Zollflugplatz

Die vom BMF zu tref­fen­de Ent­schei­dung, wel­cher Flug­platz Zoll­flug­platz ist, auf wel­chem Flug­platz also aus Dritt­län­dern ein­flie­gen­de Luft­fahr­zeu­ge lan­den bzw. von wel­chem Flug­platz sie nach Dritt­län­dern abflie­gen dür­fen, rich­tet sich nicht an die Flug­platz­be­trei­ber, son­dern ist eine an den jewei­li­gen Flug­zeug­füh­rer gerich­te­te zoll­recht­li­che Ver­kehrs­re­ge­lung.

Zollflugplatz

Bei der im pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen lie­gen­den Ent­schei­dung, ob ein Flug­platz in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­ge­nom­men wird, dür­fen unter ande­rem ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­to­ri­sche und ver­wal­tungs­öko­no­mi­sche Gesichts­punk­te berück­sich­tigt wer­den, also auch die aus einem sog. Pro­be­be­trieb gewon­ne­nen Erkennt­nis­se und eine dar­auf auf­bau­en­de Pro­gno­se hin­sicht­lich eines bestehen­den Bedarfs für einen wei­te­ren Zoll­flug­platz in der Regi­on, solan­ge bei der Ent­schei­dung die Berufs­aus­übungs­frei­heit des durch die Ent­schei­dung betrof­fe­nen Flug­platz­be­trei­bers mit dem ihr zukom­men­den Gewicht berück­sich­tigt wird.

Nach Art. 38 Abs. 1 Buchst. a ZK sind in das Zoll­ge­biet der Gemein­schaft ver­brach­te Waren vom Ver­brin­ger unver­züg­lich und gege­be­nen­falls unter Benut­zung des von den Zoll­be­hör­den bezeich­ne­ten Ver­kehrs­wegs zu der von den Zoll­be­hör­den bezeich­ne­ten Zoll­stel­le oder einem ande­ren von die­sen Behör­den bezeich­ne­ten oder zuge­las­se­nen Ort zu beför­dern. Wer­den Waren auf dem Luft­weg beför­dert, sind sie mit dem Über­flie­gen der Gren­ze des Zoll­ge­biets der Gemein­schaft in das Zoll­ge­biet ver­bracht (vgl. Art. 3 Abs. 3 ZK). Hin­sicht­lich der dem Ver­brin­ger, d.h. in die­sem Fall dem Flug­zeug­füh­rer, nach Art. 38 Abs. 1 ZK oblie­gen­den Beför­de­rungs­pflicht zur bezeich­ne­ten Zoll­stel­le unter Benut­zung des vor­ge­schrie­be­nen Ver­kehrs­wegs schreibt § 2 Abs. 2 ZollVG vor, dass ein­flie­gen­de Luft­fahr­zeu­ge nur auf einem Zoll­flug­platz lan­den und aus­flie­gen­de nur von einem sol­chen abflie­gen dür­fen. Die Zoll­flug­plät­ze wer­den nach § 2 Abs. 4 Satz 2 ZollVG i.V.m. § 3 Abs. 1 ZollV im Bun­des­an­zei­ger bekannt­ge­ge­ben1.

Es han­delt sich hier­bei –wie der Bun­des­fi­nanz­hofs bereits hin­sicht­lich der soge­nann­ten beson­de­ren Lan­de­plät­ze2 aus­ge­führt hat– nicht um eine an den Flug­platz­be­trei­ber gerich­te­te Ent­schei­dung, mit der sei­nem Flug­platz ein beson­de­rer Sta­tus ver­lie­hen wird, son­dern allein um eine an den jewei­li­gen Flug­zeug­füh­rer gerich­te­te und von die­sem zu befol­gen­de zoll­recht­li­che Ver­kehrs­re­ge­lung.

Die Ent­schei­dung eröff­net dem Flug­platz­be­trei­ber die Chan­ce, dass Flug­zeu­ge im grenz­über­schrei­ten­den Ver­kehr sei­nen Flug­platz benut­zen, ver­leiht ihm aber kei­ner­lei Rech­te und erlegt ihm kei­ne Pflich­ten auf. Gleich­wohl hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt –in den Bun­des­fi­nanz­hof bin­den­der Wei­se– der nega­ti­ven Ent­schei­dung des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen über die Auf­nah­me eines Flug­plat­zes in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze eine hin­sicht­lich der Berufs­aus­übungs­frei­heit des Flug­platz­be­trei­bers ein­griffs­glei­che Wir­kung bei­gemes­sen, so dass des­sen beruf­li­che Belan­ge bei einer gericht­li­chen Über­prü­fung einer Ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen sei­en.

