Nr. 972/​2006 zur Fest­le­gung von Son­der­be­stim­mun­gen für die Ein­fuhr von Bas­ma­ti-Reis und einer vor­über­ge­hen­den Kon­troll­re­ge­lung für die Ursprungs­be­stim­mun­gen [1] klar­ge­stellt, dass das Vor­han­den­sein von bis zu 5 % geschäl­tem Reis des KN-Codes 1006 2017 oder 1006 2098 zuläs­sig ist, der kei­ner der Sor­ten gemäß Anhang XVIII der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1234/​2007 (= Anhang IIIa der Ver­ord­nung Nr. 1785/​2003) ent­spricht. Außer­dem hat der Uni­ons­ge­setz­ge­ber bestimmt, dass die Rege­lung des Art. 1 VO Nr. 272/​2010 auch für Ein­fuh­ren von Bas­ma­ti-Reis gilt, die vor In-Kraft-Tre­ten der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 erfolgt sind und bei denen die zustän­di­gen Behör­den die Ent­schei­dung, dass für sie ein Zoll­satz Null gilt, noch nicht end­gül­tig getrof­fen haben (vgl. Art. 2 VO Nr. 272/​2010), wobei nach dem Dafür­hal­ten des erken­nen­den Senats die Ent­schei­dung der Zoll­be­hör­de, dass für eine Ein­fuhr von Bas­ma­ti-Reis ein Zoll­satz Null gilt, (auch) dann noch nicht end­gül­tig getrof­fen ist, wenn – wie hier – im Zeit­punkt des In-Kraft-Tre­tens der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 ein Rechts­be­helfs­ver­fah­ren betref­fend einen Ein­spruch gegen einen auf Art. 220 ZK i. V. m. Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 gestütz­ten Nach­er­he­bungs­be­scheid noch nicht durch Erlass der Ein­spruchs­ent­schei­dung abge­schlos­sen ist. Die­ses Ver­ständ­nis legt ins­be­son­de­re der 6. Erwä­gungs­grund der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 nahe, wonach der Tole­ranz­wert für alle Ein­fuh­ren von Bas­ma­ti-Reis gilt, bei denen die zustän­di­gen Behör­den der Mit­glied­staa­ten noch kei­ne abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über die Zuschuss­fä­hig­keit der Par­tien getrof­fen haben. Ob die zustän­di­ge Behör­de des Mit­glied­staa­tes bereits eine abschlie­ßen­de Ent­schei­dung über die Zuschuss­fä­hig­keit der Par­tie Bas­ma­ti-Reis getrof­fen hat, beur­teilt sich nach dem jeweils ein­schlä­gi­gen natio­na­len Recht (vgl. Art. 243, 245 Zoll­ko­dex), in con­cre­to also nach den Rege­lun­gen der Abga­ben­ord­nung. Da das in der Abga­ben­ord­nung gere­gel­te Ein­spruchs­ver­fah­ren (auch) der Selbst­kon­trol­le der (Zoll-)Verwaltung dient, hat das beklag­te Haupt­zoll­amt die Ent­schei­dung, dass für eine Ein­fuhr von Bas­ma­ti-Reis der Zoll­satz Null gilt, bei In-Kraft-Tre­ten der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 noch nicht end­gül­tig getrof­fen, wenn zu die­sem Zeit­punkt ent­we­der das Ergeb­nis eines nach Art. 6 Abs. 1 Unter­ab­satz 1 Satz 2 bzw. Unter­ab­satz 2 VO Nr. 972/​2006 ver­an­lass­ten Sor­ten­tests noch aus­steht oder – wie hier – das Ein­spruchs­ver­fah­ren betref­fend einen auf Art. 220 ZK i. V. m. Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 gestütz­ten Nach­er­he­bungs­be­scheid noch nicht abge­schlos­sen ist. Eine Gel­tung des durch Art. 1 VO Nr. 272/​2010 ein­ge­führ­ten Tole­ranz­wer­tes auch in sog. Alt­fäl­len schei­det dage­gen aus, wenn im Zeit­punkt des In-Kraft-Tre­tens der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 die Zoll­be­hör­de Ein­fuhr­zoll gemäß Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 i. V. m. Art. 11a VO Nr. 1785/​2003 bereits bestands­kräf­tig fest­ge­setzt oder der Ein­füh­rer gegen die Erhe­bung des Ein­fuhr­zolls bereits Kla­ge erho­ben hat.