Nach Ansicht des Bun­des­fi­nanz­hofs stel­len aller­dings Art. 38 Abs. 1 Buchst. a ZK, § 2 Abs. 2 und Abs. 4 Satz 2 ZollVG sowie § 3 Abs. 1 ZollV eine ver­fas­sungs­kon­for­me Rechts­grund­la­ge für die Bestim­mung von Zoll­flug­plät­zen dar. Da die­se Vor­schrif­ten für die Ent­schei­dung, wel­cher Flug­platz in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­zu­neh­men ist, kei­ne die Zoll­ver­wal­tung bin­den­den Vor­aus­set­zun­gen bezeich­nen, steht die­se Ent­schei­dung in deren pflicht­ge­mä­ßem Ermes­sen. Dass die­se Ent­schei­dung nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts3 auch die grund­ge­setz­lich geschütz­te Berufs­aus­übungs­frei­heit eines Flug­platz­be­trei­bers tan­giert, der über sei­nen Flug­platz auch Dritt­lands­ver­keh­re abwi­ckeln will, hat –wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in dem genann­ten Beschluss eben­falls aus­ge­führt hat– nicht zur Fol­ge, dass die der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den gesetz­li­chen Vor­schrif­ten in ihren Tat­be­stän­den beschrie­be­ne mate­ri­el­le Kri­te­ri­en ent­hal­ten müss­ten, wel­che den ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen an einen Ein­griff in die Berufs­aus­übungs­frei­heit genü­gen. Denn das der Zoll­ver­wal­tung ein­ge­räum­te Ermes­sen bei der Ent­schei­dung über die Bestim­mung eines Zoll­flug­plat­zes ist nicht etwa völ­lig frei und für jeg­li­che Erwä­gun­gen offen und somit im Sin­ne ver­fas­sungs­recht­li­cher Anfor­de­run­gen nicht hin­rei­chend bestimmt, son­dern Sinn und Zweck der vor­ste­hend genann­ten zoll­recht­li­chen Vor­schrif­ten machen viel­mehr –wie der Bun­des­fi­nanz­hof bereits4 aus­ge­führt hat– deut­lich, nach wel­chen Kri­te­ri­en die Ent­schei­dung, wel­che Flug­plät­ze für Dritt­lands­ver­keh­re bestimmt wer­den, zu tref­fen ist.

Die Vor­schrif­ten über die ord­nungs­ge­mä­ße Beför­de­rung in das Zoll­ge­biet der Uni­on ver­brach­ter Waren auf einem bestimm­ten Ver­kehrs­weg zu einer von den Zoll­be­hör­den bezeich­ne­ten Zoll­stel­le betref­fen die der Zoll­ver­wal­tung oblie­gen­de Auf­ga­be der Über­wa­chung des grenz­über­schrei­ten­den Waren­ver­kehrs (vgl. § 1 Abs. 1 ZollVG). Die­se Auf­ga­be hat die Zoll­ver­wal­tung effek­tiv zu erfül­len, was eine ord­nungs­ge­mä­ße Über­wa­chung des grenz­über­schrei­ten­den Waren­ver­kehrs unter gleich­zei­tig scho­nen­dem Ein­satz öffent­li­cher Mit­tel sach­li­cher und per­so­nel­ler Art bedeu­tet. Die Zoll­ver­wal­tung trifft daher die Ent­schei­dung, wel­che Ver­kehrs­we­ge zu der bezeich­ne­ten Zoll­stel­le ein­zu­hal­ten sind, wenn Waren in das Zoll­ge­biet der Uni­on ver­bracht wer­den, vor­ran­gig nach –die­ser effek­ti­ven Auf­ga­ben­er­fül­lung die­nen­den– ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­to­ri­schen, ver­wal­tungs­öko­no­mi­schen, haus­halts­po­li­ti­schen und ggf. sicher­heits­po­li­ti­schen Gesichts­punk­ten5. Eine gesetz­li­che Rege­lung der Bestim­mung von Zoll­flug­plät­zen müss­te in glei­cher, zumin­dest ähn­li­cher Wei­se die­se Kri­te­ri­en als für die Ent­schei­dung maß­geb­lich vor­schrei­ben. Dem­entspre­chend hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt6 unter Hin­weis auf sei­ne Recht­spre­chung aus­ge­führt, dass die­se sich aus Sys­te­ma­tik und Zweck­set­zung der zoll­recht­li­chen Vor­schrif­ten erge­ben­den Kri­te­ri­en eine ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen genü­gen­de gesetz­li­che Rege­lung der Berufs­aus­übung dar­stel­len, solan­ge bei der Ent­schei­dung, wel­cher Flug­platz Zoll­flug­platz sein soll, die Berufs­aus­übungs­frei­heit des –durch die Ent­schei­dung aller­dings nur mit­tel­bar– betrof­fe­nen Flug­platz­be­trei­bers mit dem ihr zukom­men­den Gewicht berück­sich­tigt wird.

Soweit die Behör­de ermäch­tigt ist, nach ihrem Ermes­sen zu han­deln oder zu ent­schei­den, prüft das Gericht nach § 102 Satz 1 FGO, ob die gesetz­li­chen Gren­zen des Ermes­sens über­schrit­ten wur­den oder die Behör­de von ihrem Ermes­sen in einer dem Zweck der Ermäch­ti­gung nicht ent­spre­chen­den Wei­se Gebrauch gemacht hat. Hin­sicht­lich die­ser letzt­ge­nann­ten Alter­na­ti­ve –die im Streit­fall allein in Betracht kommt– ist die gericht­li­che Prü­fung dar­auf beschränkt, ob ein sog. Ermes­sens­fehl­ge­brauch vor­liegt, die Aus­übung des Ermes­sens also recht­lich zu bean­stan­den ist; hin­ge­gen ist das Gericht nicht befugt, eine eige­ne Ermes­sens­ent­schei­dung zu tref­fen und die­se an die Stel­le der behörd­li­chen Ermes­sens­ent­schei­dung zu set­zen7.

Die für die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums maß­ge­ben­den Grün­de erge­ben sich aus sei­nen Erlas­sen vom 11. März und 23. Mai 2003. Danach hat das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um bei sei­ner Ent­schei­dung die wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Klä­ge­rin, mit ihrem Flug­platz am Flug­ver­kehrs­auf­kom­men mit Dritt­land­be­zug par­ti­zi­pie­ren zu kön­nen, gegen ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­to­ri­sche und ver­wal­tungs­öko­no­mi­sche Grün­de abge­wo­gen und hat Letzt­ge­nann­ten den Vor­rang mit der Begrün­dung ein­ge­räumt, dass bei dem bis­her fest­ge­stell­ten nur gerin­gen Auf­ga­ben­vo­lu­men im Bereich der Ein- und Aus­fuhr­ab­fer­ti­gung gewerb­li­cher Waren­sen­dun­gen die dau­er­haf­te Ein­rich­tung einer Abfer­ti­gungs­stel­le nicht in Betracht kom­me und dass somit an einem als Zoll­flug­platz aus­ge­wie­se­nen Flug­platz X anfal­len­de Zoll­ab­fer­ti­gun­gen von einem 30 km ent­fernt lie­gen­den Zoll­amt vor­ge­nom­men wer­den müss­ten, womit die Über­wa­chung des grenz­über­schrei­ten­den Waren­ver­kehrs nur unzu­läng­lich gewähr­leis­tet sei. Die­se Erwä­gun­gen des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums kön­nen nicht als sach­wid­rig ange­se­hen wer­den.