Hin­sicht­lich des hier vom Finanz­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Streit­fal­les ist zwar nach dem Gut­ach­ten der A vom 28.05.2010 davon aus­zu­ge­hen, dass sich in der unter­such­ten Pro­be ledig­lich ein Anteil von prä­fe­renz­be­güns­tig­tem Bas­ma­ti-Reis in Höhe von ins­ge­samt 75 % befand; der von der A ana­ly­sier­te Fremd­an­teil von ins­ge­samt 25 % liegt damit deut­lich über der durch Art. 1 VO Nr. 272/​2010 ein­ge­räum­ten Tole­ranz­gren­ze, so dass der Senat die Fra­ge uner­ör­tert las­sen kann, ob in der vom Uni­ons­ge­setz­ge­ber fest­ge­setz­ten Tole­ranz­gren­ze von 5 % Mess­un­ge­nau­ig­kei­ten bereits Ein­gang gefun­den haben oder zu Guns­ten der Klä­ge­rin zu berück­sich­ti­gen wäre, dass die A in ihrem Gut­ach­ten vom 28.05.2010 eine Mess­un­si­cher­heit von 6,0 % ein­ge­räumt hat. Das Unter­su­chungs­er­geb­nis der A kann indes schon des­halb nicht als Grund­la­ge für die Erhe­bung des Ein­fuhr­zolls für geschäl­ten Reis nach Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 her­an­ge­zo­gen wer­den, weil aus der von der Klä­ge­rin ange­mel­de­ten Waren­sen­dung kei­ne reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be ent­nom­men , geschwei­ge unter­sucht wor­den ist. Auch unter Berück­sich­ti­gung des Unter­su­chungs­be­richts der paki­sta­ni­schen Behör­den schei­det vor­lie­gend eine Nach­er­he­bung des regu­lä­ren Ein­fuhr­zolls für geschäl­ten Reis aus (hier­zu unter 3.).

Das beklag­te Haupt­zoll­amt hat aus der von der Klä­ge­rin ange­mel­de­ten Waren­sen­dung kei­ne reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be ent­neh­men las­sen, so dass bereits aus die­sem Grun­de das Unter­su­chungs­er­geb­nis der A nicht ver­wer­tet wer­den darf.

Der Begriff der „reprä­sen­ta­ti­ven“ Pro­be wird weder in der Ver­ord­nung Nr. 972/​2006 noch im Zoll­ko­dex defi­niert oder kon­kre­ti­siert. Auch feh­len im Zoll­ko­dex und in der Zoll­ko­dex-DVO Rege­lun­gen und all­ge­mei­ne Vor­ga­ben bezüg­lich des Umfangs einer Teil­be­schau. Vor die­sem Hin­ter­grund nimmt der Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung zum einen an, dass die Ent­schei­dung, ob und in wel­chem Umfang die Beschaf­fen­heit des Zoll­guts ermit­telt wird, im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen der Zoll­be­hör­de liegt [2]. Da der Zollan­mel­der nach Art. 62 Abs. 1 Satz 2 ZK ver­pflich­tet ist, die Waren mit den Merk­ma­len anzu­mel­den, die zur Anwen­dung der Vor­schrif­ten für das von ihm bean­trag­te Zoll­ver­fah­ren erfor­der­lich sind, und zu die­sen Merk­ma­len bei der Abfer­ti­gung zum frei­en Ver­kehr die Beschaf­fen­heit der Ware und damit auch gehört, ob die ange­mel­de­te Ware in sich unter­schied­lich beschaf­fen ist (Schwarz, in: Schwarz/​Wockenfoth, Zoll­recht, 3. Auf­la­ge, Art. 70 ZK, Rz. 6), geht der Bun­des­fi­nanz­hof in stän­di­ger Recht­spre­chung zum ande­ren davon aus, dass es regel­mä­ßig einer pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sens­aus­übung ent­spricht, wenn sich die Zoll­be­hör­de in Fäl­len, in denen die Ware als ein­heit­lich beschaf­fen ange­mel­det wird, auf die Beschau einer Stich­pro­be beschränkt [2]. Mache der Zollan­mel­der näm­lich sol­che Anga­ben zu einer etwai­gen unter­schied­li­chen Beschaf­fen­heit nicht, bekun­de er selbst, dass sich Fra­gen zum Umfang und zur Reprä­sen­ta­ti­vi­tät einer Durch­schnitts­pro­be von vorn­her­ein nicht stell­ten, weil in Fäl­len die­ser Art bereits eine ein­zi­ge Pro­be die gesam­te Waren­sen­dung „reprä­sen­tie­re“ [3].