Eben­so wenig sach­wid­rig ist es, dass das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um den auf Sei­ten der Klä­ge­rin bestehen­den Bedarf, mit dem Flug­platz auch für Dritt­lands­ver­keh­re zur Ver­fü­gung ste­hen zu kön­nen, nach den Ergeb­nis­sen des ein­jäh­ri­gen Pro­be­be­triebs beur­teilt hat. Viel­mehr ist es aus recht­li­chen Grün­den nicht zu bean­stan­den, wenn das Bun­des­fi­nanz­mi­nisteir­um nicht allein auf­grund eines vom Flug­platz­be­trei­ber geäu­ßer­ten Wun­sches und auf­grund des­sen nicht siche­rer Pro­gno­sen hin­sicht­lich der wei­te­ren Ver­kehrs­ent­wick­lung einen Flug­platz in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­nimmt –was für die Zoll­ver­wal­tung erheb­li­che orga­ni­sa­to­ri­sche und per­so­nel­le Maß­nah­men sowie den Ein­satz sach­li­cher Mit­tel nach sich zieht– und auf das Ein­tref­fen der Pro­gno­sen hofft, son­dern eine eige­ne pro­gnos­ti­sche Ein­schät­zung des zu erwar­ten­den Flug­auf­kom­mens vor­nimmt und ggf. ver­sucht, den angeb­lich bestehen­den Bedarf für die Zulas­sung von Dritt­lands­ver­keh­ren einem Wirk­lich­keits­test zu unter­zie­hen. Der Ansicht, vom Flug­platz­be­trei­ber kön­ne ledig­lich ver­langt wer­den, ein ent­spre­chen­des Poten­zi­al und die glaub­haf­te Absicht, die­ses zu nut­zen, nach­zu­wei­sen, kann nicht gefolgt wer­den.

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um muss­te des­halb den Flug­platz X auch nicht allein auf der Grund­la­ge eines sei­tens der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Ent­wick­lungs- und Flä­chen­kon­zepts aus dem Jahr 1999, das auch nur mög­li­che, nicht aber siche­re Ent­wick­lun­gen des Flug­plat­zes beschrieb, in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­neh­men. Viel­mehr durf­te das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hier­in eine das Antrags­be­geh­ren der Klä­ge­rin zwar stüt­zen­de, aber gleich­wohl unge­wis­se Pro­gno­se sehen und sei­ne Ent­schei­dung allein von den Erkennt­nis­sen aus dem der Klä­ge­rin gewähr­ten Pro­be­be­trieb abhän­gig machen, wel­che –wie sich dann erwies– mehr als deut­lich von der Pro­gno­se des Ent­wick­lungs- und Flä­chen­kon­zepts abwi­chen.

Ob ein sol­cher Pro­be­be­trieb in zeit­li­cher Hin­sicht lang genug bemes­sen ist, um zu brauch­ba­ren Erkennt­nis­sen hin­sicht­lich der wei­te­ren Ver­kehrs­ent­wick­lung zu füh­ren, lässt sich nur unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls beur­tei­len. In Anbe­tracht der in der Zeit des sog. Pro­be­be­triebs am Flug­platz X ange­fal­le­nen drei Aus­fuhr­ab­fer­ti­gun­gen, also nur drei statt­ge­fun­de­ner Abflü­ge in Dritt­län­der, durf­te das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um aller­dings von einem deut­lich gewor­de­nen feh­len­den Bedarf für die Abwick­lung von Dritt­lands­ver­keh­ren über den Flug­platz X aus­ge­hen, so dass es nicht sach­wid­rig erscheint, dass es trotz der sei­tens der Klä­ge­rin geschil­der­ten Schwie­rig­kei­ten, Dritt­lands­flü­ge wäh­rend die­ser Zeit zu akqui­rie­ren, die wäh­rend des Pro­be­be­triebs gewon­ne­nen Erkennt­nis­se als für sei­ne Ent­schei­dung aus­rei­chend zugrun­de gelegt und kei­ne Anhalts­punk­te dafür gese­hen hat, dass das Flug­ver­kehrs­auf­kom­men mit Dritt­lands­be­zug im Fall der Ver­län­ge­rung des Pro­be­be­triebs signi­fi­kant stei­gen wer­de.