Dem beklag­ten Haupt­zoll­amt ist im zu betrach­ten­den Kon­text zwar zuzu­ge­ben, dass die Klä­ge­rin in ihrer Zollan­mel­dung zur Abfer­ti­gung zum frei­en Ver­kehr kei­ne Anga­ben über eine unter­schied­li­che Beschaf­fen­heit des Bas­ma­ti-Rei­ses gemacht hat. Im Streit­fall durf­te sich das beklag­te Haupt­zoll­amt indes schon vor dem Hin­ter­grund sei­ner Dienst­an­wei­sung „Ent­nah­me und Behand­lung von Pro­ben zum Unter­su­chen“ (Vor­schrif­ten­samm­lung der Bun­des­fi­nanz­ver­wal­tung – VSF – Z 07 12) nicht auf die Ent­nah­me und Unter­su­chung einer Stich­pro­be beschrän­ken. Es ent­spricht näm­lich eben­falls gefes­tig­ter Recht­spre­chung [4], dass die­se Dienst­vor­schrift der Bun­des­fi­nanz­ver­wal­tung das Ermes­sen der Zoll­be­hör­den in der Wei­se bin­det, dass eine Unter­schrei­tung der in der Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12 fest­ge­schrie­be­nen Min­dest­pro­ben­men­gen a limi­ne einen Ermes­sens­feh­ler dar­stellt mit der Fol­ge, dass das Ergeb­nis einer sol­chen feh­ler­haf­ten Teil­be­schau nicht gemäß Art. 70 Abs. 1 Unter­ab­satz 1 ZK auf alle in der Anmel­dung bezeich­ne­ten Waren über­tra­gen wer­den darf.

In der Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12 ist fest­ge­schrie­ben, dass für die Unter­su­chungs­pro­be und die Rück­stell­pro­be jeweils min­des­tens die aus der Anla­ge ersicht­li­chen Men­gen zu ent­neh­men sind (Absatz 8), wobei die Anla­ge bezüg­lich der Waren­art Getrei­de (Kap. 10) eine Min­dest­pro­ben­men­ge von 500 g vor­gibt. Dass das beklag­te Haupt­zoll­amt die­se ermes­sens­bin­den­de Vor­ga­be beach­tet hat, über­sieht der erken­nen­de Senat nicht. Der Uni­ons­ge­setz­ge­ber hat aller­dings mit der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 dem Umstand Rech­nung getra­gen, dass bei der Erzeu­gung von und dem Han­del mit Bas­ma­ti-Reis nur sehr schwer garan­tiert wer­den kann, dass eine Par­tie zu 100 % aus Bas­ma­ti-Reis der Sor­ten besteht, die prä­fe­renz­be­güns­tigt sind (vgl. 5. Erwä­gungs­grund der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010), und des­halb – wie bereits aus­ge­führt – in Art. 1 VO Nr. 272/​2010 bestimmt, dass das Vor­han­den­sein von 5 % geschäl­tem Reis des KN-Codes 1006 20 17 oder 1006 20 98 zuläs­sig ist, der kei­ner der Sor­ten gemäß Anhang XVIII der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1234/​2007 (= Anhang I der Ver­ord­nung Nr. 1549/​2004 = Anhang IIIa der Ver­ord­nung Nr. 1785/​2003 i. d. F. der Ver­ord­nung Nr. 797/​2006) ent­spricht. Da die­ser Tole­ranz­wert auch für alle Ein­fuh­ren von Bas­ma­ti-Reis gilt, bei denen die zustän­di­ge Behör­de – wie hier – noch kei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung über die Gel­tung des Zoll­sat­zes Null getrof­fen hat (vgl. Art. 2 VO Nr. 272/​2010), strahlt die Gel­tung die­ses Tole­ranz­wer­tes nach dem Dafür­hal­ten des Senats auch auf die Aus­le­gung und das Ver­ständ­nis einer „reprä­sen­ta­ti­ven Pro­be“ in Art. 6 Abs. 1 Satz 1 VO Nr. 972/​2006 in der Wei­se aus, dass