Wenn das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um in Anbe­tracht eines nach sei­ner Ein­schät­zung der­art gerin­gen zu erwar­ten­den Abfer­ti­gungs­be­darfs auf dem Flug­platz X zu der Auf­fas­sung gelangt ist, dass die einen erheb­li­chen Auf­wand for­dern­de Ein­rich­tung einer Abfer­ti­gungs­stel­le auf die­sem Flug­platz ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­to­risch und ver­wal­tungs­öko­no­misch nicht zu ver­tre­ten sei, dass aber auch die Über­wa­chung des Flug­plat­zes aus der Fer­ne durch das nächs­te, aller­dings 30 km ent­fernt lie­gen­de Zoll­amt A nicht in Betracht kom­me, weil auf einem Zoll­flug­platz Flug­ver­keh­re mit Dritt­lands­be­zug jeder­zeit statt­fin­den könn­ten und die Zoll­ver­wal­tung daher prä­sent sein müs­se, so stellt dies –wie aus­ge­führt– kei­ne sach­wid­ri­ge Erwä­gung dar. Es kommt inso­weit nicht dar­auf an, dass das FG die­se Erwä­gun­gen für „nicht über­zeu­gend” gehal­ten und es für „durch­aus denk­bar” gehal­ten hat, die zoll­amt­li­che Über­wa­chung durch eine mobi­le Abfer­ti­gungs­stel­le vom Zoll­amt A aus durch­zu­füh­ren, denn es liegt im Wesen eines gesetz­lich ein­ge­räum­ten Ver­wal­tungs­er­mes­sens, dass es der Ent­schei­dung der zustän­di­gen Behör­de über­las­sen ist, wel­che der meh­re­ren durch den Ermes­sens­spiel­raum eröff­ne­ten Hand­lungs­mög­lich­kei­ten sie nach Abwä­gung der maß­geb­li­chen Gesichts­punk­te für zweck­mä­ßig hält und ergreift. Das Gericht kann kei­ne ande­re in Betracht kom­men­de Alter­na­ti­ve wäh­len, die sei­ner Ansicht nach die zweck­mä­ßigs­te ist, und es kann des­halb im Rah­men der Ermes­sens­prü­fung von der Ver­wal­tung nicht ver­lan­gen, ihre Res­sour­cen groß­zü­gi­ger ein­zu­set­zen.

Das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um hat bei sei­ner den Flug­platz X betref­fen­den Ent­schei­dung nicht nur öffent­li­che Belan­ge, son­dern auch das beruf­li­che Inter­es­se der Klä­ge­rin an einer Teil­ha­be an Dritt­lands­ver­keh­ren berück­sich­tigt. Dass es sich hier­bei nicht ledig­lich um eine lee­re Behaup­tung han­delt, ver­deut­licht der Umstand, dass das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um der Klä­ge­rin den Nach­weis eines kon­kre­ten auf ihrem Flug­platz erkenn­ba­ren Bedarfs für die Abwick­lung von Flug­ver­keh­ren mit Dritt­län­dern wäh­rend des sog. Pro­be­be­triebs ermög­licht und erst nach des­sen Abschluss sei­ne Ent­schei­dung getrof­fen hat.

Soweit das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um bei der Abwä­gung der zu berück­sich­ti­gen­den Gesichts­punk­te den durch Art. 12 Abs. 1 GG geschütz­ten beruf­li­chen Inter­es­sen der Klä­ge­rin gleich­wohl nicht den Vor­rang vor den öffent­li­chen Belan­gen ein­ge­räumt hat, hat es die grund­ge­setz­lich garan­tier­te Berufs­aus­übungs­frei­heit auch mit dem ihr zukom­men­den Gewicht berück­sich­tigt.

Ein­grif­fe in die Berufs­aus­übungs­frei­heit8 sind nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts9 auf der Grund­la­ge einer gesetz­li­chen Rege­lung ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­sig, wenn sie durch Grün­de des Gemein­wohls gerecht­fer­tigt und mit dem Grund­satz der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit ver­ein­bar sind. Die vom Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um im Streit­fall auf der gesetz­li­chen Grund­la­ge der Art. 38 Abs. 1 Buchst. a ZK, § 2 Abs. 2 und Abs. 4 Satz 2 ZollVG sowie § 3 Abs. 1 ZollV getrof­fe­ne Ermes­sens­ent­schei­dung trägt die­sen ver­fas­sungs­recht­li­chen Anfor­de­run­gen Rech­nung. Die effek­ti­ve –d.h. ord­nungs­ge­mä­ße, aber zugleich öffent­li­che Mit­tel scho­nend ein­set­zen­de– Erfül­lung der der Zoll­ver­wal­tung oblie­gen­den Auf­ga­be, den grenz­über­schrei­ten­den Waren­ver­kehr zu über­wa­chen, ist ein Grund des Gemein­wohls, der die Beschrän­kung der Berufs­aus­übung eines Flug­platz­be­trei­bers, des­sen Flug­platz nicht in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­ge­nom­men ist, zu recht­fer­ti­gen ver­mag.