sich die Zoll­be­hör­de nicht auf die Zie­hung einer (Mindest-)Probe aus einer Stel­le oder Schicht der ange­mel­de­ten Ware beschrän­ken darf. Viel­mehr hat die Zoll­be­hör­de wenigs­tens zwei Teil­pro­ben glei­cher Grö­ße aus ver­schie­de­nen Schich­ten der Ware zu zie­hen und die­se nach Durch­mi­schung zu einer Gesamt­pro­be zusam­men zu füh­ren, wobei die Teil­pro­ben jeweils wenigs­tens den in der Anla­ge zur Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12 ent­hal­te­nen Umfang von 500 g auf­wei­sen müs­sen. Ent­spre­chend ist in Bezug auf die Rück­stell­pro­be zu ver­fah­ren.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg ist sich bewusst, dass im Zeit­punkt der streit­re­le­van­ten Pro­ben­zie­hung durch das beklag­te Haupt­zoll­amt ein Tole­ranz­wert in Bezug auf das Vor­han­den­sein von Bas­ma­ti-Reis, der kei­ner der in Anhang IIIa der Ver­ord­nung Nr. 1785/​2003 auf­ge­führ­ten Sor­ten ent­spricht, in das Uni­ons­recht noch nicht Ein­gang gefun­den hat­te. Vor die­sem uni­ons­recht­li­chen Hin­ter­grund bestand für das beklag­te Haupt­zoll­amt an sich kei­ne Ver­an­las­sung, aus der von der Klä­ge­rin ange­mel­de­ten Waren­sen­dung meh­re­re Teil­pro­ben an unter­schied­li­chen Stel­len zu ent­neh­men. Die­ser Umstand ist dem beklag­ten Haupt­zoll­amt frei­lich des­halb nicht behilf­lich, weil der Uni­ons­ge­setz­ge­ber die Gel­tung des Tole­ranz­wer­tes auch für Ein­fuh­ren von Bas­ma­ti-Reis ange­ord­net hat, die – wie hier – vor dem In-Kraft-Tre­ten der Ver­ord­nung Nr. 272/​2010 erfolgt sind und bei denen die zustän­di­ge Zoll­be­hör­de die Ent­schei­dung, dass für sie ein Zoll­satz Null gilt, noch nicht end­gül­tig getrof­fen hat (vgl. Art. 2 VO Nr. 272/​2010). Die­se uni­ons­ge­setz­ge­be­ri­sche Ent­schei­dung wür­de aber im Ergeb­nis leer lau­fen, wenn sich das beklag­te Haupt­zoll­amt in den sog. Alt­fäl­len dar­auf beschrän­ken dürf­te, die Ein­hal­tung des Tole­ranz­wer­tes anhand einer Pro­be zu über­prü­fen, die nicht aus ver­schie­de­nen Schich­ten der ange­mel­de­ten Waren­sen­dung ent­nom­men wor­den ist. Das vor­ste­hend skiz­zier­te Ver­ständ­nis ent­spricht im Übri­gen auch der Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12, die in ihrem Absatz 10 den Zoll­be­hör­den ermes­sens­bin­dend vor­gibt, Teil­pro­ben glei­cher Grö­ße aus ver­schie­de­nen Schich­ten – auch aus der unte­ren – zu ent­neh­men und zu einer Gesamt­pro­be zu ver­ei­ni­gen, sofern die Beschaf­fen­heit der Ware eine Ent­mi­schung oder abwei­chen­de Zusam­men­set­zung ein­zel­ner Tei­le erken­nen oder ver­mu­ten lässt.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg ver­mag hin­sicht­lich des Streit­fal­les nicht zu erken­nen, dass die gezo­ge­nen Pro­ben aus ver­schie­de­nen Schich­ten des Silos – etwa aus dem obe­ren und mitt­le­ren Bereich oder dem obe­ren Bereich und vom Boden – ent­nom­men wur­den. In der Nie­der­schrift über die Ent­nah­me und Behand­lung von Pro­ben vom 25.07.2008 fin­det sich unter Zif­fer 9 „Pro­ben an fol­gen­den Stel­len ent­nom­men (z. B. am Boden, am Rand)“ ledig­lich der Ein­trag „im obe­ren Bereich“. Die beim beklag­ten Haupt­zoll­amt täti­ge Zoll­be­am­tin B hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung bezüg­lich des Ablau­fes einer Pro­ben­zie­hung u. a. aus­ge­führt hat, dass Pro­ben allein durch die ca. 0,5 qm gro­ße Öff­nung des Silo­ab­schlus­ses gezo­gen wer­den könn­ten. Die Ent­nah­me von Pro­ben nur aus dem obe­ren oder obers­ten Rand­be­reich des Silos durch eine etwa 0,5 qm gro­ße Öff­nung genügt den Anfor­de­run­gen an eine reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be frei­lich nicht. Denn sie reprä­sen­tiert gera­de nicht die von der Klä­ge­rin ange­mel­de­te Waren­sen­dung von ins­ge­samt 175.000 kg Reis, der sich in sie­ben Con­tai­nern befand. Auch meh­re­re Pro­ben im Min­dest­um­fang von 500 g aus dem obe­ren oder obers­ten Bereich des Silos erwei­sen sich ange­sichts des von der Klä­ge­rin in con­cre­to ange­mel­de­ten Waren­um­fangs und unter Berück­sich­ti­gung der auf die Pro­ben­zie­hung aus­strah­len­den Nor­mie­rung des Art. 1 VO Nr. 272/​2010 als blo­ßer Zufalls­be­fund und kön­nen des­halb nicht die recht­li­che Grund­la­ge für eine Nach­er­he­bung gestützt auf Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 bil­den.

Das Finanz­ge­richt Ham­burg hat schließ­lich bedacht, dass der Euro­päi­sche Gerichts­hof mit Urteil vom 04.03.2004 [5] ent­schie­den hat, die Ver­ord­nung (EWG) Nr. 2913/​92 des Rates zur Fest­le­gung des Zoll­ko­dex der Gemein­schaf­ten sei dahin aus­zu­le­gen, dass ein Zollan­mel­der oder sein Ver­tre­ter, der bei der Ent­nah­me eines Mus­ters oder einer Pro­be ein­ge­führ­ter Waren durch die Zoll­be­hör­den anwe­send gewe­sen sei, ohne gel­tend zu machen, dass die­ses Mus­ter oder die­se Pro­be nicht reprä­sen­ta­tiv sei, deren Reprä­sen­ta­ti­vi­tät bestrei­ten kön­ne, wenn er von den Zoll­be­hör­den auf­grund der von ihnen durch­ge­führ­ten Ana­ly­sen die­ses Mus­ters oder die­ser Pro­be auf­ge­for­dert wer­de, zusätz­li­che Ein­gangs­ab­ga­ben zu zah­len, sofern die betref­fen­den Waren noch nicht frei­ge­ge­ben wor­den sei­en oder, wenn sie frei­ge­ge­ben wor­den sei­en, in kei­ner Wei­se ver­än­dert wor­den sei­en, was der Anmel­der nach­zu­wei­sen habe. Die­se Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs beruht auf der Erwä­gung, dass sowohl der Grund­satz der Rechts­si­cher­heit als auch der prak­ti­schen Wirk­sam­keit eine Beschrän­kung der Mög­lich­keit gebie­ten, Ein­wän­de im Hin­blick auf die Reprä­sen­ta­ti­vi­tät der genom­me­nen Pro­be zu erhe­ben; denn ein Zollan­mel­der bzw. sein Ver­tre­ter wird regel­mä­ßig nicht mehr in der Lage sein, die Reprä­sen­ta­ti­vi­tät eines Mus­ters oder einer Pro­be zu bestrei­ten, wenn die ein­ge­führ­ten Waren frei­ge­ge­ben und ver­mark­tet wur­den [6]. Die zeit­li­che Begren­zung der Mög­lich­keit, die Reprä­sen­ta­ti­vi­tät eines Mus­ters oder einer Pro­be zu bestrei­ten, ent­spricht über­dies dem Zweck des Zoll­ko­dex, scil. zügi­ge und wirk­sa­me Ver­fah­ren zur