Für den Streit­fall ist auch nicht ersicht­lich, dass die­se beruf­li­che Beschrän­kung die Klä­ge­rin in unver­hält­nis­mä­ßi­ger Wei­se trifft. Da der ein­jäh­ri­ge Pro­be­be­trieb für den Flug­platz X mit nur drei Zoll­ab­fer­ti­gun­gen wäh­rend die­ser Zeit kei­nen nach­hal­ti­gen Bedarf für die Abwick­lung von Flug­ver­keh­ren mit Dritt­lands­be­rüh­rung hat erken­nen las­sen und auch im Nach­hin­ein kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te dafür fest­ge­stellt wor­den sind, wel­che die Mög­lich­keit einer inso­weit deut­lich stei­gen­den Ten­denz nahe legen, wird die Klä­ge­rin durch die zoll­recht­li­che Lei­tung der Dritt­lands­ver­keh­re über ande­re Flug­plät­ze in ihrer Berufs­aus­übung nicht in unzu­mut­ba­rer Wei­se beschränkt. Die Anzahl der Flug­ver­keh­re, auf deren Abwick­lung sie wegen der feh­len­den Zoll­flug­platz­be­stim­mung ver­zich­ten muss, ist nach der auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen zu tref­fen­den Pro­gno­se äußerst gering. Dem­ge­gen­über durf­te den zu berück­sich­ti­gen­den ver­wal­tungs­or­ga­ni­sa­to­ri­schen und ver­wal­tungs­öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten der Zoll­ver­wal­tung der Vor­rang ein­ge­räumt wer­den.

Tat­sa­chen, die Ermes­sens­ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um als sach­wid­rig erschei­nen las­sen könn­ten, bestehen auch nicht dar­in, dass ande­re Flug­plät­ze in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze auf­ge­nom­men wor­den sei­en, obwohl auch dort nur gering­fü­gi­ge Flug­ver­keh­re mit Dritt­lands­be­zug statt­fän­den. Dies allein recht­fer­tigt jedoch nicht die Annah­me einer ermes­sens­feh­ler­haf­ten Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um im Streit­fall, denn da –wie aus­ge­führt– bei der Ent­schei­dung, wel­cher Flug­platz Zoll­flug­platz ist, eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Gesichts­punk­te zu berück­sich­ti­gen und gegen­ein­an­der abzu­wä­gen ist, kann die­sen Gesichts­punk­ten im Ein­zel­fall auch unter­schied­li­ches Gewicht zukom­men. So kön­nen z.B. auch die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt10 erwähn­ten struk­tur­po­li­ti­schen Fol­gen für die Raum­ord­nung Berück­sich­ti­gung fin­den und es kann daher eine Rol­le spie­len, dass eine bis­her struk­tur­schwa­che Regi­on über kei­ne bzw. nur gerin­ge Mög­lich­kei­ten ver­fügt, Flug­ver­keh­re mit Dritt­lands­be­zug statt­fin­den zu las­sen. Aus dem Umstand, dass bei einer Ent­schei­dung über die Auf­nah­me eines Flug­plat­zes in die Lis­te der Zoll­flug­plät­ze bestimm­te Erwä­gun­gen im Vor­der­grund stan­den, kann somit nicht her­ge­lei­tet wer­den, dass die­se Erwä­gun­gen auch hin­sicht­lich eines ande­ren Flug­plat­zes maß­ge­bend sein müs­sen.

Etwas ande­res ergä­be sich nur, wenn die Zoll­ver­wal­tung das ihr ein­ge­räum­te Ermes­sen in stän­di­ger Pra­xis dahin aus­ge­übt hät­te, einen für den betref­fen­den Flug­platz fest­ge­stell­ten nach­hal­ti­gen kon­kre­ten Bedarf für Flug­ver­keh­re mit Dritt­lands­be­rüh­rung regel­mä­ßig nicht oder jeden­falls nicht in einer für die Ent­schei­dung maß­ge­ben­den Wei­se zu berück­sich­ti­gen (sog. Selbst­bin­dung der Ver­wal­tung). Für eine sol­che Ver­wal­tungs­pra­xis des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, die im Übri­gen dem Zweck der Ermes­sen­ser­mäch­ti­gung schwer­lich ent­spre­chen wür­de, erge­ben jedoch die inso­weit nicht wei­ter sub­stan­ti­ier­ten, ledig­lich eini­ge ihrer Ansicht nach ein­schlä­gi­ge Bei­spie­le nen­nen­den Aus­füh­run­gen der Klä­ge­rin kei­nen Hin­weis, der eine Zurück­ver­wei­sung der Sache an das Finanz­ge­richt zur wei­te­ren Sach­auf­klä­rung recht­fer­tigt.