Über­füh­rung in den zoll­recht­lich frei­en Ver­kehr zu gewähr­leis­ten [7]. Könn­te der Anmel­der die­se Reprä­sen­ta­ti­vi­tät zeit­lich unbe­grenzt bestrei­ten, müss­ten die Zoll­be­hör­den näm­lich, um sich gegen ein sol­ches Risi­ko abzu­si­chern, von Amts wegen eine beträcht­li­che Anzahl wei­te­rer Pro­ben zie­hen und unter­su­chen, was weder im Inter­es­se der Wirt­schafts­teil­neh­mer, denen vor allem an der mög­lichst raschen Frei­ga­be der Waren gele­gen ist, lie­gen dürf­te noch von den Zoll­be­hör­den ange­sichts des damit ver­bun­de­nen tat­säch­li­chen und zeit­li­chen Auf­wands geleis­tet wer­den könn­te. Frei­lich folgt aus der vor­ste­hend beschrie­be­nen Beschrän­kung, die Reprä­sen­ta­ti­vi­tät der von der ein­ge­führ­ten Ware ent­nom­me­nen Pro­be zu bestrei­ten, nicht zugleich, dass auch dem Gericht im Rah­men eines gericht­li­chen Ver­fah­rens, in dem sich der Zollan­mel­der gegen die Fest­set­zung von Ein­gangs­ab­ga­ben bezüg­lich der von den Zoll­be­hör­den beschau­ten Waren wen­det, ver­wehrt ist, die Reprä­sen­ta­ti­vi­tät der gezo­ge­nen und unter­such­ten Pro­be zu prü­fen. Denn die Fra­ge, ob die gezo­ge­ne und unter­such­te Pro­be über­haupt objek­tiv geeig­net ist, zu einem sach­ge­rech­ten und damit ver­wert­ba­ren Ergeb­nis im Rah­men einer Teil­be­schau zu füh­ren, prüft das Gericht eben­so wie die Ein­hal­tung der gege­be­nen­falls hin­sicht­lich der Pro­ben­zie­hung zu beach­ten­den gemein­schafts­recht­li­chen Vor­ga­ben von Amts wegen.

Eine Ver­wer­tung des Pro­ben­er­geb­nis­ses schei­det – unge­ach­tet der vor­ste­hen­den Erör­te­run­gen – aus einem wei­te­ren selb­stän­di­gen Grun­de mit der Fol­ge aus, dass im Streit­fall auch nach die­ser Betrach­tungs­wei­se kein Ein­fuhr­zoll nach Art. 6 Abs. 2 VO Nr. 972/​2006 fäl­lig gewor­den ist.

Die Vor­schrift des Art. 6 Unter­ab­satz 1 Satz 1 VO Nr. 972/​2006 hält das beklag­te Haupt­zoll­amt nicht nur an, eine reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be aus dem ein­ge­führ­ten Bas­ma­ti-Reis zu ent­neh­men. Viel­mehr ist das beklag­te Haupt­zoll­amt auch ver­pflich­tet, die gezo­ge­ne reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be ins­ge­samt unter­su­chen zu las­sen. Denn nicht nur in der ent­nom­me­nen, son­dern auch in der unter­such­ten Pro­ben­men­ge muss sich die Waren­be­schaf­fen­heit reprä­sen­ta­tiv wider­spie­geln. Da sich das beklag­te Haupt­zoll­amt über die Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12 jeden­falls in der Wei­se gebun­den hat, dass bei Getrei­de sowohl die Unter­su­chungs­pro­be als auch die Rück­stell­pro­be min­des­tens die in der Anla­ge ersicht­li­chen Men­gen auf­wei­sen müs­sen, hät­te von der A auch eine kom­plet­te Pro­be, also 500 g der ange­mel­de­ten Ware unter­sucht wer­den müs­sen. Im Streit­fall hat indes das Bil­dungs- und Wis­sen­schafts­zen­trum der A ledig­lich eine Pro­be im Umfang von 200 g zuge­sandt. Die A kann daher – wenn über­haupt – ledig­lich 40 % der Min­dest­pro­ben­men­ge von 500 g ana­ly­siert haben.