Aus den genann­ten Grün­den ist die Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um, den sog. Pro­be­be­trieb nicht zu ver­län­gern, eben­falls recht­lich nicht zu bean­stan­den. Außer der Behaup­tung der Klä­ge­rin, es bestehe bei einem mehr als nur ein­jäh­ri­gen Pro­be­be­trieb die Mög­lich­keit oder gar Wahr­schein­lich­keit, einen stei­gen­den Bedarf für die Abwick­lung von Dritt­lands­ver­keh­ren auf dem Flug­platz X nach­zu­wei­sen, gibt es ins­be­son­de­re in Anbe­tracht der nahe­zu gegen null gehen­den Zoll­ab­fer­ti­gun­gen wäh­rend des bis­he­ri­gen Pro­be­be­triebs kei­ne kon­kre­ten Anhalts­punk­te für eine sol­che Annah­me.

Der sog. Pro­be­be­trieb bestand im Übri­gen nur dar­in, dass zur Ertei­lung von Ein­zel­be­frei­un­gen vom Zoll­flug­platz­zwang, die gemäß § 2 Abs. 3, § 3 Abs. 4 und § 5 Abs. 4 ZollV unter den dort genann­ten Vor­aus­set­zun­gen ohne­hin jeder­zeit gewährt wer­den kön­nen, die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on ermäch­tigt wor­den war. Da das Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um im finanz­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren erklärt hat, die Ertei­lung von Ein­zel­be­frei­un­gen für die Zukunft nicht grund­sätz­lich ableh­nen zu wol­len, führt allein der Umstand, dass die Ermäch­ti­gung der OFD zur Ertei­lung die­ser Befrei­un­gen wider­ru­fen wor­den ist und die dies­be­züg­li­che Zustän­dig­keit somit zunächst wie­der beim Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um lag11, inzwi­schen aber dem jeweils zustän­di­gen Haupt­zoll­amt über­tra­gen ist12, nicht zu einer unver­hält­nis­mä­ßi­gen Beschrän­kung der Klä­ge­rin in ihrer Berufs­aus­übung.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2010 — VII R 4509

UPDATE: Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die gegen die­se Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men.
Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 10. April 2012 — 1 BvR 10011

  1. s. auch VSF Z 06 13 – 1 []
  2. BFH, Urteil vom 31.01.2005 — VII R 3304, BFHE 208, 350, ZfZ 2005, 236); vgl. im Streit­fall auch BFH, Urteil in BFHE 218, 458, ZfZ 2008, 13 []
  3. BVerfG, Beschluss in ZfZ 2009, 291 []
  4. in BFH, Urteil in BFHE 218, 458, ZfZ 2008, 13 []
  5. vgl. inso­weit auch Abs. 5 und 6 der neu­ge­fass­ten Dienst­vor­schrift für Zoll­flug­plät­ze, beson­de­re Lan­de­plät­ze, ande­re Flug­plät­ze sowie Ein­zel­fäl­le der Befrei­ung vom Zoll­flug­platz­zwang, VSF Z 06 13 – 0 []
  6. BVerfG, Beschluss in ZfZ 2009, 291 []
  7. vgl. Gräber/​von Groll, Finanz­ge­richts­ord­nung, 7. Aufl., § 102 Rz 14 []
  8. die Berufs­wahl­frei­heit ist nach BVerfG, Beschluss in ZfZ 2009, 291, im Streit­fall nicht tan­giert []
  9. vgl. den vor­ste­hend genann­ten BVerfG-Beschluss, m.w.N. []
  10. BVerfG, Beschluss in ZfZ 2009, 291 []
  11. Abs. 12 Unter­abs. 3 der Dienst­vor­schrift zur Erfas­sung des Waren­ver­kehrs, VSF Z 06 01 a.F. []
  12. Abs. 12 der Dienst­vor­schrift zu den Titeln III und V des Zoll­ko­dex, VSF Z 06 01, sowie Abs. 20 ff. der neu­ge­fass­ten Dienst­vor­schrift für Zoll­flug­plät­ze, beson­de­re Lan­de­plät­ze, ande­re Flug­plät­ze, sowie Ein­zel­fäl­le der Befrei­ung vom Zoll­flug­platz­zwang, VSF Z 06 13 – 0 []