Der Dienst­an­wei­sung VSF Z 07 12 liegt die Erwä­gung zugrun­de, dass bei bestimm­ten Waren – scil. ins­be­son­de­re Schütt­gut und Flüs­sig­kei­ten – die Zie­hung und Unter­su­chung nur einer ein­zel­nen (Stich-)Probe zu einer Beschaf­fen­heits­fest­stel­lung füh­ren kann, die mit Unsi­cher­hei­ten behaf­tet ist, wes­halb aus die­sem Grun­de Pro­ben in einer bestimm­ten Min­dest­men­ge und/​oder an ver­schie­de­nen Stel­len zu zie­hen sind, um eine reprä­sen­ta­ti­ve Pro­be zu erhal­ten [8]. Aus die­ser Über­le­gung folgt: Selbst wenn den dar­ge­leg­ten Aus­füh­run­gen des Finanz­ge­richts zum Umfang und zur Zusam­men­set­zung einer reprä­sen­ta­ti­ven Pro­be – scil. Zie­hung von wenigs­tens zwei Teil­pro­ben glei­cher Grö­ße aus ver­schie­de­nen Schich­ten der Ware sowie Zusam­men­füh­rung und Durch­mi­schung die­ser Teil­pro­ben zu einer Gesamt­pro­be – nicht gefolgt wird, hät­te das beklag­te Haupt­zoll­amt jeden­falls ent­spre­chend sei­ner das Ermes­sen bin­den­den Dienst­an­wei­sung VSF Z 12 07 eine Min­dest­pro­ben­men­ge von 500 g unter­su­chen las­sen müs­sen. Die – wie im Streit­fall gesche­hen – Unter­su­chung einer blo­ßen Stich­pro­be von 200 g ist nach jeder Betrach­tungs­wei­se als man­gel­haft anzu­se­hen und kann des­halb nicht die recht­li­che Grund­la­ge dafür bie­ten, den regu­lä­ren Ein­fuhr­zoll für geschäl­ten Reis des KN-Codes 1006 20 nach­zu­er­he­ben.

Auch unter Berück­sich­ti­gung des Unter­su­chungs­be­richts der paki­sta­ni­schen Behör­den schei­det vor­lie­gend eine Nach­er­he­bung des regu­lä­ren Ein­fuhr­zolls für geschäl­ten Reis aus. Die paki­sta­ni­schen Behör­den haben zwar in ihrer Ana­ly­se der zuge­sand­ten Pro­be Antei­le von Nicht-Bas­ma­ti-Reis fest­ge­stellt. Es fehlt aller­dings jeder Hin­weis dar­auf, ob die­ser Fremd­an­teil ober­halb oder unter­halb der in Art. 1 VO Nr. 272/​2010 vor­ge­se­he­nen Tole­ranz­gren­ze liegt. Die Erläu­te­rung „Sam­ple … is Super Bas­ma­ti wit­hin per­mis­si­ble level of admix­tu­re pre­va­lent in Paki­stan“ lässt sich in kei­ne denk­ba­re Rich­tung ver­wer­ten.

Finanz­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 19. Mai 2011 – 4 K 140/​10

  1. ABl. Nr. L 84/​23[]
  2. vgl. BFH, Urteil vom 21.08.2007 – VII R 34/​04; BFH, Urteil vom 24.01.2006 – VII R 40/​04, m. w. N.[][]
  3. BFH, Urteil vom 24.01.2006 – VII R 40/​04[]
  4. vgl. FG Ham­burg, Urteil vom 06.05.2004 – IV 408/​02; FG Ham­burg, Urteil vom 10.12.2003 – IV 68/​00; FG Ham­burg, Gerichts­be­scheid vom 27.10.2003 – IV 158/​01[]
  5. EuGH, Urteil vom 04.03.2004 – C‑290/​01[]
  6. vgl. EuGH, Urteil vom 04.03.2004 – C‑290/​01, Rz. 43 u. 44[]
  7. vgl. EuGH, Urteil vom 04.03.2004 – C‑290/​01, Rz. 45[]
  8. vgl. BFH, Urteil vom 21.08.2007 – VII R 34/​04[]